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Bahnhof ohne Barriere: Vertreter von Bahn und Politik bei der offiziellen Eröffnung des umgebauten Zug-Halts in Saulgrub

Bund und Land investieren 800 000 Euro in den Umbau

Topmodern und barrierefrei: Frischzellenkur für Bahnstation Saulgrub 

  • Ludwig Hutter
    vonLudwig Hutter
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Nach Stufen wird man im neuen Bahnhof Saulgrub vergebens suchen: In gerade zwei Monaten wurde der barrierefreie Umbau realisiert.

Saulgrub – Ehrenbürgerschaft? Ein Denkmal? Namensgeber für eine Straße? Wo soll das noch hinführen? Schön langsam müssen sich die Saulgruber Gedanken machen, in welcher Form sie Alexander Dobrindt würdigen können. Der Peißenberger CSU-Bundestagsabgeordnete hatte sich schon in seiner Funktion als Bundesverkehrsminister massiv dafür eingesetzt, dass der Ort 2016 endlich seine Umfahrung bekam und dadurch von Lärm und Abgasen befreit wurde. Jetzt hatte Bürgermeister Rupert Speer ein weiteres Mal Grund zur Freude: Nach nur zwei Monaten Bauzeit kann sich Saulgrub mit einem topmodernen, barrierefreien Bahnhof schmücken. Und wieder war es Dobrindt, der dafür noch als Minister die Weichen stellte mit einem Modernisierungsprogramm für kleine Bahnstationen im ländlichen Raum. Die Gesamtkosten dafür in Höhe von 800 000 Euro teilen sich Bund und Freistaat zu jeweils 50 Prozent.

Täglich 200 Ein- und Aussteiger

Gestern nun wurde bei Kaiserwetter die Einweihung des Bahn-Halts nur im kleinen Kreis gefeiert – coronabedingt ohne Blasmusik, Umtrunk und Bevölkerung. Immerhin war ein Staatssekretär erschienen in Person von Klaus Holetschek. Dobrindt hatte Bürgermeister Speer ein Grußwort geschickt, konnte persönlich wegen „verpflichtender Termine in Berlin“ nicht kommen. Sein Verdienst: 2016 hatte er den Saulgruber Bahnhof in das damals neu geschaffene „Zukunftsinvestitionsprogramm Barrierefreiheit“ aufgenommen, zusammen mit Bernried. Insgesamt kamen nur 17 kleine Bahnhöfe in den Genuss dieser Förderung.

Im Schnitt kann Saulgrub 200 Ein- und Aussteiger täglich als Zug-Halt an der Strecke Murnau-Oberammergau verbuchen – sehr überschaubar. Wäre da nicht das Aura-Hotel für Blinde und sehbehinderte Menschen, das jährlich 3000 Ankünfte und 25 000 Übernachtungen verzeichnet, so hätte die Gemeinde wohl nicht den Sprung in dieses staatliche Förderprogramm geschafft. Rupert Speer vergaß denn auch nicht, die Bedeutung der Einrichtung heraus zu stellen: „Das Haus ist ganz wichtig für unsere Infrastruktur. Deswegen ist die Bahnstation auch von Bedeutung, weil viele Gäste mit dem Zug anreisen.“ Der Rathauschef zeigte sich absolut überzeugt davon, „dass hier an der richtigen Stelle investiert worden ist“ – eine Aussage, die von den Umstehenden mit einem Schmunzeln aufgenommen wurde. Speer vergaß indes nicht, die Verantwortlichen darauf hinzuweisen, „dass wir noch einen zweiten Bahnhof in unserer Gemeinde haben, nämlich Altenau.“ Man würde sich freuen, wenn auch dieser Haltepunkt in das Sonderprogramm mit aufgenommen würde.

Das Aura-Hotel - eine Perle

„Sehr glücklich“ über die Frischzellenkur des Bahnhofs zeigte sich Kerstin Skudrin, die Chefin des Aura-Hotels: „Die Erholung für unsere Gäste beginnt mit der Anreise. Sie können sich künftig beim Aussteigen sicher fühlen und brauchen keine Angst zu haben, dass sie in einem Spalt hängenbleiben.“ Auch Judith Faltl, die selbst blind ist, freute sich, dass nun das Ein- und Aussteigen gefahrlos klappe. Die Landesvorsitzende des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes rühmte in dem Zusammenhang das Aura-Hotel: „Das ist einzigartig in Deutschland und eine Perle für uns Blinde. Die dort angebotenen Ausflüge seien unbeschreiblich schön.“ Dank einer neuen App könnten die Gäste nun leicht den Weg vom Bahnhof zum Hotel selbst gut zu Fuß bewältigen.

Passend zum Bilderbuchwetter erschien Landrat Anton Speer in der Lederhose. Auch er hob ein funktionierendes ÖPNV-Konzept hervor: „Der Landkreis erstickt teilweise am Verkehr, nicht nur an den Wochenenden, inzwischen auch unter der Woche. Da brauchen wir einfach ein gutes Bahn- und Busangebot.“ Am Saulgruber Bahnhof ermöglicht die neue Bahnsteighöhe von 76 Zentimeter künftig nicht nur Rollstuhlfahrern und bewegungseingeschränkten Fahrgästen einen stufenfreien Zustieg zu den Zügen, sondern auch Reisenden mit Rollkoffern, Kinderwagen oder Fahrrädern. Sehbehinderte profitieren von einem Blindenleitsystem.

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