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Provisorischer Schutz vor Wind und den Blicken der Autofahrer: Die Familie Schindler versucht derzeit mit Strohmatten, ihren Garten ein wenig abzuschotten. Um einen Sichtschutz muss sie sich selbst kümmern.

Familie fühlt sich wie auf dem Präsentierteller

Leben direkt an der Saulgruber Umgehungsstraße 

50 Jahre lange hat Saulgrub für seine Umfahrung gekämpft. Nun herrscht Freude im Dorf über die Ruhe. Bei Familie Schindler ist es genau umgekehrt. Die neue Straße führt direkt durch ihren Garten. Sie fühlt sich Beim Thema Sichtschutz vom Straßenbauamt und dem Gemeinderat im Stich gelassen.

Saulgrub – Im Sommer gemütlich im Garten sitzen, sich von der Sonne bräunen lassen und das Plätschern des Hörnlebachs genießen: Das hat Gabi Schindler gern getan. Früher. Inzwischen ist es in ihrem Garten alles andere als gemütlich. Zum einen, weil der Straßenlärm alles durchdringt. Zum anderen, weil jeden Tag tausende von Menschen dabei zuschauen können, was die Schindlers so tun: Die Saulgruber Umgehungsstraße untertunnelt direkt ihren Garten. Kurz vorher es in die Röhre geht, haben Autofahrer freien Blick aufs Grundstück der Familie. Damit müssen die Schindlers nun zurechtkommen. Der erste Sommer hat gezeigt: Ein Sichtschutz würde ihnen das neue Leben deutlich erleichtern. Doch mit diesem Wunsch nach Unterstützung stoßen die Saulgruber bei ihrer Gemeinde und dem Straßenbauamt auf taube Ohren.

„Dabei waren wir immer kooperativ, haben nie was gesagt“, unterstreicht Gabi Schindler, die mit ihrem Mann Karl (beide 53) am Kreuzeckweg wohnt – früher am Rande des Dorfes, jetzt an einer Transitroute, die täglich bis zu 20 000 Autos passieren.

Baustelle direkt im Garten: Vier Jahre lang mussten die Schindlers Lärm und Dreck hinnehmen.

Die Schindlers wussten, was auf sie zukommt. Und haben ihren Grund trotzdem zur Verfügung gestellt. Fürs Dorf. Es folgten vier Jahre lang „Dreck und Lärm“. Am schlimmsten war die Zeit, in der über 900 Befestigungs-Pfähle in den Boden gerammt wurden. Das spürte man im ganzen Haus. Die Schindlers haben sich nie beschwert, nie den Projektverantwortlichen Probleme bereitet. Deshalb hätten sie sich jetzt, nachdem die Straße endlich eingeweiht ist, mehr Unterstützung erhofft. „Ich habe aber das Gefühl, dass wir die A....karte gezogen haben.“

Denn: Mit ihrem Vorstoß, einen Sichtschutz zu bekommen, scheiterte sie im Gemeinderat. Dort wurde das Ansinnen mündlich besprochen. „Es gab keinen Antrag“, betont Bürgermeister Rupert Speer. Dafür aber eine Meinung im Gremium: „Es sollen keine Bezugsfälle geschaffen werden.“ Vor allem deshalb, weil die Gemeinde gar nicht zuständig ist.

Rein rechtlich argumentiert auch Werner Hüntelmann vom Staatlichen Bauamt. Ein Sichtschutz sei nicht in der Planung vorgesehen. „Dazu sind wir nicht verpflichtet.“ Er verweist darauf, dass die Hänge entlang der Straße noch bepflanzt werden. Dies geschehe im Herbst. Wenn es darum gehe, auch Pflanzen am seitlichen Bereich des Schindler-Grundstücks aufzustellen, könne „darüber geredet werden“. Über mehr aber nicht. Zwar hatte er Verständnis, dass die Familie Nachteile hat. Und eine Straße verursache nun mal Geräusche. Lärmschutzmaßnahmen gebe es aber nur dort, wo diese berechtigt sind. „Wir haben keine Veranlassung hier etwas zu bauen“, unterstreicht der Straßenbauamts-Mitarbeiter.

Aussicht vom Garten: Die Schindlers schauen direkt auf die Umgehungsstraße. Selten ist diese so leer.

Karl Schindler kann sich noch gut daran erinnern, wie es von Behördenseite vor dem Straßenbau Beschwichtigungen wegen des Lärms gab. „Da hieß es immer, ,der Schall geht drüber.“ Auch sei der Familie nicht klar gewesen, dass sich der einst ebenerdige Garten in einen Hang wandeln würde. Der wird von dem Bach dominiert, der ein massives Bett aus Steinen bekommen hat.

Für ihrer Hühner haben die Schindlers Strohmatten an den Maschendrahtzaun gestellt. „Damit der Wind nicht so zieht.“ Womit das Provisorium ersetzt werden, steht noch in den Sternen. Die Familie ist enttäuscht, derart bürokratisch abgewiesen zu werden. Dafür zeigte Bürgermeister Speer in gewisser Weise Verständnis. „Ich glaube nicht“, stellt er in Aussicht, „dass das letzte Worte schon gefallen ist.“

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