Ist die Schanze schon Schrott?

Garmisch-Partenkirchen – Rost, herausstehende Schrauben, Geländer ohne Feuerverzinkung – „Murks“ nennt Schlossermeister Günter Dolezel die Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen. Was er kritisiert, ist im Bauamt schon bekannt: Sukzessive würden die Mängel behoben, heißt es aus dem Rathaus.

„Eigentlich müsste man alles abbauen und neu machen“ – es sind harte Worte, die Günter Dolezel für die Olympia-Schanze in Garmisch-Partenkirchen findet. „Sonst bekommt man den Rost und die Nässe nicht mehr weg.“ Der Schlossermeister aus Germering (Kreis Fürstenfeldbruck), der zudem vereidigter Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk der Handwerkskammer München und Oberbayern ist, hatte das preisgekrönte Bauwerk bei einem Wanderausflug unter die Lupe genommen.

Sein Interesse war durch Berichte über die Kostenexplosion – statt der veranschlagten 9,1 kostet die 2007 eingeweihte Schanze nun 17,3 Millionen Euro – geweckt worden. Dolezels Fazit: „Die Stahlkonstruktionen sind jetzt schon Schrott.“ Hintergrund des Problems sind seiner Ansicht nach diverse Nachbesserungen, bei denen in das feuerverzinkte Metall gebohrt und somit der Korrosionsschutz zerstört wurde.

Günter Dolezel

Dieses Dilemma ist im Bauamt bereits bekannt, erklärt Rathaussprecher und Geschäftsleitender Beamter Johann Eitzenberger. Die Fotos, die Dolezel bei seinem Besuch in Garmisch-Partenkirchen gemacht hat, „stellen zum Teil Mängel dar, die bei den ersten Begehungen mit den ausführenden Firmen im vergangenen Dezember aufgenommen wurden und von den Firmen behoben werden, zum Teil aber auch Schäden die durch Vandalismus beziehungsweise den Betrieb der Anlage verursacht wurden“. Letztere behebt die Gemeinde, „die Mängel werden im Zuge der Gewährleistung bei den Firmen angezeigt und müssen anschließend durch diese behoben werden“.

Während Eitzenberger anmerkt, dass derartige Nachbesserungen bei einem Bauprojekt dieser Größenordnung an der Tagesordnung seien, versteht Dolezel nicht, wie die Schanze unter diesen Umständen überhaupt abgenommen werden konnte: „Nach dieser kurzen Zeit darf noch nichts rosten.“ Nachdem die Feuerverzinkung, die eine Stahlkonstruktion wie die Schanze eigentlich jahrzehntelang vor Witterungseinflüssen und Beanspruchung schützen sollte, durch nachträgliches Bohren zerstört wurde, passiere aber genau das. Ein weiteres Manko sieht der Schlossermeister darin, dass entgegen der Vorschriften nicht durchgängig Edelstahlschrauben verwendet worden seien. Das Problem sei, dass immer wieder nachgebessert wurde, meint Dolezel. „Ich fürchte auch, dass mit den Schweißnähten der gesamten Konstruktion etwas im Argen liegt.“ Um alle Mängel aufzudecken, empfiehlt er dringend, unabhängige Gutachter einzuschalten. „Ich kann nur feststellen, was in punkto Feuerverzinkung nicht passt, kenne mich aber bei der Statik nicht aus.“ Um die Gewährleistung einzufordern, müsse aber der Schuldige eruiert werden, der dann für die Mängelbeseitigung zuständig ist. „Dafür fallen sicher ein paar Millionen Euro an.“

Der Markt Garmisch-Partenkirchen sei dabei außen vor, ist Eitzenberger überzeugt: „Uns entstehen keine Mehrkosten.“ Unabhängig von Dolezels Kritik begutachten nun bis Dezember 2012 die Experten aus dem Bauamt mit den Planern und Vertretern der Firmen nochmal alle Gewerke und Bauteile, um gegebenenfalls die Beseitigung von Schäden einzufordern.

Tanja Brinkmann

Rubriklistenbild: © dpa

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