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Blicken nach vorne: (v. l.) Bürgermeister Hubert Mangold, Gesellschafterin Nina von Wallenberg-Pachaly und Geschäftsführer Hartmut Witte. 

Nach Rücktrittswelle unter Gesellschaftern

Dorfladen in Grafenaschau: Neue Führungsriege übernimmt

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Aufbruchstimmung beim Dorfladen-Projekt in Grafenaschau: Nach einer Rücktrittswelle und Unstimmigkeiten hat jetzt ein fast komplett neues Gesellschafterteam die Verantwortung übernommen. Großgeschrieben werden eine enge Kundenbindung und der Verkauf regionaler Produkte.

Schwaigen – Aller Anfang ist schwer: Das musste auch das Bürger-Projekt Dorfladen in Schwaigen erfahren. An der Spitze des Betriebs, der erst im Sommer 2018 seine Pforten geöffnet hatte, hörtengleich fünf der bislang sechs ehrenamtlichen Gesellschafter auf. Diese fungieren als Betreiber des kleinen Geschäfts, das sich im Herzen des Ortsteils Grafenaschau in einem Gebäude der Gemeinde befindet und als Unternehmergesellschaft organisiert ist. Die Rede war von Amtsmüdigkeit, aber auch von Differenzen und einem fehlenden Rückhalt. Der neue Geschäftsführer Hartmut Witte will auf die Probleme in der Vergangenheit nicht mehr näher eingehen – und lieber den Blick nach vorne richten. Er spricht lediglich von „Unstimmigkeiten“ und einem „schlechten Sound“, der geherrscht habe. Die Vorgänger hätten aber „Großartiges geleistet“, betont er im Rahmen eines Pressegesprächs, zu dem Bürgermeister Hubert Mangold eingeladen hatte.

Bereits seit Anfang Dezember steht nun eine neu aufgestellte Führungsriege mit sieben Gesellschaftern aus der heimischen Bevölkerung in der Verantwortung. Die entsprechenden Anteile wurden bereits übertragen. Von den Ehemaligen ist nur noch Thomas Stahl dabei. Neu sind der bereits genannte Hartmut Witte, Nina von Wallenberg-Pachaly, Leoni Schmid, Dr. Friedrich Glauner, Gebke Mertens und – auch das ist neu – die Gemeinde Schwaigen, die von Rathauschef Mangold vertreten wird, der als Anschieber des Projekts gilt. „Das stärkt den Rücken“, begründet er die kommunale Beteiligung.

Geschäftsführer Witte ist vom Fach. Der 72-Jährige, der seinen Altersruhesitz in Schwaigen gefunden hat, war als freiberuflicher Unternehmensberater in der Industrie tätig. Der Dorfladen sei ihm eine „Herzenssache“, sagt er. Der Markt soll in der kleinsten Landkreis-Gemeinde die Grundversorgung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs sicherstellen. Zuvor gab es dort keine Einkaufsmöglichkeit.

Einfach ist jedoch das Vorhaben selbst für einen Wirtschaftsprofi wie Witte nicht: „Das ist eine Herausforderung“, findet er. Das Ziel ist ehrgeizig: Ab dem dritten Betriebsjahr wollen die Dorfladen-Macher schwarze Zahlen schreiben. Das laufende Geschäftsjahr wird voraussichtlich noch mit einem leichten Minus abschließen – was bei einem jungen Unternehmen, das erstmal investieren muss, nichts Ungewöhnliches ist.

Witte ist jedenfalls davon überzeugt, dass der Dorfladen in seinem Heimatort genügend Kunden anzieht und funktioniert. Außerdem fungiere dieser als sozialer Treffpunkt. Die Gesellschafter wollen weiter am Konzept feilen. „Wir haben noch keine richtige Philosophie“, erklärt Witte. Ausgebaut werden soll auf jeden Fall das Sortiment mit regionalen Produkten, die offenbar ganz gut gehen. Mangold sieht hier noch erhebliches Zukunftspotential: „Jeder Landwirt soll hier verkaufen dürfen“, sagt der Bürgermeister.

Eine Befragung soll helfen, die Kundenwünsche genauer zu erfassen. So finden neuerdings zweimal in der Woche so genannte Sprechstunden statt, in denen die Besucher Anregungen und Kritik loswerden können. Und der Dorfladen setzt auf publikumswirksame Aktionen: Zum Beispiel stellt sich am 27. Dezember eine kleine Brauerei aus Seeshaupt vor – und schenkt ihr Bier aus.

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