Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer

Mitten ins Katastrophengebiet: Wurmansauer geht an Bord der Sea-Eye

Tausende Menschen, die im Mittelmeer vor dem Tod gerettet wurden. So dramatisch, wie an diesem Wochenende war die Flüchtlings-Situation noch nie. Selbst Hilfsschiffe sind in brenzlige Situationen geraten. Zu einem machte sich am Dienstag Johann Hautmann auf den Weg.

Macht sich auf das Schlimmste gefasst: Hans Hautmann. 

Wurmansau – Während Johann Hautmann (64) am Wochenende in Wurmansau seine Koffer für eine ganz besondere Reise gepackt hat, spielten sich im Mittelmeer schlimme Szenen ab. In drei Tagen wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache 5000 Menschen vor dem Tod gerettet. 970 waren es allein auf dem kleinem Schiff Sea-Eye der gleichnamigen Rettungsorganisation aus Regensburg. „Wir haben ein Osterdrama erlebt“, sagt deren Chef Hans-Peter Buschheuer. Bei der Nachbesprechung der Ereignisse, in deren Folge auch die Sea-Eye völlig überfüllt und manövrierunfähig vor der Küsten Libyens trieb, wird der Ammertaler Hautmann ebenfalls dabei sein. Denn für ihn beginnt nun ein Hilfseinsatz auf der Sea-Eye. Am Dienstag ist er nach Malta geflogen, wo der 26 Meter lange, einstige Fisch-Kutter im Hafen liegt.

„Ich mache mich schon auf das Schlimmste gefasst“, erklärte Hautmann kurz vor seiner Abreise gegenüber dem Tagblatt. Auch wenn es zu den Szenen, wie sie sich am Wochenende abgespielt haben, gar nicht kommen dürfte. Die Sea-Eye hat nämlich nicht die Aufgabe und ist nicht dafür ausgerichtet, Flüchtlinge aufzunehmen. Vielmehr wird sie von der italienischen Koordinierungsstelle in Rom zu Einsatzorten beordert. Mit Schlauchbooten fahren die Crewmitglieder – pro Mission sind es acht – zu den Menschen in den Flüchtlingsbooten, versorgen sie mit Schwimmwesten. Es gibt aber auch Rettungsinseln für den Fall, dass Menschen im Wasser treiben. Die Sea-Eye-Helfer kümmern sich um die Flüchtlinge, bis die großen Schiffe eintreffen. „Am Wochenende sind sie aber nicht gekommen“, erklärt Buschheuer. Als dann noch die Rettungswesten ausgegangen sind, hat sich der Kapitän dazu entschlossen, 200 Menschen auf den Kutter zu lassen. „Was sonst passiert wäre, will ich gar nicht aussprechen“, sagt der Regensburger.

Rückkehr Anfang Mai

Dessen private Hilfsorganisation wollte Hautmann, der sich schon länger für Flüchtlinge engagiert, ursprünglich nur finanziell unterstützen. „Dann habe ich auf der Homepage gesehen, dass immer auch Crew-Mitglieder gesucht werden.“ Hauptsächlich Maschinisten oder Köche. Der Ammertaler, der in Altersteilzeit ist, verfügt über 20 Jahre Segel-Erfahrung im Mittelmeer und war zudem ein Vierteljahrhundert bei der Bergwacht aktiv. „Anderen Menschen zu helfen, gehört einfach zu meiner christlichen Lebenseinstellung.“ Also nahm er mit dem Sea-Eye-Projekt Kontakt auf. Und wurde sich schnell mit Hans-Peter Buschheuer einig.  Die ersten Tage kann der Wurmansauer auf Malta noch nutzen, um sich die Insel anschauen und sich auf den Einsatz vorzubereiten. „Das wird eine besonders intensive Zeit“, ist sich Buschheuer sicher. Am Samstag um 6 Uhr läuft die Sea-Eye dann zu ihrer vierten Mission aus. 14 Tage lang fährt das Boot vor der Küste Libyens durch die Gewässer.

Anfang Mai wird der Ammertaler wieder bei seinen Lieben sein. Die haben schon ein bisschen Angst um ihn, erzählt er von den Bedenken seiner Lebensgefährtin und seiner Kinder. Grundsätzlich sind die Reaktionen auf seinen Hilfseinsatz aber „durchweg positiv“ gewesen. Er kann sich halt nicht nur die schlimmen Bilder im Fernsehen ansehen, sondern muss etwas tun. „Ich gehe von der Etappe an die Front.“ 

Infos

zur Hilfsorganisation findet man unter http://sea-eye.org/

Rubriklistenbild: © dpa

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