Seit 2018 in Betrieb: der Dorfladen Grafenaschau.
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Seit 2018 in Betrieb: der Dorfladen.

Bericht im Gemeinderat Schwaigen

Dorfladen Grafenaschau: Die Umsätze steigen

Es geht bergauf: Der Dorfladen in Grafenaschau erfreut sich einer immer größeren Akzeptanz, die Umsätze steigen. Zu kämpfen hat die Einrichtung aber mit den nach wie vor hohen Kosten. Vor allem die Personalausgaben schlagen zu Buche.

  • Die Umsätze im Dorfladen Grafenaschau steigen.
  • Zu kämpfen hat die Einrichtung aber mit den nach wie vor hohen Kosten.
  • Im Gemeinderat gab es jetzt einen Sachstandsbericht.

Schwaigen – Gesellschafterwechsel, hohe Personalkosten, Anhäufung von Überstunden, dazu die ungeklärte Frage nach den Öffnungszeiten – um den Dorfladen in Grafenaschau hat es teilweise heftig rumort, seit er im Sommer vor zwei Jahren in Betrieb ging (wir berichteten). Doch inzwischen scheinen sich die Wogen zu glätten. „Wir stellen eine positive Tendenz fest. Das Team ist sehr motiviert, es herrscht eine gute Stimmung“, berichtete Mit-Gesellschafterin Leoni Schmid in der jüngsten Gemeinderatssitzung im Inforaum des Dorfladens.

Laden von eminenter Bedeutung

Gute Stimmung – genau daran hat es gehapert. Immer wieder war von handfesten Unstimmigkeiten rund um den Mini-Supermarkt die Rede. Fünf von sechs Gesellschaftern hatten bald das Handtuch geworfen, die Betreiber waren genervt, das Vertrauen und der Rückhalt der Bürgerschaft in den Betrieb standen lange Zeit auf der Kippe. Dabei ist der Dorfladen in der kleinsten Gemeinde im Landkreis für viele Einheimische von eminenter Bedeutung: Der Ort ist abgelegen, die nächsten Einkaufsmöglichkeiten liegen kilometerweit entfernt. Grafenaschau hing bis zum 8. August 2018, als der Laden eröffnete, buchstäblich am Tropf der Discounter und Lebensmittelgeschäfte in der Umgebung. Vor allem für Senioren und Menschen ohne Auto war das ein Riesenproblem. Entsprechend viel Herzblut hängt bei den Entscheidungsträgern an dem Projekt. „Wir brauchen dieses Geschäft, das ist ein ganz wichtiges Thema“, betonte Bürgermeister Hubert Mangold (parteifrei). Seiner Einschätzung nach ist das Gröbste überstanden, was sich vor allem an den Umsatzzahlen widerspiegelt. 367 000 Euro spülte der Verkauf der regionalen Produkte vergangenes Jahr in die Kassen – heuer sind es schon rund 400 000 Euro. Allein der September brachte 46 000 Euro. Der Reinerlös betrug nach Abzug aller Kosten 4000 Euro. „Die Umsätze steigen, das ist mehr als erfreulich.“ Außerdem hat sich das Geschäft mit einer Verkaufsfläche von 180 Quadratmetern einem Verbund mit anderen Dorfläden aus der Region – unter anderem in Bad Bayersoien, Riegsee und Farchant – angeschlossen und profitiert nun von den daraus resultierenden Synergieeffekten.

Deutlich höhere Akzeptanz

Wie kommt es aber nun, dass sich die Dinge in puncto Personal zum Besseren gewendet haben? Laut Schmid ist das vor allem auf die inzwischen deutlich höhere Akzeptanz in der Bürgerschaft zurückzuführen. Das Projekt Dorfladen stabilisiere sich zusehends, immer mehr Menschen würden dort einkaufen. Das habe die Motivation der Mitarbeiter spürbar gesteigert. Und: Der Bedarf an regionalen Waren im Ort scheint groß zu sein. Auf diese Karte werde man weiter zu 100 Prozent setzen. „Wir wollen uns von den Discountern absetzen, das ist nicht unsere Schiene“, hielt auch der Rathauschef fest. „Wir werden den Bestand an regionalen Produkten weiter ausbauen.“ Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Umsätze sind zwar gestiegen, doch die Margen fallen nach wie vor eher dürftig aus. Das liegt, wie Schmid und Mangold hervorhoben, an den nach wie vor hohen Personalkosten, an der Ausbezahlung von Überstunden und an den Wareneinkäufen. Da es sich um hochwertige regionale Produkte handelt, müsse man für deren Einkauf entsprechend viel zahlen. Allerdings sei das normal und von Anfang an Bestandteil der Kalkulation gewesen – erst nach fünf Jahren werde man schwarze Zahlen schreiben. „Das war in Farchant auch nicht anders“, sagte der Bürgermeister. Um die Liquidität zu erhöhen, sollen weiter möglichst viele stille Beteiligungen akquiriert werden.

Problem Personalkosten

Vorrangig geht es jetzt darum, die Personalkosten in den Griff zu bekommen, die Überstunden abzubauen, von der Kooperation mit den anderen Dorfläden zu profitieren und die Beteiligungen zu vermehren. „Mit all dem sind wir auf einem guten Weg“, betonte Mangold.

Rafael Sala

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