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Erklärungsbedarf: (v.l.) Dr. Klaus Hubert beschreibt Rupert Speer, Anton Speer und Andreas Peller, Vertreter von DB Energie, die Technik.

Tag des offenen Denkmals

Kammerl-Kraftwerk: Neuer Strom aus der Ammer

Es war ein Experiment – und es hat funktioniert. Von Saulgrub ging eine technische Revolution aus – die sich europaweit durchgesetzt hat. Vor 119 Jahren war das Elektrizitätswerk an der Ammer ein absolutes Novum. Am Sonntag, 9. September,  öffnet das Kammerl noch einmal seine Pforten.

Saulgrub – Ein viereckiger Kasten, nicht sehr groß – dafür quietschgelb und mehrere Stockwerke hoch: So sieht die Technik im neuen Wasserkraftwerk aus, das in Saublgrub mitten im Wald bei Acheleschwaig steht. Das moderne Häuschen ist eher klein, wirkt steril und nicht sehr spannend. Was diesen Ort an der Ammer so spannend macht, ist nicht die moderne, laufende Anlage, sondern das große, weiße Ziegelsteinhaus daneben. Darin laufen die Maschinen schon seit sechs Jahren nicht mehr. Dafür haben sie einiges auf dem Buckel. Eine fast 120 Jahre alte Geschichte, die mit dem Privileg verbunden ist, Vorreiter gewesen zu sein.

„Hier ist etwas entstanden, das sich in Europa durchgesetzt hat“, machte Dr. Klaus Huber die Besonderheit des historischen E-Werks Kammerl gestern bei einem Pressetermin deutlich. Der Experte, einst Direktor und heute technischer Berater des Deutsche-Bahn-Museums in Nürnberg, übernimmt am kommenden Sonntag auch die Führungen durchs im Kammerl. Die Anlage, die 1899 in Betrieb ist, wird Teil vom „Tag des offenen Denkmals“ sein.

Und allen Interessierten ihr buntes Innenleben präsentieren: große, wuchtige Turbinen, durch die – wie bei einem Mühlrad – das Wasser strömt. So werden Schwungräder in Bewegung gesetzt, die mit Generatoren verbunden sind. Mechanische wird in elektrische Energie verwandelt.

Doch Strom ist nicht gleich Strom, wie Huber betonte. Vor mehr als 100 Jahren gab es das Problem, dass Gleichstrom nur begrenzt maschinell genutzt werden konnte. In Saulgrub ging ein neues Konzept auf: Ganz einfach gesagt wurde Wechselstrom so verändert, dass mit ihm ein Reihenschlussmotor betrieben werden konnte, ohne alle Vorteile zu verlieren. Ähnliche Versuche hat es Huber zufolge andernorts gegeben: „Aber nur im Wasserkraftwerk Kammerl hat man das System erprobt.“

Mit dem Strom betrieb die „DB Energie“ die Bahnlinie Murnau-Oberammergau. „Sie war ein ganz wichtiges Transportmittel für die Passion“, rief Landrat Anton Speer in Erinnerung. Für ihn bleibt das Kammerl „etwas besonderes und ein Stück Landkreis-Geschichte“.

Entsprechend stolz ist Saulgrubs Bürgermeister Rupert Speer über das Kleinod in der Ammerschlucht nahe der Scheibum. Man dürfe nicht vergessen: Vor mehr als 100 Jahren hatten die Landwirte in der Gemeinde dank des Kammerls schon elektrische Beleuchtung in ihren Ställen. „Während es in Berlin nur Gaslampen gab.“

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