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Neuer Ortsmittelpunkt: der Dorfladen in Grafenaschau, hier Bürgermeister Hubert Mangold (l.) und Marktleiter Jürgen Reichert. 

Bei Vorzeige-Projekt läuft nicht alles rund 

Fünf der sechs Gesellschafter gehen: Rücktrittswelle erfasst Dorfladen

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Der neue Dorfladen in Grafenaschau gilt als Vorzeige-Projekt. Doch hinter den Kulissen rumort es: Gleich fünf der sechs Gesellschafter werfen hin. Bürgermeister Hubert Mangold ist um Schadensbegrenzung bemüht.

Schwaigen – Der 8. August 2018 war für die Gemeinde Schwaigen ein großer Tag: Um 8.08 Uhr wurde damals im Ortsteil Grafenaschau der neue Dorfladen eröffnet. Damit ging ein lang ersehnter Wunsch vieler Einwohner in Erfüllung. Denn bis dahin hatten sie in der kleinsten Landkreis-Kommune keine Möglichkeit, Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs einzukaufen. Doch es scheint gar nicht so einfach zu sein, einen solchen Mini-Supermarkt zum Laufen zu bringen. Erst recht nicht, wenn dieser wie in Grafenaschau als Bürger-Projekt aufgezogen wurde, bei dem viele Instanzen und die Ortspolitik mitmischen.

Der Aufbau der Unternehmergesellschaft, die die Räumlichkeiten (Verkaufsfläche: rund 180 Quadratmeter) im Erdgeschoss eines gemeindeeigenen Neubaus im Herzen des beschaulichen Dorfs am Rande des Murnauer Mooses angemietet hat, ist kompliziert. An der Spitze stehen sechs Gesellschafter aus der Bürgerschaft, die als Betreiber auftreten und die Fäden in der Hand halten. Hinzu kommen an die 120 stille Teilhaber.

Doch offenbar läuft nicht alles rund. Jedenfalls wollen, wie Bürgermeister Hubert Mangold im Tagblatt-Gespräch berichtet, fünf der sechs Gesellschafter aufhören. Sie reichten bereits entsprechende Kündigungen ein. Er, so der Rathaus-Chef weiter, sei dabei, Nachfolger zu finden. Auch die Gemeinde, die den Dorfladen mit auf den Weg brachte und unterstützt, will seinen Angaben zufolge einsteigen. Mangold ist darum bemüht, in der heiklen Angelegenheit den Ball flach zu halten – und stellt die Rücktrittswelle als Anlaufschwierigkeit dar. Die besagten Gesellschafter, so seine Erklärung, machten alles ehrenamtlich – und das hohe Arbeitspensum sei ihnen zu viel geworden. Mangold: „Die sind etwas ausgelaugt.“

Doch ganz so harmlos ist es anscheinend nicht. Denn in der Causa Dorfladen, die als Ortsgespräch hohe Wellen schlägt, ist auch eine ganz andere Version zu hören, nämlich die von handfesten Unstimmigkeiten, was die Öffnungszeiten angeht. „Ich hatte das Gefühl, dass das Vertrauen und der Rückhalt nicht mehr vorhanden sind“, berichtet Lieselotte Schwarzer. Die pensionierte Bankerin hat nicht nur von der Funktion als Gesellschafterin die Nase voll. Sie gab auch ihren Job als Geschäftsführerin auf. Laut ihren Angaben wollten die Gesellschafter den Laden jetzt in der umsatzschwächeren Wintersaison nachmittags für zwei Stunden zusperren, um Personalkosten zu sparen und somit den Sprung in die schwarzen Zahlen zu schaffen. Doch gegen diesen Einschnitt habe sich von verschiedenen Seiten Widerstand gerührt – und schließlich sei das Vorhaben nicht umgesetzt worden. „Wir haben nicht versucht, uns durchzusetzen“, sagt Schwarzer. „Wir wollten wieder Ruhe reinbringen.“ Trotz dieser Erfahrungen liege ihr das Projekt sehr am Herzen: „Ich will, dass der Dorfladen weitergeht.“

Mangold ist indessen in wirtschaftlicher Hinsicht zufrieden: „Das Geschäft läuft gut.“ Vor allem regionale Produkte würden stark nachgefragt. Heuer werde man voraussichtlich auf einen Jahresumsatz von rund 470 000 Euro kommen, aber noch mit einem „leichten Minus“ abschließen. Dies sei aber am Anfang normal, meint das Gemeinde-Oberhaupt.

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