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Brauchtums-Veranstaltungen wie der Almabtrieb in Krün zieht Gäste magisch an.

Schlechte Tourismus-Winter-Bilanz

Alpenwelt braucht Alternativen

Oberes Isartal - Zu sehr ist das Isartal im Winter vom Schnee abhängig. Bleibt der - wie heuer - aus, gehen die Zahlen in den Keller. Also braucht's wetterunabhängige Gäste-Magnete.

Das erste Geschäftsjahr der Alpenwelt Karwendel GmbH endete 2014 mit einem Minus bei den Tourismuszahlen in allen drei Gemeinden. Besonders der späte Winter machte den Vermietern in Mittenwald, Krün und Wallgau zu schaffen. „Wir haben ein Problem, das lässt sich nicht wegdiskutieren“, sagte Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) in der Bürgerversammlung. Sein Dorf hat es im vergangenen Jahr am stärksten getroffen. Die Tourismusbilanz weist ein Minus von 5,1 Prozent (157 061 Übernachtungen, 25 848 Ankünfte) aus. Unter dem schlechten Winter „haben wir massiv gelitten“.

Und gerade Wallgau, wie Krün ein Paradies für Langläufer, „bekommt das unmittelbar um die Ohren“, wenn der Schnee ausbleibt und die Loipen grün. Krün beendete das Jahr 2014 mit 3,9 Prozent weniger Übernachtungen (453 649) und 3,5 Prozent weniger Ankünften (86 331). Auch die Geschäftsführerin der Alpenwelt Karwendel, Sabrina Blandau, weiß: „Wir tun uns schwer den Winter zu verkaufen, wenn kein Schnee fällt.“

Diesen Verlust kann auch der beste Sommer nicht auffangen. Denn vor allem in der stärksten Zeit zwischen Juli und September sind eh schon nahezu alle Betten voll. Noch dazu sind deren Kapazitäten seit vier Jahren rückläufig im Isartal. Also „brauchen wir langfristig Alternativen“, stellte Zahler klar.

Und zwar wetterunabhängige. Er setzt dabei auf die Gesundheit. Die ist Zahlers Steckenpferd. Als Vorsitzender des Beirats Gesundheit in der Kreisentwicklungsgesellschaft (KEG) beackert der 51-Jährige dieses Thema gemeinsam mit KEG-Gesundheitsmanagerin Petra Hilsenbeck massiv. Urlaub fürs Wohlbefinden – vom Sport über Wellness bis zur Ernährung – „ist saisonunabhängig immer gefragt“, meint der Rathauschef.

Mit der Gesundheit will er nicht nur Gäste locken und den Tourismus ankurbeln, sondern auch „unsere Einheimischen, gerade ältere Bürger, mitnehmen“. So spielt die Gesundheit auch beim Thema Wallgauer Dorfentwicklung eine zentrale Rolle. Ein Seniorenheim, eine Kurzzeitpflege und auch die Telemedizin – bei der Patienten daheim per Internet und Telefon von ihren Ärzten betreut werden – werden als Optionen für die Belebung des Dorfplatzes diskutiert. Zahler strebt an, Wallgau als „das gesunde Dorf“ zu vermarkten.

Auch Gemeinde-übergreifend setzt die Alpenwelt Jarwendel vermehrt aufs Marketing mit wetterunabhängigen Angeboten. Fasching, Brauchtum und die Adventszeit werden massiv beworben. Gerade die „vorweihnahctliche Stimmung wollen wir transportieren“, unterstreicht Blandau. Und so Urlauber in einer eher schwachen Zeit gewinnen. Denn voll wird’s unter dem Karwendel im Winter vor allem zur Weihnachtszit sowie in den Faschingsferien. Und natürlich, wenn denn Schnee liegt. Doch darauf allein will sich niemand mehr so recht verlassen.

Janine Tokarski

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