Weg mit den Steinmassen: Bauhof-Mitarbeiter räumen seit vergangenem Freitag im Kaltwassergraben auf. Das zerstörte Rohr am alten Trinkwasserbrunnen ist noch nicht ersetzt. foto: fkn

Schutzwall stoppt Geröll-Lawine

Wallgau - Vom Unwetter in Bewegung gesetzt: Eine Mure ist vergangene Woche durch den Kaltwassergraben bei Wallgau gedonnert und hat die alte Trinkwasser-Anlage beschädigt. Die Hauptquelle blieb unversehrt - dank einer Barriere.

Eine Schaufel nach der anderen baggern Wallgaus Bauhof-Mitarbeiter Steinmaterial aus. Der Kaltwassergraben gleicht derzeit einer riesigen Trümmerwüste. Etwa zwei Meter hoch ist er zugeschüttet mit Massen an Geröll, überall liegen Äste verstreut herum. Nach dem Unwetter am vergangenen Mittwoch hat sich eine Mure seinen Weg durch den Schuttkegel gebahnt. Dabei wurde die alte Trinkwasser-Anlage in Mitleidenschaft gezogen.

„Es ist kein dramatischer finanzieller Schaden entstanden“, sagt Hans-Jörg Zahler (CSU) beruhigt. Die Geröll-Lawine hat eine von zwei Zuführungsleitungen der Quellfassung abgerissen. Die Bürger waren davon nicht groß beeinträchtigt. Die Kuranlagen in der Ortsmitte, das Kleinwasserwerk und der Golfplatz, die an die Anlage angeschlossen sind, „hatten kurzfristig nur weniger Wasser“, erklärt der Bürgermeister. Ohnehin dient dieser Schacht der Kommune nur als Notbrunnen.

An welcher Stelle sich die Mure in Bewegung gesetzt hat, weiß der Rathaus-Chef selber nicht. Nur, dass sie etwa 50 Meter nach der Quellfassung zum Stehen kam. Gesteinsverschiebungen gibt es dort immer wieder. „Wann es das letzte Mal so ausgeprägt war wie jetzt, weiß ich gar nicht mehr.“ Ein Großteil des Gesteins ist bereits aus dem Graben herausbefördert, das Rohr muss noch erneuert werden. „Das ist ein bisschen umständlich“, sagt Zahler, „weil der Bereich wegen der Hanglage schwer zugänglich ist.“

Viel wichtiger ist ihm, dass der Trinkwasserbrunnen intakt ist. Der Schutzwall, der 2013 gebaut wurde, um ihn vor einer Vermurung zu bewahren, hat seine Notwendigkeit unter Beweis gestellt. „Der hat sich gelohnt“, betont der Bürgermeister, „damit ist der Brunnen effektiv geschützt.“ Zwar ist Zahler froh, dass die Geröll-Lawine im Kaltwassergraben abging und nicht unkontrolliert im freien Gelände, dennoch hat er genau vor Szenarien wie der am Mittwoch immer gewarnt. Schon seit Jahren weist er auf den Kaltwassergraben, dessen Ursprung im Vorkarwendel liegt und der schräg oberhalb des Tiefwasserbrunnen an der Au-Hütte verläuft, als Risikofaktor hin. Und genau deshalb hat er bei den Behörden nicht locker gelassen, bis er die Genehmigung für den Wall in den Händen hielt (wir berichteten).

Das Hauptproblem bleibt trotzdem weiterhin bestehen. Das Geröll nimmt immer weiter zu, auch weil die Unwetter immer „schärfer“ würden. „Der Schuttkegel wird immer höher“, schildert Zahler die Situation, „wir dürfen aber gar nichts entnehmen.“ Damit spielt Zahler auf den Disput an, Kies entfernen zu dürfen. „Diese Geschiebe und Geröllverfrachtungen nehmen zu“, betont er - und werden ihm zufolge immer unberechenbarer, wohin sie ausbrechen.

Ein Thema, bei dem Zahlers Laune schnell umschlägt. Gerade die „ideologische Vorgehensweise“ des Bundes Naturschutz stößt ihm sauer auf. „Es wäre so einfach, wenn wir in Höhe der Au-Hütte jährlich ein bisschen was entnehmen könnten“, poltert er. „Die Schäden wären überschaubar, und man müsste nicht so viele Steuergelder der Bürger hernehmen.“ Doch auch die Regierung von Oberbayern stellt sich nach wie vor quer. „Sie ist gefordert, bietet aber keine praxisorientierten Lösungen an.“

mas

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