Tollen bereits mit Pflegerin Rebecca Isenberg-Färber im Tierheim Garmisch-Partenkirchen herum: die circa zwei Monate alten weißen Welpen aus Ungarn.
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Tollen bereits mit Pflegerin Rebecca Isenberg-Färber im Tierheim Garmisch-Partenkirchen herum: die circa zwei Monate alten weißen Welpen aus Ungarn.

Erneut elf Tiere im Heim in Garmisch-Partenkirchen gelandet

Corona befördert illegalen Hundehandel aus Osteuropa - „Bei Welpen beträgt die Gewinnspanne bis zu 3000 Prozent“

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Der illegale Welpenhandel boomt. Immer wieder werden gerade an der tschechischen Grenze Transporte aufgegriffen. Und immer wieder landen Hunde, die ihren Müttern viel zu früh entrissen wurden, auch im Garmisch-Partenkirchener Tierheim.

Garmisch-Partenkirchen – Mit großen Augen verfolgen sie, was Tierpflegerin Rebecca Isenberg-Färber macht. Noch etwas tollpatschig tapsen sie durch das Quarantänezimmer. Sie fühlen sich sichtlich wohl. Genießen die Aufmerksamkeit, jede Zuwendung. Davon brauchen die elf Welpen jede Menge. Viel zu früh wurden sie ihren Müttern weggenommen, in ein Auto verfrachtet und ins Ungewisse geschickt. Das große Glück der drei Cocker-Spaniels, drei Fox-Terrier und fünf Malteser: Sie sind im Tierheim in Garmisch-Partenkirchen gelandet.

„Ich bin um jedes Tier froh, das in unsere Hände gerät“, sagt Tessy Lödermann. „Dann weiß ich, jetzt wird’s gut.“ Deshalb freut sich die Vizepräsidentin des Bayerischen Tierschutzbundes und Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis auch über jeden Erfolg der Bundespolizei. An den Grenzübergängen zu Tschechien werden seit Jahren immer wieder illegale Welpen-Transporte aufgegriffen. Wie der mit 47 Hundebabys Ende Juni in Waidhaus oder der aus Ungarn, der mit 13 kleinen Maltesern am Walserberg gestoppt wurde. Die Tiere – allesamt zu jung, nicht gechippt und ohne Impfnachweise unterwegs.

Seit Januar 2021 sind schon weit mehr Transporte aufgeflogen als im ganzen letzten Jahr

„Der Welpenhandel boomt“, bedauert Lödermann. Seit Januar 2021 sind schon weit mehr Transporte aufgeflogen als im ganzen Jahr 2020. „Die Quarantänezimmer in den bayerischen Tierheimen sind voll“, sagt die Garmisch-Partenkirchnerin. Das betrifft insbesondere die Einrichtungen an den Grenzen.

Um die Kollegen zu entlasten, melden Lödermann und ihr Team immer sofort, wenn sie Platz haben. Gerade in Zeiten von Corona, in denen viele Menschen daheim gearbeitet haben oder einsam waren, hat sich das Problem massiv verschärft. Auch für etliche Tierheime, die jetzt Vierbeiner aus dieser Phase aufnehmen müssen. „Bei uns ist das noch nicht der Fall“, sagt Lödermann. Doch sie weiß, dass sich während der Lockdowns „viele Menschen Welpen übers Internet gekauft haben“. Der osteuropäische Markt war so leer gefegt, dass die Hunde immer jünger ihren Müttern weggenommen wurden. „Die jüngsten waren erst vier Wochen alt, hatten die Augen noch geschlossen. Das ist ein Verbrechen.“ Das gilt genauso für die Bedingungen, unter denen die Zuchthunde gehalten werden. „Jämmerlich“, sagt die Tierschützerin.

Handel mit Hunden und Rassekatzen ein lukratives Geschäft

Der Handel mit Hunden, vermehrt auch mit Rassekatzen, ist ihr zufolge ein lukratives Geschäft. Die „Produktionskosten“ für einen Welpen betragen etwa 50 Euro, der Verkaufserlös liegt pro Tier zwischen 500 und 1500 Euro. „Beim Welpenhandel beträgt die Gewinnspanne zwischen 1000 und 3000 Prozent“, klagt Lödermann. Angesichts dieser Zahlen sei der Schwund durch Aufgriffe gut zu verkraften, zumal der Fahrer meist nur einen kleinen Geldbetrag bezahlen muss und dann weiterfahren darf.

Für sie ist klar: „Jeder, der sich einen Hund aus diesen Kreisen kauft, macht sich mitschuldig am schmutzigen Geschäft und am Elend der Tiere.“ Die elf Neuzugänge, alle zwischen sechs und zehn Wochen alt, werden im hiesigen Tierheim jetzt aufgepäppelt. Der Aufwand sei groß, zumal vorerst geklärt werden muss, ob die Welpen nicht mit Tollwut oder Staupe infiziert sind. Beide Krankheiten gibt’s in Osteuropa schließlich noch. Neben ihrer Gesundheit – „alle waren verwurmt, hatten Brech- und Durchfallerkrankungen“ – liegt das Hauptaugenmerk von Lödermann und ihrem Team darauf, die kleinen Hunde zu sozialisieren. „Wir sind quasi Mutterersatz“, erklärt die Tierschützerin.

Noch befinden sich die Hundebabys in Quarantäne, da eine gültige Tollwutimpfung erst mit 15 Wochen erfolgen kann. Nach weiteren drei Wochen Inkubationszeit werden sie hoffentlich schnell in gute Hände vermittelt. Ehe der Welpe aber sein neues Zuhause bezieht, schauen sich Lödermann und ihre Mitarbeiter alles an und nehmen das Herrchen oder Frauchen unter die Lupe.

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