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Mit Musik und ihrer Beute ziehen die stolzen Burschen Richtung Unterammergau: Am Samstag brachten sie den Maibaum zum Gasthof Schleifmühle zurück.

So werden Diebe zu Helden

Knapp 50 Burschen klauen Maibaum in Unterammergau

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Unterammergau - Es ist ein Coup. Seit 1962 haben die Saulgruber keinen Maibaum mehr geklaut. Jetzt haben sie's geschafft, mit Hilfe von Burschen aus umliegenden Dörfern. 250 Liter Freibier warten. 

Hundemüde ist Christoph Gerhauser, „richtig platt“. Kein Wunder. Gerade mal zwei Stunden hat der 22-Jährige in den vergangenen drei Tagen geschlafen. Schließlich hatten der Saulgruber und mit ihm knapp 50 Burschen aus dem Ammertal und dem Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau eine große Aufgabe zu erfüllen. Eine Mission. Und jede Sekunde Einsatz hat sich gelohnt. Denn Gerhauser und seine Spezl sind in der Nacht auf Freitag zu kleinen Dorfhelden geworden. Weil ihnen etwas gelungen ist, was in Saulgrub seit 54 Jahren niemand mehr geschafft hat – und was, davon ist Gerhauser überzeugt, auch in den nächsten 30, 40 Jahren nicht gelingen wird: Sie haben einen Maibaum gestohlen. In Unterammergau am Gasthof Schleifmühle.

Eigentlich hatten’s die Saulgruber, wie ihre Vorgänger 1962, auf den Bad Kohlgruber Maibaum abgesehen. Der aber war, genau wie der in Altenau, zu gut bewacht. Die Vereine passen eben bestens auf auf ihren Stolz. Ein Rund-um-die-Uhr-Überwachungsdienst hat in Unterammergau bei Wirt Christoph Lechner gefehlt.

Wenn sich einer klauen lässt, dann der

Per Zufall hatte ein Spezl den Baum vor dem Wirtshaus entdeckt. Da war klar: Wenn sich einer klauen lässt, dann der. Die drei Hauptinitiatoren Gerhauser, Florian Wurm aus Saulgrub und Georg Hohenleitner aus Oberammergau trommelten Unterstützer zusammen. Am Ende bildeten 25 Burschen aus Saulgrub, etwa zehn aus Oberammergau, um die zehn aus Böbing, zwei Altenauer, insgesamt fünf aus Graswang, Schönberg, Wildsteig, Söchering sogar einer aus Unterammergau das heldenhafte Maibaum-Team.

Schon am Mittwoch und Donnerstag haben einige Burschen die Lage vor Ort im Schutz der Dunkelheit ausgekundschaftet. Am Freitag, um 1 Uhr morgens, zogen die Maibaum-Diebe los, ausgerüstet mit Bulldog, Baumwagen, Seilen, Gurten. Treffpunkt: Unterammergau, nahe Bauhof. Von dort zu Fuß weiter Richtung Pürschlingparkplatz, wenige Meter vom Gasthof entfernt. Gerhauser schlich mit dem Funkgerät zu einem letzten Kontrollgang. Die Luft war rein.

In nicht einmal 30 Minuten rollt der Baum davon

Gegen 2 Uhr legten die Burschen los. In nicht einmal 30 Minuten lag der Baum auf seinem Wagen und rollte in Richtung Dorf, wo der Bulldog wartete. Zwar sprang wohl der Wirt, der am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, noch in sein Auto – „aber da war’s auch schon zu spät“, sagt Gerhauser. Der Maibaum hatte da Oberammergau fast erreicht. Auf dem Festplatz haben ihn die Burschen gegen halb 4 Uhr morgens präsentiert – und was hatten sie für eine Freud’. „Ja, das haben die Anwohner wahrscheinlich auch gehört“, sagt Gerhauser und lacht.

Über den Radio-Lokalsender forderten er und seine Mitstreiter den Wirt auf, sich zu melden, um sich auf eine Auslöse zu einigen. So eine wertvolle Beute gibt man schließlich nicht ohne ordentliche Gegenleistung zurück. Da zeigte sich: Die Burschen verstehen sich nicht nur aufs Maibaumklauen, sondern auch im Verhandeln: Am Samstag brachten sie das Diebesgut unbeschadet zurück. Dafür bekommt jeder eine gescheite Mahlzeit mit Schweinsbraten, Knödel und Kraut, dazu eine Halbe Bier. Zudem spendiert Lechner 250 Liter Freibier.

Das holen die jungen Männer am Donnerstag ab – damit steht das nächste Fest schon an. Denn alle Helfer werden freilich in den Saulgruber Bürgersaal eingeladen, wenn dieser Coup gefeiert wird. Hundemüd’ werden sich Gerhauser und Co. danach wieder fühlen – genau so soll’s sein.

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