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Die bevorstehende Landesausstellung in Ettal wird ebenfalls thematisiert – und die Frage aufgeworfen, wer denn nun alles daran verdient.

Faschingszug in Saulgrub nimmt zahlreiche Themen aufs Korn

„Saigra Nord“ ebnet die Rückkehr in die Steinzeit

Die Suche nach einem Stammtisch und der akute Sanierungsfall der Ortskirche waren zwei von mehreren Themen beim Faschingszug am Sonntag in Saulgrub.

Saulgrub – Michael Kriner, dem die Organisation des Saulgruber Gaudiwurms obliegt, gibt sich optimistisch: „Das Wetter hält! Wir haben den Schnee erst für morgen bestellt . . .“ Um die 400 Mitwirkende, auf Motivwagen wie als Fußgruppen, werden erwartet. Dabei steht der Zug nicht nur Saulgrubern offen, sondern auch die umliegenden Gemeinden beteiligen sich gerne. Früher habe man Themen vorgegeben, so der Trachtenvorstand Josef Gratz, doch das habe sich nicht bewährt. So sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Und letztlich werden auch die Organisatoren erst wissen, was sie erwartet, wenn der Zug im Gange ist. Denn die Narren lassen sich nicht gerne in die Karten schauen. Und sie lassen sich Zeit . . .

Als 20 Minuten nach dem offiziellen Beginn immer noch nichts vom Zug zu sehen ist, wird’s Petrus zu bunt. Er schickt dicke Flocken vom Himmel. Dann endlich hört man was: Doch was da ins Sichtfeld kommt, hat mit buntem Faschingstreiben nichts zu tun: Die „Geister-Siedlung“, der Kohlgruber Trommlerzug samt Sarg, Skelette und Sensenmann, bildet einen schaurigen Auftakt. Die „Saigra Selbstversorger“ spielen auf den Rückgang der Milchviehwirtschaft an: Statt Kühen gibt’s bald nur mehr Hühner und Schafe. Dann wird in Unterammergau verzweifelt der Stammtisch (vom Gasthof Stern) gesucht: „Der Ugauer Mittelpunkt macht dicht, kein Stammtisch mehr in Sicht“. Der Verdacht, „die Weiber“ könnten ihn geklaut haben, wird durch fesche Mädels in Lederhosen bestätigt, die dem Wagen einen Stammtisch hinterher tragen.

Nun rollt die Saulgruber Musikkapelle heran: Mit „Mythos Bayern“ nimmt sie die bayrische Landesausstellung in Ettal, „Wald, Gebirg und Königstraum“, aufs Korn: Die Musiker sind als Mönche, Bäume, Preußen und Touristen verkleidet. Denn nur für diese werde die ganze Schau veranstaltet.

Bilder: Faschingszug in Saulgrub 

Im „Café Beichtstuhl“, das den aus der Kirche entsorgten Beichtstuhl recycelt, gibt’s die Absolution für einen, die Beichte für drei und den Schnaps für einen Euro fünfzig. Den 1. Saigra Leonhardiritt gestalten niedliche Pferde auf zwei Beinen (weil’s in Saulgrub immer weniger vierbeinige gibt) inklusive eines Pfarrers nebst Weihrauchkessel. Einen Einblick in die künftige Entwicklung Saulgrubs gewährt unter der Überschrift „Saigra Nord, Saigra Mitte, Saigra Süd: Gesperrt wegen Straßenrückbau, Renaturierung, Rekultivierung“ ein großer Wagen, der zeigt, dass man 2035 wieder in der Steinzeit angekommen sein wird. Auch Kirchenkritisches ist zu sehen: Während Kardinal Reinhard Marx in München in Saus und Braus lebt, muss die Saulgruber St. Franziskus-Kirche irgendwann wegen Einsturzgefahr gesperrt werden . . .

Zum fröhlichen Ausklang versammeln sich schließlich Mitwirkende und Zuschauer im Gemeindesaal und lassen so den närrischen Sonntag ausklingen.

Sabine Näher

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