Der Architekt Hugo Wach hat Spuren in Murnau hinterlassen: Dr. Sandra Uhrig zeigt seinen Entwurf des Hauses in der Hagener Straße. Foto: wilz

Schloßmuseum: Leben und Schaffen zweier bedeutender Künstler

Murnau - Im Murnauer Schloßmuseum steht eine neue Sonderausstellung an: Beleuchtet werden der Architekt Hugo Carl Cornelius Wach und die Illustratorin Wanda Zeigner-Ebel.

Bei Hugo Carl Cornelius Wach und Wanda Zeigner-Ebel handelt es sich um zwei unterschiedliche Personen, deren kreatives Schaffenswerk ihr Umfeld maßgeblich beeinflusste. Dies beleuchtet das Murnauer Schloßmuseum im Rahmen der neuen Sonderausstellung unter dem Titel „Der Architekt und die Künstlerin“. Bei der Vernissage, die am Mittwoch, 9. Dezember, um 18 Uhr stattfindet, sind knapp 100 Ausstellungsstücke zu sehen. Fotografien, Skizzen, Bücher, Modelle und Stickereien dokumentieren Leben und Arbeit der bedeutenden Künstler, die zu ihrer Zeit bekannt waren, jedoch heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind.

Das will die Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig mit der aktuellen Schau ändern, die ab Donnerstag, 10. Dezember, bis Ende Februar 2016 öffentlich zugänglich ist. Immerhin hat Wach (1872 bis 1939) seine architektonischen Spuren in der Marktgemeinde hinterlassen: 1921 entdeckte er ein Atelierhaus in der Hagener Straße, das er über Jahre hinweg umbaute. Damit verwirklichte sich der Vielreisende einen Traum: Zahlreiche Stile aus aller Welt flossen in den Bau ein, der sich heute noch durch seine Erker, Türmchen und die chinesische Pagode von der umliegenden Baulandschaft abhebt. 1939 wurde Wach in Murnau beerdigt. Sein Grab ist auf dem Friedhof zu finden - nahe bei Gabriele Münter.

Inzwischen ist das Haus wieder bewohnt. „Der neue Besitzer hat uns einige Stück aus Wachs Nachlass zur Verfügung gestellt, die sich beim Kauf des Anwesens darin befanden“, freut sich Uhrig. Abgesehen davon machte sich der Architekt international einen Namen, indem er ab 1909 die Agfa-Filmfabrik in Wolfen mit eigener Werkssiedlung erbauen ließ. „Das war sein größtes Werk“, so die Museumsleiterin. Aus diesem Grund bildet Wach den Mittelpunkt der Schau.

Nebendarstellerin ist die aus Hamburg stammende Kinderbuchillustratorin und Kunsthandwerkerin Zeigner-Ebel (1894 bis 1970), die Wach zeitweise beim Umbau seiner Villen unterstützte. „Die Lebenslinien dieser Menschen sind spannend, weil ihre künstlerischen Leistungen heute noch als herausragend gelten“, sagt Uhrig über das Motiv der Ausstellung. Ursprünglich hatte man nur Wach zeigen wollen, doch das außergewöhnliche Leben Zeigner-Ebels erregte Uhrigs Aufmerksamkeit: „Es gab nur dürftige Informationen zu ihrer Biographie, daher haben wir gründlich recherchiert.“ Dabei kam heraus, dass die Künstlerin nach dem Tod ihres Mannes 1916 erst einen psychischen Schaden erlitt und daraufhin eine Hochphase erlebte.

In dieser Zeit schuf sie unter anderem ausdrucksstarke Illustrationen für Märchenbücher der Gebrüder Grimm. Darauf folgte der Zusammenbruch. In der Leipziger Nervenklinik stellte man die Diagnose Schizophrenie. Seitdem führte sie ein zurückgezogenes Leben. Laut Wachs Aufzeichnungen wird sie in dessen Testament berücksichtigt, ehe sie 1970 verstarb. Der Leipziger Historiker Dr. Manfred Hötzel wird bei der Vernissage einen Vortrag über die Künstlerin halten. Außerdem hat der Bayerische Rundfunk für sein Kulturwelt-Format einen Radio-Beitrag zur Schau gemacht, der am Donnerstag, 10. Dezember, um 19.30 Uhr gesendet wird. (co)

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