Schmid bleibt bei Hindenburgstraße hart

Garmisch-Partenkirchen - Garmisch-Partenkirchens Rathaus-Chef lehnt Bürgerbeteiligung bei Umbenennung ab - Anwohner erhalten Geld

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Dr. No, wenn es um Eurobonds zur Bewältigung der europäischen Schuldenkrise geht. Auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeister Thomas Schmid zeigt sich unnachgiebig und von seiner harten Seite - zur Forderung von Corinna Strebert und Joachim Sproll. Das Ehepaar, vor ein paar Jahren in die Marktgemeinde gezogen, will die geplante Umbenennung der Hindenburgstraße in Philipp-Schumpp- und Hermann-Levi-Straße nicht hinnehmen und diese verhindern. Ihrem Streben nach einer Bürgerbeteiligung in dieser Angelegenheit erteilt Schmid eine Absage, die an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist. Er sagt Basta wie Ex-Regierungschef Gerhard Schröder. „Wo kommen war denn hin. Das werden wir mit Sicherheit nicht tun. Straßenbenennungen sind die originäre Aufgabe eines Gemeinderats. Für mich gibt es keinen Schritt zurück.“

Was er vom Geschichtsverständnis von Strebert und Sproll zum ehemaligen Reichskanzler Paul von Hindenburg hält, dem Historiker nachsagen, er hätte die Machtergreifung Adolf Hitlers erst möglich gemacht, - auch mit dieser Meinung hält der Rathaus-Chef nicht hinter dem Berg: „Sie sollen sich schämen.“ Nazi-belastete Straßen gab es in Garmisch-Partenkirchen 25. Die meisten tilgte die US-Siegermacht 1946 von der Landkarte. Die Hindenburgstraße blieb davon verschont - warum auch immer. Diesen Fehler korrigiert die Gemeinde jetzt. „Hindenburg ist einfach dran“, meint Schmid.

Mit seiner Ansicht steht er nicht allein. Unterstützung erhält er sogar vom politischen Gegner. SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Sigrid Meierhofer lobte Schmid per E-Mail für seine Haltung. Und er weiß auch einen Großteil der Gemeinderats hinter sich. Nachdem der Bauausschuss die zahlreichen Umbenennungen - neben der Hindenburgstraße werden Am Eisstadion in Hermann-Neidlinger-Platz und der Partnachuferweg in Lahti- und Bürgermeister-Vogel-Weg umgewidmet - einstimmig beschloss, rechnet Schmid in der heutigen Sitzung des Gemeinderats (18 Uhr) „mit einer breiten Mehrheit“.

Die Hindenburgstraße wird aber nicht so schnell aus dem Garmisch-Partenkirchner Ortsbild verschwinden. Das alte Straßenschild wird mit durchgestrichenem Namen über dem neuen stehen, damit Besucher, die mit dem Auto und per Navigationsgerät anreisen, nicht verwirrt werden. Und den Anwohnern, die durch die Umbenennung Unannehmlichkeiten und eine finanzielle Belastung befürchten, nimmt der Bürgermeister mit einem kleinen Geldgeschenk den Wind aus den Segeln. Privatpersonen erhalten 50 Euro, Gewerbetreibende 100 Euro. „Höchstrichterliche Entscheidungen lassen das zu“, sagt Schmid. Die Umschreibung des Personalausweises geht auf Kosten der Gemeinde.

Termine der Umbennungen

4. Januar 2013: Am Eisstadion in Toni-Neidlinger-Platz (zum achten Todestag).

25. April 2013: Teil der Hindenburgstraße in Philipp-Schumpp-Straße ( zum 35. Jahrestag der Ehrenbürgerwürde).

15. Juli 2013: Teil der Hindenburgstraße in Hermann-Levi-Straße (zum 115. Jahrestag der Ehrenbürgerwürde).

Peter Reinbold

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