Die Zufahrt zum Impfzentrum in Garmisch-Partenkirchen am Alpspitz-Wellenbad.
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Noch gibt es keine Zufahrt: Das Impfzentrum ist bisher nicht in Betrieb.

Corona-Impfung

Hausärzte leisten Vorarbeit: Schon 500 Heimbewohner über Corona-Impfung aufgeklärt

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Wie steht es um die Vorbereitungen zur Corona-Impfungen im Landkreis? Vieles ist noch ungewiss, als sicher gilt aber, dass es am 27. Dezember in Pflegeheimen losgehen soll. Eine Übersicht:

Landkreis – Alle Welt spricht übers Impfen dieser Tage. Die Station in Garmisch-Partenkirchen steht. Container an Container reiht sich auf dem Parkplatz gegenüber dem Alpsitz-Wellenbad. Noch aber herrscht Ruhe in diesem Interimsbau. Wie lange noch? Das ist eine von vielen Fragen, die sich die Menschen in der Region stellen. Das Tagblatt gibt kurz vor Heiligabend mit den Experten Dr. Kristina Ott als Koordinatorin der Hausärzte sowie mit Jörg Jovy, Sprecher des BRK-Kreisverbands, einige aktuelle Antworten rund um die Corona-Impfung. Eines ist klar: Es wird am 27. Dezember losgehen, wenn der Impfstoff bis dahin im Landkreis eingetroffen ist.

Wie viel Impfstoff bekommt der Landkreis zu Beginn?

Eine Antwort haben beide Experten bisher nicht. „Das werden wir wohl erst kurzfristig erfahren“, vermutet Jörg Jovy. Personell hat sich das Bayerische Rote Kreuz, das als Kooperationspartner des Landkreises fungiert, darauf eingestellt, in vier Tagen eine komplette Charge von 975 Dosen verimpfen zu können. „Vielleicht bekommen wir aber nur 400 oder 450 Dosen – wir sind auf alles vorbereitet.“ Laut Jovys Wissensstand sind bis Ende der ersten Januarwoche drei Impf-Lieferungen für den Landkreis geplant. „Dann hätten wir hoffentlich ein Minimum von 1500 Dosen.“

Die Beantragung der Menge des Impfstoffes liegt laut Ott beim Gesundheitsamt. „Die Zahl derer, die aufgeklärt und zur Impfung bereit sind, wird an den Freistaat gemeldet, auf dieser Basis soll der Impfstoff zugeteilt werden.“ So lautet die Theorie.

Wie startet der Impf-prozess im Landkreis?

Fix ist, dass es mit zwei mobilen Teams losgehen wird. Diese sind ab Sonntagmorgen, 27. Dezember, einsatzbereit. Wer in der Region zu welchem Zeitpunkt geimpft wird, ist Sache der ärztlichen Leitung des Gesundheitsamts. Dort wird nach den Maßgaben des Bundesgesundheitsministeriums eine Prioritätenliste erstellt. Sicher ist, dass die Bewohner von stationären Pflegeeinrichtungen aller Art zu Beginn berücksichtigt werden. Zahlenmäßig sind dies an die 800 im Landkreis, wobei die Über-80-Jährigen Priorität genießen. Im Fokus steht aber auch das Personal dieser Einrichtungen wie auch der Kliniken, das mit Covid-Patienten direkt in Kontakt kommt.

Wie sehen diese mobilen Teams aus?

Jedes Teams besteht aus fünf Personen, vier Kräften des BRK plus einen Hausarzt. Für Ausfälle gibt es Ersatz. Der Mediziner führt mit den bereits aufgeklärten Bewohnern das notwendige kurze Vorgespräch, eine Fachkraft übernimmt die Impfung in den Deltamuskel am Oberarm – so ist es beim Biontech/Pfizer-Wirkstoff vorgeschrieben. „Die Impfungen werden nur von medizinischem Fachpersonal vorgenommen wie bei jeder anderen Impfung auch“, klärt Jovy auf.

Wie läuft die Aufklärung?

