+
Das größte Projekt in Rupert Speers Amtszeit: die Umfahrung von Saulgrub. Vor drei Jahren war Eröffnung.

Umfahrung war das Hauptprojekt der letzten Jahre

Saulgrub: Eine Vorzeigegemeinde, die keine sein will

  • Katharina Bromberger
    VonKatharina Bromberger
    schließen

Wahltag ist Zahltag: Was haben Bürgermeister und Gemeinderat in den vergangenen sechs Jahren erreicht? Woran hapert es? Spannende Fragen, denen das Tagblatt in einer Serie zur Kommunalwahl am 15. März nachgeht. Jede der 22 Landkreis-Kommunen kommt auf den Prüfstand. Diesmal: Saulgrub.

Saulgrub – Um die 1,90 Meter groß, die Schultern breit. Der Händedruck fest. Das Gesicht braun gebrannt, die Haare grau meliert. So sieht er aus, der selbstbewusste Bürgermeister einer Vorzeigegemeinde.

Rupert Speer lächelt bei dem Wort. Nicht wissend, nicht souverän. Fast verlegen schaut er auf die Schreibtischplatte. Dieses Vorzeigegerede – er kennt’s. Mag‘s nur nicht besonders. „Freilich“, sagt er, „schön sei es schon, wenn andere das so wahrnehmen. Aber wir haben auch unsere Probleme.“ Bei null Schulden seit Jahren. Bei Großprojekten, die man in bestem Einvernehmen im Gemeinderat realisiert. Bei Bürgerversammlungen, in denen der Rathauschef nach seinem einstündigen Vortrag weder Kritik noch Nachfragen hört, stattdessen Applaus – von Wurmansauern, Altenauern und Saulgrubern gleichermaßen. Welche Probleme also sollen das sein? Speer lächelt. Amüsiert. „Ach, darüber reden wir hier einfach nicht.“

Gemeinde mit Erfolgsrezept

Ohnehin unternimmt Speer lieber etwas anstatt zu reden. Gesprächsrunde für Gesprächsrunde – nicht sein Ding. „Es muss dann auch einmal was vorwärtsgehen.“ Ein Beispiel ist die Kinderkrippe. Erst vor kurzem brachte er sie ins Spiel, zum 1. März startete sie im Kindergarten für fünf Mädchen und Buben. Glücklicherweise denke der Gemeinderat wie er. „Er zieht mit und durch.“ Und an einem Strang. Das Erfolgsrezept.

Lesen Sie auch: Wohlfühlklima in Saulgrubs guter Stube

Nach der Wahl wird sich das Gremium ein wenig verändern. Das gefällt Speer. Sicher nicht, weil er mit dem aktuellen nicht gut zusammengearbeitet hätte. Sondern weil eine Mischung aus neuen und erfahrenen Mitgliedern frische Ideen und neuen Schwung bringe. Aufhören wird Vize-Bürgermeister Josef Gratz. Speer akzeptiert’s, bedauert es aber. Sie waren ein gutes Team. An der Spitze bleibt alles gleich. Speer tritt wieder an, ohne Gegenkandidaten. Auch das gefällt ihm. Nicht, weil er den Wahlkampf gescheut hätte. Sondern weil er „weiter anschieben“ kann. Es gibt schließlich viel zu tun.

Seit 2014 läuft die Dorfentwicklung in den drei Orten, sie ist weitgehend abgeschlossen. Zwei Projekte will Speer in diesem Jahr noch umsetzen. Ins Altenauer Zentrum investiert die Gemeinde 150 000 bis 175 000 Euro, dieselbe Summe kommt vom Amt für ländliche Entwicklung. Auch das 300 000-Euro-Projekt in Saulgrub bezuschusst das Amt mit 50 Prozent. Dort werden Eingangsbereich und Umfeld des Rathauses verschönert. Viel ist seit der Umfahrung bereits passiert, die ehemalige B23 etwa wurde zurück-, der Kreuzungsbereich um-, die Ampel abgebaut.

