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Gut besucht: die zahlreichen Gäste bei der Eröffnung der So nderausstellung im Schloßmuseum Murnau.

Neue Sonderausstellung im Schloßmuseum Murnau

Väter und Söhne: Respekt statt Rivalität

Murnau - Das Schöne an den Sonderausstellungen des Murnauer Schloßmuseums, so wie sie die Leiterin Sandra Uhrig und ihr Team gestalten, ist, dass immer eine Idee und ein starkes Konzept dahinter stecken. Am Mittwoch wurde die Schau „Väter und Söhne“ eröffnet – und viele Besucher waren erstaunt, wie vielschichtig und spannend dieses Thema ist. Menschliche und psychologische Aspekte einer besonderen Beziehung stehen da im Raum, ebenso künstlerische Auseinandersetzungen. 

Die Ausstellung bringe neue Erkenntnisse über den jeweils Berühmteren und rücke den Unbekannteren aus dem Schatten, erklärte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in seiner Einführung. Begrüßen konnte er unter anderem den Leiter des Münchner Lenbachhauses, Matthias Mühling. Er sei der Mann, „der all die Bilder hat, die uns im Museum noch fehlen“, meinte Beuting und betonte, dass der Austausch – nicht nur mit dem Lenbachhaus – eine solche Präsentation ermögliche. „Kunst funktioniert nur grenzenlos“, sagte der Politiker.

Museumschefin Uhrig war die Begeisterung deutlich anzusehen. Es sei „ein weites Feld, ein großes psychologisches Thema“, sagte sie und wies besonders auf das Foto hin, das für den Katalog und die Plakate ausgewählt wurde. Dieses Bild, das Lyonel und Lux Feininger in gleicher Haltung und mit Modellsegelbooten zeigt, drücke viel von dem aus, was das Verhältnis in dieser Generation ausmachte. Auch über das Verhältnis von Franz Marc zu seinem Vater Wilhelm wird in der Ausstellung berichtet und zeigt, 100 Jahre nach Marcs Tod, interessante Aspekte. 

Oft stehe nicht Rivalität oder Unverständnis im Vordergrund, so Uhrig, sondern gegenseitiger Respekt und Toleranz. Die Enkelin des Malers Alexej Jawlenski, der zusammen mit Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin 1908 zu einem ersten Malaufenthalt in Murnau war, erzählte aus ihrem Blickwinkel. Sie ist die Tochter von Andreas Jawlensky, der ebenfalls Maler war. Angelica Jawlensky Bianconi betonte, dass vor allem von außen das Verhältnis zwischen Vater und Sohn als „kompetitiv“ gesehen wurde. Andreas Jawlensky habe aber immer mit großer Ehrfurcht von seinem Vater gesprochen. Aber erst in der zweiten Lebensphase hatte er sich von dessen Schatten und dem Zwang zu Vergleichen befreit. 

In der Familie Geiger zieht sich die künstlerische Tätigkeit über drei Generationen. Rupprecht Geiger, der 2009 verstarb, war und ist besonders in München sehr präsent. Seine hell leuchtenden Farbfelder machten ihn international bekannt. Aber auch sein Vater, Willy Geiger, war Maler – und es ist schön, in der Ausstellung zu sehen, dass in dieser Beziehung der Vater einiges vom Sohn übernommen hat. Beispielsweise hat er mit den hellen Pigmenten, die Rupprecht in seinen Bildern verwendet, gearbeitet. Aber auch künstlerische Arbeiten der Söhne Lenz und Florian sind in Murnau zu sehen. Mit dieser Sonderausstellung ist dem Schloßmuseum eine sehr lebendiges und vielfältiges Projekt gelungen. Durch die Darstellung persönlicher und familiärer Beziehungen, aber auch durch die Beteiligung und die Anwesenheit von Jawlensky Bianconi und Mitgliedern der Familie Geiger entstand eine ganz besondere Nähe zu den Künstlern und ihren Werken.

Heribert Riesenhuber 

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