Ludwig Hutter an seinem Schreibtisch in der Redaktion in Weilheim.
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Ludwig Hutter startete beim Weilheimer Tagblatt: Jetzt arbeitet er in Garmisch-Partenkirchen.

Die Geschichte meines Lebens

Die Tote auf dem Feldweg: Ludwig Hutter hat zehn Jahre über einen brutalen Mord berichtet

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Lokalreporter Ludwig Hutter, ab 1978 bei den Heimatzeitungen des Münchner Merkur, erzählt die Geschichte seines Lebens.

Ludwig Hutter, Jahrgang 1958, startete im Herbst 1978 als Volontär beim Weilheimer Tagblatt. Das Schreiben ließ ihn nicht mehr los, daraus wurden über vier Jahrzehnte als „Merkurianer“. Er ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter und lebt „sehr gerne“ in Unterammergau. Hier erzählt er die Geschichte seines Lebens. Dieser Text erscheint ergänzend zum Interview: „Lokaljournalismus hat eine Bombenzukunft".

Ich bin felsenfest davon überzeugt: Dieser Fall hätte das Zeug zum TV-Thriller, er wäre ein echter Schweden-Krimi mit allen Facetten. Dass in Kürze ein Buch darüber erscheint, bestätigt die These. Und doch war es wohl purer Zufall, dass sich das Verbrechen in meinem Zuständigkeitsbereich zugetragen hat.

November 2001, ein einsamer Feldweg zwischen Saulgrub und Bad Bayersoien. Eine Bäuerin bringt ihre Tochter im Morgengrauen mit dem Auto zur Schule, muss plötzlich anhalten. Auf der Straße liegt eine tote Frau, nackt, bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Das Ende einer grauenerregenden Straftat. Als die Polizei den Mord in den folgenden Tagen und Wochen untersucht, kommen weitere Details ans Tageslicht. Die Frau mittleren Alters, eine Schmuckhändlerin aus Amsterdam, wurde sexuell missbraucht, mehrmals mit dem Auto überrollt, verstümmelt. Der vermeintliche Mörder – ein Architekt aus Italien, der nicht nur zu seinem Opfer ein Verhältnis hatte, sondern auch mit dessen Tochter liiert war.

Zwei Jahre lang kann die tote Frau nicht identifiziert werden. Auch ein Beitrag in „Aktenzeichen XY ...“ bringt die Kriminaler nicht weiter. Über eine Lederjacke, die nur 14-mal verkauft wurde, und ein neues DNA-Verfahren kann die Kripo die Identität der Leiche schließlich klären und kommt dem vermeintlichen Mörder immer mehr auf die Spur.

Als die deutschen Beamten die Tochter in Italien vernehmen wollen, wird diese tot in Bari mit einem Kopfschuss aufgefunden. Später wird ihr Freund zu zweimal lebenslänglich verurteilt – er hat beide Frauen getötet.

Über diesen Fall durfte ich intensiv in vielen Artikeln berichten, zehn Jahre lang, von der Tat bis zur Verurteilung. Immer wieder gab es neue Hinweise und Details, manchmal habe ich auch ein wenig spekuliert. So nah dran zu sein an einem Mordfall – in einer Region, in der es sonst eher beschaulich zugeht – hat mich gepackt, in den Bann gezogen. Ein „Tatort dahoam“ eben.

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