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König Ludwigs II. Rückzugsort: Schloss Linderhof. 

Neue Besucherrekorde mit Prädikat anvisiert

Schloss Linderhof kann UNESCO-Weltkulturerbe werden

„Gebaute Träume“ - so heißt der Titel des Welterbe-Antrags. Ein fertiges Konzept hat die Bayerische Schlösserverwaltung in der Schublade. Von dem Prädikat erhofft man sich einiges. 

Linderhof – „Oh, es ist nothwendig, sich solche Paradiese zu schaffen, solche poetischen Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schauderhafte Zeit, in der wir leben, vergessen kann.“

1869 hat sich Ludwig II. mit diesem Gefühlsausbruch einer Freundin anvertraut. Wie oft hat sich der bayerische König selbst in seine Schlösser geflüchtet. Und jedes Jahr tun es ihm viele Menschen gleich. Linderhof, Herrenchiemsee und Neuschwanstein brachten es 2016 zusammen auf über 2,2 Millionen Besucher. Die Ernennung zum Unesco-Weltkulturerbe würde den Top-Sehenswürdigkeiten im Voralpenland neue Besucherrekorde bringen. Dieses Ziel verfolgt der Freistaat Bayern. Ettal, auf dessen Flur Linderhof liegt, unterstützt ihn dabei. Der Gemeinderat, so ergab die jüngste Sitzung, steht geschlossen hinter der Bewerbung. Allerdings nur unter der Bedingung, dass mit dem Titel keine weiteren Einschränkungen für die Gemeinde verbunden sind.

2018 soll das begehrte Gütesiegel wieder vergeben werden. In der Tentativliste der Unesco sind die Königsschlösser ab 2019 für die Nominierung vorgesehen. Die bayerische Schlösserverwaltung hat schon ein fertiges Konzept für die Königsschlösser in der Schublade. Auch Ludwigs geliebtes Schachenhaus gehört dazu. Titel des Welterbe-Antrags: „Gebaute Träume“. Eine 18-seitige Studie gab den Mitgliedern des Ettaler Gemeinderates Aufschluss darüber, was die Grundlagen für eine Nominierung sind und wie die unabdingbaren Schutzzonen ausschauen sollen. Die relativ kleine Kernzone beschränkt sich weitgehend auf den Schlosspark, wo ohnehin strengste Auflagen herrschen. Nicht in der Kernzone enthalten sind die Grundflächen westlich der Linie Historische Linderbrücke/Marokkanisches Haus samt Parkplätzen, Schlosshotel und Landwirtschaft.

Gemeinde Ettal will keine zusätzlichen Auflagen

Besonders interessiert haben sich die Lokalpolitiker für die Grenzen der größeren Pufferzone. Sie umfasst das unmittelbare Umfeld des Gutes, wesentliche Sichtachsen und Merkmale, die eine wichtige praktische Rolle spielen. „Diese Pufferzone würde ausschließlich im Naturschutz- und FFH-Gebiet liegen“, erklärt Ettals Bürgermeister Josef Pössinger. Neben den Einschränkungen durch den Naturschutz will die Gemeinde keine zusätzlichen Auflagen hinnehmen. „In diesen Flächen kann man nichts entwickeln“, verdeutlicht der Rathauschef.

Bayern präsentiert Ludwigs Schöpfungen als Inszenierungen mit und in der Landschaft. Die Pufferzone soll diese Inszenierung gewährleisten und ein ungestörtes Erlebnis dieser Kunstwelt erhalten. Sie würde den Talboden ab Graswang beziehungsweise des Lindergrießes sowie weite Bereiche der Bergflanken von Pürschling über Klammspitze bis zur Kuchenbergspitze umfassen. Allerdings, so wird in der Studie betont, seien auch Entwicklungen und Veränderungen in der Pufferzone möglich, die aber das Gesamtensemble nicht beeinträchtigen dürften. Zu den Sichtachsen, die bewahrt werden sollen, zählen der Blick von Brunnenkopf- und Pürschlinghäusern sowie zwischen Musikpavillon und Venustempel.

Vorteile durch Welterbe-Prädikat

Nicole Richter, beim Tourismusverband Ammergauer Alpen zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, ist überzeugt davon, dass das Prädikat die Anziehungskraft der Schlösser deutlich verstärken würde. Als Beispiel nennt sie die Wieskirche, das einzige Weltkulturerbe im bayerischen Alpenraum. Dorthin strömt jährlich eine Million Besucher. „Allein die wahnsinnige Medienpräsenz, die könnten wir uns sonst als kleiner Verband gar nicht leisten . . .“, malt sich die Touristikerin aus. Die gesamte Region würde davon profitieren. Ähnlich wie vom G-7-Gipfel, der die Übernachtungen 2015 im Ammertal auf 814.000 ansteigen ließ, während sie 2016 wieder auf 798.000 sanken.

Auch Ettal mit seinen 817 Einwohnern, vier Hotels, vielen Privatvermietern und über 92.600 Übernachtungen 2016 würden die Welterbe-Touristen gut tun, sagt Bürgermeister Pössinger: „Wir sind ziemlich abhängig vom Fremdenverkehr, weil wir ja überhaupt kein produzierendes Gewerbe haben.“ Außerdem biete der Titel die Gewähr, dass Linderhof als Gesamtkunstwerk für die Nachfahren erhalten wird. So wie es sich Ludwig gewünscht hat: „Als ein Fleck Erde, wo die moderne Kultur, Technik und Hetze noch eine friedliche Stätte übrig gelassen hat.“

Eva Stöckerl

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