Schauspiel "Joseph und seine Brüder": 17 700 Besucher im Passionstheater

Oberammergau - Der Oberammergauer Kultursommer 2011 hat die Erwartungen voll erfüllt: Die neu gegründete Passionstheater-GmbH legte jetzt eine Erfolgsbilanz vor.

Christl Freier, Gemeinderätin der Frauenliste, brachte es auf den Punkt: „Vielen Dank für Euer Engagement, und macht weiter so!“ Eine blitzsaubere Erfolgsbilanz legten die Verantwortlichen der Passionstheater GmbH in Oberammergau am Mittwoch dem Gemeinderat vor. Walter Rutz, neben Frederik Mayet einer der beiden Geschäftsführer der Gesellschaft, präsentierte das „betriebswirtschaftliche Ergebnis“ des Schauspiels „Joseph und seine Brüder“, das heuer im Sommer neunmal im Passionstheater aufgeführt worden ist.

Dass dies öffentlich passierte, wollten die Verantwortlichen so. Rutz: „Das sind Zahlen, die wir erwirtschaftet haben, und die soll die Bevölkerung auch kennen.“ Alexander Raggl (Freie Wähler) plädierte indes dafür, „dass zuerst die örtliche Rechnungsprüfung drüberschaut.“ Auch Fraktionsführer Ludwig Utschneider sah „keine Notwendigkeit darin, dies schon jetzt ins Öffentliche zu ziehen.“ Gegen vier Stimmen (Utschneider, Florian Lang, Martin Müller, Gertrud Lischka) erfolgte die Präsentation schließlich doch vor Publikum im Sitzungssaal.

In einer kurzen Einleitung erklärte Spielleiter Christian Stückl, dass es von Anfang an das Ziel der kleinen GmbH, die nur aus sechs Personen besteht, gewesen sei, bereits im zweiten Jahr kein Geld mehr von der Gemeinde abrufen zu müssen: „Das haben wir erreicht, und das freut uns auch.“ Zur Erinnerung: Die Kommune hat als eine Art „Anschubfinanzierung“ für die GmbH insgesamt 700 000 Euro, auf drei Jahre verteilt, in den Haushalt eingestellt; im ersten Jahr waren es 300 000 Euro.

Allerdings vergaß Stückl auch nicht, herauszustellen, dass das Ganze nur möglich gewesen sei, „weil alle Spieler, Musiker, Sänger und andere Beteiligte aufs Honorar verzichtet haben“. Es seien nur einige auswärtige Musiker, die notwendig gewesen seien, finanziell entschädigt worden. Auch bei der GmbH erhielten nur die beiden Geschäftsführer Rutz und Mayet jeweils ein Mindestsalär von 400 Euro.

Acht Aufführungen, dazu noch eine eingeschobene Zusatzvorstellung, bewältigten die Mitwirkenden in „Joseph und seine Brüder“ vom 15. Juli bis 7. August. Dazu strömten insgesamt 17 679 Besucher ins Passionstheater; pro Darbietung waren’s zwischen 1700 und 2160. Geschäftsführer Rutz: „Wir hatten eine Auslastung von 96 Prozent, das kann sich wahrlich sehen lassen.“

Durch den Ticket-Verkauf und einige kleine Erlöse nahm die GmbH insgesamt 556 901 Euro ein. Nach Abzug des Aufwands für die Produktion (rund 442 000 Euro), Personalkosten und Verwaltungsaufwand (22 400 Euro) sowie Steuern (25 800 Euro) blieb am Ende ein Gewinn von 59 458 Euro übrig. Christian Stückl: „Das ist ein Grundstock, auf dem wir nächstes Jahr aufbauen wollen, wenn wir ,Antonius und Cleopatra’ von Shakespeare inszenieren.“ Hinzu kommt noch die erste Anschubrate der Gemeinde in Höhe von 300 000 Euro, „die man auch auf drei Jahre aufteilen könnte“ (Stückl). Zufrieden zeigte sich auch Walter Rutz: „Das erste Jahr war für uns ja absolutes Neuland, aber wir sind mit unserer Kalkulation und den tatsächlichen Kosten ganz gut hingekommen.“

Dabei hat man um jeden Cent gerungen. Beispielsweise musste die GmbH an den Verlag für das Werk pro verkaufter Eintrittskarte 1,70 Euro abführen. Christian Stückl wollte zuerst gar nur 1,50 Euro zahlen, „aber wenn man bedenkt, dass wir beim Jeremias mit 4,20 Euro dabei waren, ist der Betrag noch hinnehmbar“. Auch der Gagen-Verzicht aller Beteiligten legte die Basis für das positive Ergebnis. Laut Geschäftsführer Rutz wären ansonsten 150 000 Euro fällig geworden: „Da hätten wir nie schwarze Zahlen geschrieben.“ Als Entschädigung für den Aufwand und Anerkennung für das uneigennützige Engagement sind nun am Freitag alle Beteiligten des „Joseph“ zu einem Abschlussfestl eingeladen: Beginn ist um 18 Uhr in der Steckenbergalm in Unterammergau.

Ludwig Hutter

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