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Im Altenauer Dorfwirt bleibt ab Ende Februar die Küche kalt. Ein neuer Pächter könnte ab dem 1. April anfangen.

Vertrag läuft zum 31. März 2020 aus - Keine Einigung für künftiges Pachtverhältnis

Spiegelbergers hören auf: Neuer Pächter gesucht für Altenauer Dorfwirt

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In aller Munde war vor fünf Jahren der Altenauer Dorfwirt: Jetzt hören die Pächter auf. Wie geht‘s weiter?

Altenau – „Ein Dorf wird Wirt!“ Dieses Schlagwort prägte vor gut fünf Jahren eine „Bürgerinitiative“ im Ammertal, die weitum ihresgleichen suchte. Über zehn Jahre war der Gasthof Zur Post in Altenau leergestanden. Mehr und mehr wurde im Dorf der Wunsch laut, die alte Wirtschaft wieder zu beleben. Unter der Führung engagierter und motivierter Bürger startete ein schier unglaubliches Vorhaben: Vollkommen in Eigenregie wurde das Gebäude saniert, umgebaut und dann im August 2014 mit großem Bahnhof wiedereröffnet. Die Zahlen dieses einmaligen Gemeinschaftswerks: In einer Bauzeit von 15 Monaten leisteten 151 Helfer sage und schreibe 22 000 Arbeitsstunden.

Welche Strahlkraft das Projekt über die Region hinaus, ja in ganz Bayern hatte, belegen die Umstände, dass der Bayerische Rundfunk das Bürger-Engagement rund um den Dorfwirt regelmäßig in TV- und Radiobeiträgen begleitete und mit einem Sonderpreis des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums ausgezeichnet wurde. Als neue Pächter und Wirtsleute wurden von der Genossenschaft Izabella und Florian Spiegelberger installiert, die zuvor eine Gaststätte im Landkreis Freising führten.

Florian und Izabella Spiegelberger hören auf. 

Nach leichten Anlaufschwierigkeiten entwickelte sich die Gaststätte immer besser und wurde zum Geheimtipp für Gäste, die bis von München und Augsburg Altenau ansteuerten. Als Volltreffer entpuppte sich dabei das von Izabella Spiegelberger zusammengestellte Kabarett-Angebot im Dorfwirt. Bekannte Künstler, zuletzt sogar Harry G., fanden hier eine kleine, aber feine Bühne für ihre Auftritte. Dabei war der Saal fast jedes Mal ausverkauft. So vergingen fünf Jahre.

105 Kommentare auf Facebook

Als es jetzt um die Verlängerung des Pachtvertrags ging, kam es – zumindest für Außenstehende – zum überraschenden Bruch zwischen der Genossenschaft und dem Ehepaar. Und zur Trennung. Via Facebook informierten die Spiegelbergers die Gäste, Genossen sowie Freunde des Altenauer Dorfwirts: „ ... sehen wir uns leider nicht mehr in der Lage, den Dorfwirt weiter zu betreiben.“ Auf den Post folgte eine Flut von Kommentaren (bis gestern 105!), die den Abschied bedauern: „Damit verliert Altenau sein Highlight“, „IHR seid der Dorfwirt!“, „Ihr seid so tolle Wirtsleute“ und andere Bemerkungen. Fest steht: Am 29. Februar 2020 ist Schluss, offiziell endet der Pachtvertrag am 31. März.

Wo liegen nun die Gründe, warum das Pachtverhältnis nicht verlängert wurde? Florian Spiegelberger: „Wir wären gerne geblieben und haben uns in Altenau auch sehr wohl gefühlt. Der Dorfwirt ist für uns zu einer echten Leidenschaft geworden.“ „Veränderte Bedingungen im neuen Vertrag“ hätten laut Spiegelberger nun dazu geführt, dass sich die Wege trennen. Näher möchte der passionierte Wirt und Koch nicht darauf eingehen: „Wir konnten die neuen Konditionen so nicht akzeptieren. Wir müssen auch schauen, wo wir bleiben. Es ist sehr schade, dass es jetzt vorbei ist. Wir sind mit den Einheimischen und den Vereinen hier super ausgekommen. Die Entscheidung tut weh, ist aber der einzig ehrliche Weg, der uns bleibt.“

Genossenschaft hält sich bedeckt

Zu den Hintergründen und Details möchte sich der Vorstand von „Ein Dorf wird Wirt Objektgenosschaft Altenau eG“ nicht öffentlich äußern und zunächst die Mitglieder beider Genossenschaften informieren. Dazu findet am Freitag, 13. Dezember, um 19.30 Uhr im Dorfwirt-Saal eine Informationsveranstaltung statt. Fakt ist auch, dass ab 1. April ein neuer Pächter gesucht wird. Die Verantwortlichen preisen die Immobilie mit den Worten an: „Das Wirtshaus ist ein Schmuckstück und bietet einem Pächter umfangreiche Möglichkeiten, gastronomische Ideen zu verwirklichen ...“

Wie es mit den Spiegelbergers weitergeht, wissen sie noch nicht: „Wir müssen uns jetzt halt umschauen, ob sich etwas auftut, was uns zusagt. Spruchreif ist aber noch nichts. Wir möchten schon in der Gastronomie bleiben und wieder eine Gaststätte, am liebsten in der Region, betreiben.“ Der Vorstandschaft der Genossenschaft wünschen sie bei der Neuvergabe „ein glückliches Händchen“.

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