Besondere Arbeit: Leonhard Höldrich junior (l.) und sein Sohn Tobias mit dem Relief, das für die Titelkirche von Kardinal Friedrich Wetter gedacht ist. foto: poweleit

Schnitzen für Rom

Oberammergau - Diesen Auftrag wird Leonhard Höldrich so schnell wohl nicht vergessen. Schließlich arbeitet er derzeit für niemand Geringeren als Kardinal Friedrich Wetter.

Wie die Diözese gerade auf ihn gekommen ist, das weiß der Oberammergauer Bildhauermeister Leonhard Höldrich junior nicht genau. Nur so viel ist klar: Jemand muss seine Arbeit gekannt und ihn empfohlen haben. Auf diese Weise erreichte den Ammertaler im Oktober 2012 ein ganz besonderer Auftrag: eine Ambone für Kardinal Friedrich Wetter, den emeritierten Erzbischof von München und Freising. Diese Art Kanzel besteht aus drei geschnitzten Reliefs. Nach einem Jahr steht sie nun kurz vor ihrer Fertigstellung.

„Es ist schon eine große künstlerische und auch seltene Herausforderung, eine solche Arbeit herzustellen“, sagt der 56-jähriger Bildhauermeister. Begonnen hatte sie mit fünf Entwürfen, die der Oberammergauer beim Bistum eingereicht hat. Für drei davon hat sich das Ordinariat schließlich entschieden. Sie stellen den Heiligen Paulus, seine Enthauptung und die Steinigung des Stephanus dar. Die fertige Kanzel wird auf Rollen fahrbar sein. Die einzelnen Reliefs, die 1,75 mal 1,20 Meter groß sind, schnitzt Höldrich in Lindenholz.

Bei der Arbeit wird der Meister von seinem 24-jährigen Sohn Tobias unterstützt. Er tritt in die Fußstapfen des Vaters und lernt inzwischen im dritten Jahr an der Oberammergauer Schnitzschule Bildhauerei.

Seit vier Monaten arbeiten die beiden an den Reliefs. Interessierte konnten sich in ihrer Schauwerkstatt nahe des Passionstheaters stets ein Bild von dem Fortschritt machen. Bevor die Reliefs nach Rom auf die lange Reise gehen, wurden sie noch in verschiedenen Grautönen von Höldrichs Ehefrau Sabine lasiert. Aktuell sind sie bei Rochus Lang, der sie probeweise zusammenbaut. Denn für den Transport nach Italien, den Tobias Höldrich mit einem Freund übernimmt, müssen die Einzelteile sicher verpackt werden. Nach Allerheiligen soll das Gesamtkunstwerk in der Titelkirche von Kardinal Wetter, St. Stefano Rotondo, in Rom zu bewundern sein.

Wann sich Leonhard Höldrich selbst sein besonderes Werk anschauen wird, ist noch nicht klar. Vorgenommen hat er sich den Besuch des Gotteshauses auf jeden Fall. Schließlich schnitzt er nicht jeden Tag für einen Kardinal.

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