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Tödliche Sturzflut in Bayern: Feuerwehr schildert dramatische Szenen - „Um Viertel nach 9 war Land unter“

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Von: Alexander Kraus

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Bis zu acht Meter hoch stand das Wasser in einer Unterführung bei Saulgrub. Eine Autofahrerin konnte aus den Fluten gerettet werden. Für einen polnischen Lastwagenfahrer kam jede Rettung zu spät.

Saulgrub - Donnerstagabend gegen 21 Uhr: Über dem Dorf Saulgrub (Kreis Garmisch-Partenkirchen) entlädt sich eine Gewitter. Der Deutsche Wetterdienst wird später feststellen, dass über 70 Liter Regen pro Quadratmeter auf den Ort niederprasseln. Das ist zu viel für die erst 2016 als Ortsumgehung gebaute Unterführung der B 23, die östlich des Dorfes vorbeiführt.

Gewitterzelle zieht über Oberbayern: „Um Viertel nach 9 Uhr war Land unter“

In der von Betonwänden eingefassten Senke staut sich das Wasser – zwei Autos und ein Kleinlaster bleiben stecken. „Um Viertel nach 9 Uhr war Land unter“, sagt der Kommandant der Saulgruber Feuerwehr, Georg Sporer junior. Über 250 Meter ist die B 23 überflutet. Der Feuerwehreinsatz wird von Unfällen überschattet: Das Auto eines Feuerwehrmanns wird auf der Anfahrt von zwei umstürzenden Bäumen getroffen, der Mann bleibt aber unverletzt.

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Auch ein Einsatzfahrzeug wird von Sturzfluten erfasst. Die, die es zur Unterführung schaffen, retten quasi in letzter Sekunde eine Frau. „Ihr Auto war vollgelaufen, sie stand auf dem Fahrzeugdach“, berichtet Sporer. Mit einer Leiter wird sie nach oben gezogen. Den Einsatz von Tauchern in dem überfluteten Straßenabschnitt muss die Wasserwacht bald wieder abbrechen – sie haben keine Sicht, wegen der starken Strömung herrscht Lebensgefahr.

Einsatzkräfte am Kleinlaster: In diesem Fahrzeug konnte ein polnischer Fahrer nur noch tot geborgen werden – er ertrank in der Sturzflut.
Einsatzkräfte am Kleinlaster: In diesem Fahrzeug konnte ein polnischer Fahrer nur noch tot geborgen werden – er ertrank in der Sturzflut. © Angela Warmuth/dpa

Sturzflut in Region Garmisch-Partenkichen: Ausmaß des Drama erst am Tag darauf sichtbar

So wird erst am Freitag das ganze Ausmaß des Dramas sichtbar. Über Stunden wird das Wasser abgepumpt – und dann wird das Dach eines Kleinlasters mit polnischem Kennzeichen sichtbar. Er stand an der tiefsten Stelle der Unterführung, bis zu acht Meter betrug hier der Wasserstand. Als die Wasserwacht mit einem Boot ranfährt und eine Scheibe einschlägt, entdeckt sie im Wageninneren eine leblose Person: Der Fahrer hat es nicht geschafft, sich zu retten.

Die Umstände könnten kaum schrecklicher sein. Über sein Handy hatte der Mann wohl noch den polnischen Rettungsdienst angerufen und um Hilfe gebeten. Dies berichtet eine Kontaktstelle der Polizei in Brandenburg. Die weiteren Umstände wird nun die Kripo Weilheim ermitteln. So wird berichtet, dass das Rotlicht vor der Unterführung zum Zeitpunkt des Unglücks eingeschaltet war.

Tödliche Sturzflut: Kleinlasterfahrer in Fahrzeug gefangen - er verständigte noch den Notruf

Auch das Staatliche Bauamt Weilheim, das die Unterführung geplant hat, ist mit Fragen konfrontiert. Arbeiten die Pumpen ausreichend? Gab es Probleme mit den Sensoren, die die Pumpen steuern? Christoph Prause, Abteilungsleiter im Bauamt, sagt auch eine Prüfung zu, ob die Anlage insgesamt „ausreichend dimensioniert ist“. Mit so einem lokalen Extrem-Gewitter hatte jedenfalls niemand gerechnet: Schon in Bad Kohlgrub – von Saulgrub gerade mal drei Kilometer entfernt – waren es statt 70 nur zwölf Liter Regen. (Von Alexander Kraus)

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