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Überarbeiten die Hausordnung: (v. l.) Jugendsozialarbeiter Franz Seimel, Korbinian Ostler, Klassensprecher der 8a, und Rektorin Anja Zwerger. 

Umgang mit den Medien lernen

Schule Mittenwald: Keine Chance für Cyber-Mobbing

Facebook, Twitter und Co. sind heute selbstverständlich. Deshalb setzt die Grund- und Mittelschule Mittenwald verstärkt auf die Medienerziehung ihrer Schützlinge. Dafür überarbeitete die Schulleitung sogar die Hausordnung.

Mittenwald – Die Erwachsenen machen es vor – die Kinder nach. Beschimpfungen und Diffamierungen auf sozialen Internet-Plattformen gehören heute leider zur Realität, angefangen bei den Online-Kommentarspalten diverser Nachrichtenseiten bis hin zu den Twitter-Meldungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Vor der Digitalisierung gefeit ist niemand – auch nicht im Isartal. Bereits im vergangenen Jahr machte sich die Schulleitung der Grund- und Mittelschule Mittenwald deshalb Gedanken, wie Medienerziehung mit den Schülern thematisiert werden könnte. In einer Projektwoche im April 2016 wurde diese sensible Angelegenheit aufgegriffen. Denn Rektorin Anja Zwerger weiß aus eigener Erfahrung, dass dringend Nachholbedarf besteht. „Cyber-Mobbing geschieht auch hier in Mittenwald“, muss sie immer öfter beobachten. Klassenkameraden werden ihren Angaben zufolge beispielsweise aus Gruppen des Nachrichtendienstes WhatsApp von anderen Mitschülern ausgegrenzt oder im schlimmsten Fall beleidigt.

Bundesweit sind laut einer Studie der Universitäten Münster und Hohenheim rund ein Drittel aller Schüler vom sogenannten Cyber-Mobbing betroffen. Durch das Verschicken entsprechender Mails oder Nachrichten, durch das Hochladen peinlicher Videos oder das Posten gemeiner Facebook-Nachrichten können gravierende psychische Schäden bei Kindern und Jugendlichen entstehen. Und auch Lehrer bleiben von Online-Attacken nicht verschont. Ein fast noch größeres Problem stellt das sogenannte „Sexting“ dar: die private Kommunikation sexueller Themen über mobile Nachrichtendienste. Verschickt werden etwa erotische Bild- oder Videodateien mit Handys. Doch außer Kontrolle geraten können diese Bilder eine ungewollte Reichweite erlangen.

„Auch an unserer Schule hat es bereits Vorfälle gegeben, die im Nachhinein aufgearbeitet werden mussten“, sagt Jugendsozialarbeiter Franz Seimel. Für den Caritas-Mitarbeiter war es deshalb ein Anliegen, Leitlinien zum Umgang mit neuen Medien an der Schule einzuführen. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung, den Schülern, den Klassensprechern und dem Schulforum wurden solche Regeln erarbeitet. Auch die Klassensprecher der Mittelschule wurden an den Runden Tisch geholt. Schnell wurde klar: „Es müssen vor allem die Eltern für dieses Thema sensibilisiert werden“, erklärt Zwerger. Denn „Kinder lernen den Umgang mit Medien in erster Linie zu Hause.“ Eltern sollten sich „über ihre Vorbildfunktion bewusst werden“ und „ihre eigenen Mediengewohnheiten überprüfen“.

So sollten „keine persönlichen oder gar intime Bilder und Inhalte auf dem Handy gespeichert werden“, wie Seimel rät. „Mit solchen Fotos muss sehr vorsichtig umgegangen werden.“ Peinliche Fotos oder Videos sollten gelöscht werden oder im besten Fall erst gar nicht entstehen.

„Im Internet und am Handy bin ich respektvoll und beleidige niemanden“, lautet die erste Regel der besagten Leitlinien. Die Kinder sollen dazu animiert werden, bei bedenklichen Inhalten „mit Eltern oder anderen Erwachsenen ihres Vertrauens darüber zu sprechen“. Diese Regeln sind in der Hausordnung der Schule ergänzt worden, die für die Schulfamilie verbindlich gilt.

Josef Hornsteiner

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