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Das Erbe von Märchenkönig Ludwig II.

Schloss Linderhof: Funkelnder Pfauenthron kehrt zurück

Linderhof - 60.000 Glasperlen, die in allen Farben strahlen: Der Pfauenthron im Maurischen Kiosk von Schloss Linderhof ist überwältigend schön. Nach zwei Jahren Restaurierung kann das Schmuckstück wieder besichtigt werden. 

Dass es König Ludwig II. – sagen wir mal – sehr speziell mochte, war und ist kein Geheimnis. Deswegen hat es wohl niemanden überrascht, als er nach der Pariser Weltausstellung 1867 die Chance ergriff und ein Ausstellungsstück – einen exotischen Kiosk – kaufte. „Das taten damals viele Großbürger“, erklärt Dr. Uwe Schatz, Museumsbeauftragter der Bayerischen Schlösserverwaltung. Der Märchenkönig wäre aber nicht der Märchenkönig gewesen, wenn er den Zugewinn für Schloss Linderhof nicht nach seinem Geschmack ausgeschmückt hätte. Zum Beispiel mit einem funkelnden, indischen Maharadscha-Thron. Dieser kehrte nach zweijährigen Restauration nach Linderhof zurück. „Der Pfauenthron sieht jetzt so aus, wie ihn heute lebende Menschen nicht mehr gesehen haben“, sagt Bayerns Schlösser-Chef Bernd Schreiber.

In der Tat überwältigt der Thron, der aus einem mit feinsten Stoffen bezogenen Diwan und drei prunkvollen Tierfiguren besteht, regelrecht. Denn in den Pfaurädern glitzern etwa 60 000 Glasperlen, die selbst in kleinster Größe mit Brillantschliff versehen sind. 1000 von ihnen musste Kunsthandwerk-Restauratorin Ingrid Thom austauschen. Dabei war es nicht leicht, Ersatz zu finden. Österreichs Funkel-Firma Nummer eins, Swarowski, konnte nicht weiterhelfen – da deren Glas eine andere Zusammensetzung hat. So war ihr Team, zu dem 14 Spezialisten gehören, zum Beispiel auf Spenden angewiesen. Seit seinem Bau im Jahr 1877 in Paris wurde der Thron sicher mal abgestaubt, fachmännisch gereinigt aber nie. So kam jetzt nach und nach sein ganzer Glanz zurück. Die Vergoldungen, zum Beispiel im Nest der Pfauen, strahlen wieder. Das filigrane Netzwerk aus feinsten, ebenfalls vergoldeten Drähten auch, um die sich Gürtler Josef Sckell gekümmert hat. Die Tiere haben ihre ursprünglichen Farben zurückerhalten. Und auch der stark beschädigte Diwan, auf dem bis in die 1980er Jahre noch Schloss-Besucher sitzen durften, ist nun wieder in einem wunderbaren Zustand.

Bis es so weit war, sind 24 Monate und viele, viele Arbeitsstunden vergangen. Auf 800 kommen jeweils Thom und Sckell. Allein die Eigenleistung dieser beiden Mitarbeiter der Schlösserverwaltung würde die 120 000-Euro-Marke sprengen. Die vergebenen Arbeiten – etwa an Schnitzer oder Metallfachleute – machen rund 30 000 Euro aus, für den Diwan waren weitere 20 000 Euro notwendig. Und das ist erst der Anfang. Denn wer sich im Maurischen Kiosk nicht von dem bunten, einnehmenden Farbspielen ablenken lässt, erkennt zusätzlichen Handlungsbedarf. Viele Elemente müssen dringend restauriert werden. Dazu gehört der orientalische Brunnen in der Raummitte. Dazu müssen aber weitere Gelder freigegeben werden. Der Kiosk an sich gehört zu den Höhepunkten auf dem Schlossgelände, das vergangenes Jahr 434 164 Menschen besucht haben. Heuer sind bis Ende Juni 157 196 Gäste gekommen – damit zeichnet sich ein leichter Minustrend im Vergleich zu 2015 ab.

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