Die Vorbereitung der Impfwilligen übernehmen im Landkreis die jeweiligen Hausärzte der Heimbewohner. „Und das Ganze läuft wirklich sehr gut“, betont Ott. „Alle arbeiten Hand in Hand, die Heime unterstützen uns bestens, auch um die Kontakte mit den Betreuern zu erleichtern.“ Laut Jovy stehen 75 Prozent aller Betroffenen unter einer Betreuung. Die Aufklärung sei anspruchsvoll, merkt Ott an. „Die Menschen haben viele Fragen.“ Im Schnitt dauert ein Gespräch 15 bis 20 Minuten. Von gut der Hälfte der beteiligten Hausarzt-Praxen in der Region habe sie schon Rückmeldung bekommen. Zwei Tage vor Heiligabend seien rund 500 Heimbewohner aufgeklärt und zu einer Impfung bereit.

Gibt es bei den Über-80-Jährigen quasi keine Alternative zu persönlichen Einzelgesprächen, überlegen die Experten, medizinisches Pflegepersonal oder Mitarbeiter von Kliniken in anderer Form aufzuklären: „Eventuell können wir es da in Gruppen machen, vielleicht sogar online“, betont Ott. Rechtlich ist das möglich. „So könnten wir in kurzer Zeit wesentlich mehr Menschen aufklären und das Prozedere insgesamt abkürzen.“

Wie groß ist die Impfbereitschaft?

In der höchsten Risikogruppe nimmt Ott bisher eine außerordentliche hohe Bereitschaft wahr. „Bisher war es nur eine Handvoll Bewohner, die sich nicht impfen lassen will.“ Von dieser Rückmeldung zeigt sie sich „sehr begeistert“. Ihrer Meinung liegt das an der Aufklärung durch die Hausärzte. „Da sitzt nicht irgendwer vor den Menschen, sondern jemand, der sie und ihre medizinischen Probleme kennt. Das ist ein großer Vorteil, da wir den Leuten die Ängste nehmen können.“

Wie gut ist der Impfstoff?

Darüber erlaubt sich Ott ein klares Urteil: „Ich stehe mit ganzem Herzen zu diesem Impfstoff“, sagt sie gerade heraus. „Das ist ein sehr sauberer Stoff, da hat die Firma wirklich gut gearbeitet, er ist offenbar richtig gut verträglich.“ Die Ärztin verweist auf die ersten Studien aus den USA. Dort seien bisher 270 000 Menschen behandelt worden, nur sechs allergische Reaktionen sind bekannt. „Und das waren Menschen mit Allergie-Erkrankungen. Von medizinischer Seite bin ich absolut beruhigt.“

Für wen ist der Stoff geeignet?

Ott macht zunächst deutlich, dass vor allem Allergiker aufpassen müssen. „Wenn jemand gegen einen Inhaltsstoff allergisch ist, darf er sich nicht impfen lassen.“ Dafür gebe es aber das ausführliche Vorbereitungsgespräch. „Da hilft es ebenfalls, dass die Hausärzte die Aufklärung übernehmen.“ Zugelassen ist der Impfstoff für Personen ab 16 Jahren.

Patienten mit chronischen Erkrankungen sollten sich in jedem Fall impfen lassen. „Sie brauchen keine Angst vor stärkeren Nebenwirkungen zu haben.“ Auch Positiv-Getestete, die mit dem Virus infiziert waren, sollten sich mit dem Gedanken einer Impfung beschäftigen. Ott: „Man geht momentan davon aus, dass die Immunität nach einer Ansteckung zwar einige Monate anhält, aber mehr weiß man nicht.“ Für diese Fälle gilt aufgrund dessen zeitlich aber keine Priorität.

Offene medizinische Fragen

Ungeklärt ist laut Ott die Frage, ob der Biontech/Pfizer-Impfstoff nur den Geimpften selbst schützt – das ist sicher –, oder auch andere vor einer Ansteckung bewahrt. Zudem ist unbekannt, wie lange die Wirkung anhält. „Es könnte durchaus sein, dass es künftig regelmäßige Impfungen gegen Corona geben könnte wie bei der Grippe“, sagt Jovy. „Denn wie man in Großbritannien sieht, mutiert das Corona-Virus.“

Wie läuft die Anmeldung?

Diese soll zentral über eine Software laufen, die der Freistaat zur Verfügung stellt. Das Problem: Sie funktioniert bisher nicht. In diesen Tagen werden die Ärzte und das BRK-Personal mit einer vorläufigen Version geschult. Wann dieses System in Betrieb gehen kann, ist derzeit offen. „Aber da werden wir improvisieren“, versichert Jovy. An einer nicht funktionierenden Plattform soll der Impfstart nicht scheitern.

Aktuelle Informationen

zur Impf-Thematik auch über die Feiertage gibt es auf der vom BRK betriebenen Seite coronagap.de

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