Befürchtungen bewahrheiten sich nicht

Die Umfahrung war Speers Hauptprojekt der vergangenen Jahre. Mittlerweile aber nutzt er nicht mehr nur die neue B23 auf seinem Weg von Altenau ins Rathaus. Einmal fährt er außen herum, einmal durch den Ort. „Ich muss ja schauen, was los ist.“

Manche Skeptiker hatte negative Folgen prophezeit. Dass der Ort stirbt. „Schwarzmalerei“, sagt Speer gut drei Jahre nach der Eröffnung am 19. Dezember 2016. Ein Zuviel an Verkehr belaste einen Ort über Gebühr. Deshalb überwiegen für ihn immer die Vorteile der Umfahrung. Ohnehin kann von einem „toten Ort“ nicht die Rede sein. Allein wegen des Gewerbegebiets „Am Mühlbach“ mit dem V-Markt. „Das ist unser Vorteil, da rührt sich immer was.“ Es könnte mehr sei.

Heimische Gewerbetreibende suchen Flächen. Am Mühlbach sind alle verkauft. Man sei bestrebt, den Bedarf zu decken. „Wenn sich etwas ergibt – natürlich.“ Betriebe bedeuten für eine Gemeinde wichtige Einnahmen und Arbeitsplätze. Als Aushängeschild gilt Gaplast, der weltweit tätige Verpackungsspezialist für Medizin-, Pharma- und Kosmetikprodukte. Das Familienunternehmen mit einer weiteren Produktionsstätte in Peiting sprach sich 2016 klar für den Standort in Altenau aus. Dass „hiesige Betriebe sich hier erweitern können“, daran liegt Speer viel. Genauso daran, dass die heimische, junge Bevölkerung in der Heimat bleiben kann. „Es soll Leben drin sein.“ Stichwort bezahlbarer Wohnraum. In Altenau wurde dafür ein Einheimischenmodell realisiert, in Saulgrub erschloss die Gemeinde sieben Baugrundstücke, vier davon sind, drei werden noch verkauft. Auch in Wurmansau will Speer in diesem Jahr zwei Bauplätze erschließen. Das wird nicht reichen.

Kommunaler Wohnungsbau: Verhandlungen laufen

Eng damit verbunden ist der kommunale Wohnungsbau – kein Bürgermeister kommt ohne diese Begriffe aus, sobald er über die Zukunft spricht. Auch Speer hat das Thema auf dem Schirm. Will nur nicht näher darüber reden. Noch nicht. Man stehe in Verhandlungen, noch ganz am Anfang. Er werde sich dazu äußern, wenn es etwas zu erzählen gibt.

Gewerbe, Wohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser – all das braucht’s. Aber nicht um jeden Preis. Ein Dorf müsse seinen Charakter bewahren. Die Balance zu schaffen zwischen Natur und Entwicklung sieht Speer als große Herausforderung. Nicht zu vergessen die Balance zwischen den Ortschaften Saulgrub mit 850, Altenau mit 650, Wurmansau mit 150 Einwohnern. Das hat Speer im Griff. Andernsfalls bekäme er auch Ärger daheim.

Speer lacht. Er ist Altenauer, seine Frau kommt aus Saulgrub. Eine natürliche Rivalität. Wobei er da gleich widerspricht, das sei das falsche Wort. „Das ist nichts Bösariges.“ Jede Ortschaft und ihre Bewohner sind eben „eigen und eigenständig“. Das mag er. Der selbstbewusste Bürgermeister von stolzen Altenauern, Saulgrubern und Wurmansauern.

Der Gemeinderat: Namen, Daten, Fakten

Der Gemeinderat Saulgrub besteht aus zwölf Mitgliedern – zusätzlich zum ehrenamtlichen Bürgermeister Rupert Speer (Wählergemeinschaft Altenau).

Sitzverteilung: Wählervereinigung Saulgrub: 6 Sitze (Josef Gratz, Josef Bauer, Lisa Benedikt, Christoph Gerhauser, Martin Kriner, Simon Schwarz); Wählergemeinschaft Altenau: 5 Sitze (Bernhard Brandmeier, Florian Freisl, Heidi Kutzbauer, Josef Niklas, Anton Schuster); Wählervereinigung Wurmansau: 1 Sitz (Peter Gut)

Die Bürgermeister von Saulgrub: 1945 bis 1952: Georg Mangold (Saulgrub) 1952 bis 1962: Josef Staltmeir (Altenau) 1962 bis 1978: Anton Steinsdorfer (Altenau) 1978 bis 1984: Wolfgang Ollert (Altenau) 1984 bis 1996: Johann Speer (Altenau) 1996 bis 2008: Michael Mangold (Saulgrub) seit 2008: Rupert Speer (Altenau)

Mehr zur Kommunalwahl:

Bürgermeisterwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Alle Kandidaten

Garmisch-Partenkirchen-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Garmisch-Partenkirchen-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare