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Auf der Baustelle: Bürgermeister Hubert Mangold (l.) freut sich über die Fortschritte des Dorfladen-Projekts.

Gemeinschaftsprojekt in Grafenaschau

Dorfladen: Stille Gesellschafter gesucht 

Während die Mauern auf der Baustelle für den neuen Dorfladen in Grafenaschau bereits in die Höhe schießen, nimmt die Organisation des Gemeinschaftsprojekts konkrete Formen an. Ab sofort können alle rechtsfähigen Personen Anteile erwerben – für mindestens 250 Euro.

Grafenaschau – Bei einer Informationsveranstaltung, zu der etwa 120 Interessierte im Grafenaschauer Mehrzweckhaus erschienen waren, warb Arbeitskreis-Sprecherin Bettina Lang um stille Gesellschafter für das Dorfladen-Projekt. Das Geschäft, das auch eine Tourismusabteilung beherbergen wird, soll die Nahversorgung in der Gemeinde sichern. Allerdings brachte Lang auch mögliche Risiken zur Sprache. So muss ein derartiger Laden etwa 450 000 Euro Jahresumsatz erzielen, um dauerhaft rentabel zu sein. „In den ersten zwei, drei Jahren werden wir aber noch keine schwarzen Zahlen schreiben“, prognostizierte die gelernte Finanzbuchhalterin. „Das ist bei Geschäftsgründungen aber normal.“ Folglich wäre auch während dieser Zeit keine Gewinnausschüttung möglich.

Größter Brocken bei der Kalkulation seien üblicherweise die Personalkosten, die sie mit rund 85 000 Euro im ersten und 91 800 Euro im zweiten Jahr bezifferte. Der Bedarf an Gütern des täglichen Bedarfs für die Bevölkerung im näheren Umkreis von sechs bis acht Kilometern sei zweifelsfrei vorhanden, erklärte Lang. Mit dem Dorfladen müsste sich aber das Einkaufsverhalten verändern, mahnte die 59-Jährige an: „Der erste Weg sollte immer dorthin gehen – und dann erst in den Supermarkt.“

40 Prozent des Projekts sind durch die europäische Leader-Förderung gedeckt, der im Gebäude vorgesehene Tourismus-Bereich sogar mit 60 Prozent, rechnete sie vor: „Sonst hätte sich die Gemeinde das gar nicht leisten können.“ Die nicht förderfähige Warenerstausstattung ist mit 30 000 Euro kalkuliert, der Investitionsbedarf inklusive Gründungskosten mit 110 000 Euro. Der meiste Gewinn mit etwa 60 Prozent sei mit dem Verkauf von Leberkässemmeln und mit dem Ausschank von Kaffee zu erzielen, meinte sie: „Das ist jedoch sehr personalintensiv.“ Im kommenden Frühjahr wird ein großer Aufruf gestartet, um ehrenamtliche Helfer zu gewinnen.

Rechtsanwältin Julia Dieterich aus Bad Kohlgrub, die dem Arbeitskreis zur Seite steht, erläuterte das Vertragswerk für die stillen Gesellschafter. „Private Personen unterstützen mit ihren Einlagen das Unternehmen, ohne dabei öffentlich in Erscheinung zu treten und ohne Geschäftsführer-Aufgaben zu übernehmen“, sagte die Juristin. Bei einem nach ihren Worten unwahrscheinlichem Misslingen des Projekts kämen keine weiteren Forderungen auf die Gesellschafter zu. Zeichnungsscheine gibt es im Rathaus, wo auch die unterschriebenen Exemplare abgegeben werden können, sowie auf der Homepage der Gemeinde.

Bürgermeister Hubert Mangold (parteifrei) gab einen kurzen Sachstandsbericht zu den laufenden Bauarbeiten. So hätte sich der Zeitplan etwas nach hinten verschoben, weil beim Aushub des Kellers eine bis zu 1,80 Meter dicke Seetonschicht entdeckt worden sei. „Wir mussten auf Anraten eines Bodengutachters eine so genannte Brunnengründung vornehmen“, sagte der Rathauschef. Das vom Eschenloher Architekten Anton Schönach geplante Gebäude stehe nunmehr auf 13 Betonrohren, die über einen Durchmesser zwischen 1,50 bis zwei Meter verfügten. Über die Mehrkosten am Gesamtprojekt, das bisher mit rund 990 000 Euro kalkuliert war, konnte er noch nichts Konkretes sagen. Mangold hofft auf die Eröffnung im Frühsommer 2018.

Heino Herpen

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