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Ein Auslaufmodell: Der Staffelseebus wird Ende des Jahres eingestellt. 

Bürgermeister schreibt an Staatsministerin

Aus für Staffelseebus: Hilfeschrei aus Schwaigen

Ende des Jahres ist der Staffelseebus Geschichte. Vor allem Schwaigen bekommt diesen Einschnitt zu spüren. Dort wird dann das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln überschaubar. Bürgermeister Hubert Mangold ist verärgert.

Schwaigen – Ungläubiges Kopfschütteln auf der Sitzung des Schwaigener Gemeinderats: Dort erörterte Bürgermeister Hubert Mangold den Stand der Dinge zur Entwicklung der Buslinie 9621. Im Dezember soll ein neuer Fahrplan in Kraft treten – und dieser bedeutet das Aus für den Staffelseebus, der seit 2015 Tag für Tag Ziele in Murnau, Grafenaschau und Seehausen ansteuert. Doch nur wenige nahmen bislang das Angebot an – was dem Landkreis ein hohes Defizit bescherte.

Die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO), die im August erneut die Konzession erhielt, wird in Zukunft keine Zusatzfahrten mehr anbieten, sondern nur noch zu den Schülerzeiten fahren. Das bedeutet: zwei Verbindungen in der Früh und eine am Nachmittag um 14 Uhr. Wer letzteren Bus nach Murnau nimmt, der kommt allerdings nicht mehr zurück. Denn in umgekehrter Richtung fahren die letzten Busse um 13.38 Uhr von der Sollerstraße und um 13.50 vom Murnauer Bahnhof zurück nach Grafenaschau.

„Der Schülerverkehr am Nachmittag ist komplett ungeregelt“, ärgert sich daher Rathaus-Chef Mangold. „So entstehen unnötige Kosten durch den Einsatz von Kleinbussen – oder die Eltern müssen selbst fahren.“ An Wochenenden und an schulfreien Tagen ist der Bus überhaupt nicht im Einsatz. Wer in Schwaigen kein Auto hat und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, ist dann komplett abgeschnitten. In seiner Not hat sich Mangold nun mit einem Brief an die Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Ilse Aigner (CSU), gewandt und darin um Hilfe gebeten.

Ab Dezember arbeitet die RVO eigenwirtschaftlich. „Die Fahrzeiten, Anzahl der Fahrten usw. unterliegen der unternehmerischen Freiheit des Antragstellers (RVO GmbH)“, erklärt das Landratsamt auf Nachfrage. Eine Fahrgastzählung habe ergeben, dass bei sechs angebotenen Zusatzfahrten in Grafenaschau nur fünf Personen eingestiegen seien. Nach Angaben des Fahrpersonal des Busunternehmens, das als Subunternehmer den Staffelseebus bedient, sind es aber eher doppelt so viele.

Mangold ist sauer. Er habe bereits einen privaten Busbetreiber an der Hand gehabt, der den Bedarf gut abgedeckt hätte, erklärt er. „Das Landratsamt und die Regierung von Oberbayern wussten von diesem potentiellen Mitbewerber und dass wir nur noch auf eine Antwort von einer der beiden Stellen warteten“, erklärt der Bürgermeister. Auf eine Reaktion wartete er vergebens. In einer Stellungnahme der Kreisbehörde heißt es dazu: „Eine Anfrage oder Interessensbekundung durch ein anderes Busunternehmen erfolgte zu keinem Zeitpunkt.“ Dies erklärt sich Mangold mit fehlender Transparenz. Es sei für einen Anbieter nicht einsehbar, wann man sich bewerben könne und wie sich die Auszahlungen von Seiten des Landkreises zusammensetzten.

Beate Berger

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