Dr. Hubert WeigerBN-Landesvorsitzender in Bayern. Foto: fal

Schön, mal nicht beschimpft zu werden

Garmisch-Partenkirchen - Die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Vorsitzender Doering betont: Die Mitglieder seien keine Nein-Sager, sondern Mahner.

Mit ehrlichen Worten hat Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer die 40-Jahr-Feier der Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN) eröffnet. „Auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind, so ist der Bund Naturschutz für uns wichtiger Ratgeber und Mahner, der, das muss ich zugeben, oft auch recht behält.“ Zudem verlieh sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das Umweltbewusstsein sich noch weiter in den Köpfen der Menschen verankern möge. Es sei in manch einem Kopf noch nicht angekommen. „Das sollte sich ändern.“

Viele Mitglieder der Kreisgruppe (im Markt 1379, 54 von ihnen sind seit der Gründung 1975 dabei), aber auch Interessierte und Gäste waren ins Café im Kurpark gekommen. Martin Wohlketzetter, der Landrat Anton Speer vertrat, erinnerte daran, dass ohne den Einsatz der BN-Kreisgruppe das gesamte Loisachtal durch den Weiterbau der A 95 von Eschenlohe nach Garmisch-Partenkirchen verschandelt worden wäre. „Das hätte dann hier ausgesehen wie an der Brenner Autobahn“, sagte der Farchanter Bürgermeister und gebürtige Eschenloher. Viele Gemeinden hätten das Vorhaben befürwortet. Doch der BN ließ es im Februar 1985 scheitern, „indem er den Verkehrspolitikern und den Talbewohnern die Augen über die verheerenden Folgen öffnete“.

Axel Doering, Vorsitzender der Kreisgruppe, freute sich über die positiven Worte. Es tue gut, wenn man mal nicht nur beschimpft werde. In seinem Rückblick führte er weitere Erfolge auf, aber auch Niederlagen der vergangenen vier Jahrzehnte: „Wir haben viele Schlachten geschlagen, einige gewonnen, andere verloren. So konnten wir nach vielen Jahren harten Kampfes verhindern, dass der Stepberg-Weg zu einer vier Meter breiten Lkw-Straße ausgebaut, dass in Eschenlohe eine Müllverbrennungsanlage errichtet oder das Murnauer Moos trockengelegt wurde.“

Aber Doering erinnerte auch an den G7-Gipfel, der am falschen Ort zur falschen Zeit stattgefunden habe. Dagegen habe sich der BN nicht wehren können, weil für Großdemonstrationen der Platz gefehlt habe. Ebenso machtlos waren die Umweltschützer gegen die Starkstromleitung durchs Isartal oder die „Pfuschplanung“ in Sachen Kramertunnel. „Da wissen wir noch nicht, ob wir klagen werden“, sagte Doering. Künftig werden ihn und seine engagierten Mitstreiter auch der weitere Einsatz von Schneekanonen oder die Planung eines Nationalparks beschäftigen. „Da nehmen die Diskussionen Fahrt auf, wir werden das intensiv prüfen.“

Am Ende seiner Rede fand Doering noch einige persönliche Worte. Man brauche für diese Arbeit ein breites Kreuz, sei immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. „Aber wir müssen aufmerksam machen, sind keine Nein-Sager, sondern Mahner, und werden uns auch in den kommenden 40 Jahren dafür einsetzen, dass unsere schöne Natur für unsere Kinder und Enkelkinder lebens- und liebenswert bleibt.“

Auch Professor Dr. Hubert Weiger, BN-Landes- und Bundesvorsitzender, hob den immensen Einsatz der Kreisgruppe hervor. „Es ist außerordentlich wichtig, dass es Menschen gibt, die sich für die Gemeinwohl-Interessen einsetzen.“

(Barbara Falkenberg)

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