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Die vorgesehene Stelle: Östlich der Baumreihe und des Gschwandlbachs will der Nebenerwerbslandwirt das Gebäude errichten. 

Landwirtschaft

Stall-Projekt in Grafenaschau: WWA erhebt Einwand

Die Debatte um ein geplantes Stallprojekt in Grafenschau zieht sich. Jetzt hat sich das Wasserwirtschaftsamt zu Wort gemeldet. Die Behörde rät, erst einmal einen Bach auszubauen.

Grafenaschau – Der geplante Stall am Hansltrad in Grafenaschau hat jetzt ein weiteres Mal den Schwaigener Gemeinderat beschäftigt. Diesmal ging es um die Änderung des Flächennutzungsplans sowie des Bebauungs- und Grünordnungsplans für diesen Bereich.

Ein Nebenerwerbslandwirt will dort einen 20 mal 18 Meter großen Stall errichten. Er ist für 20 Tierplätze beziehungsweise rund 15 Großvieheinheiten konzipiert. Etwa acht Mutterkühe sowie rund zwölf Kälber und Rinder verschiedener Altersklassen sollen in dem Bau künftig leben. Der Antrag auf Vorbescheid ist bereits genehmigt – bei einem Bauprojekt eigentlich die halbe Miete. 

Der eigentliche Bauantrag liegt mittlerweile seit gut anderthalb Jahren beim Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. Genehmigt ist er noch nicht, da die Kommune Schwaigen ihr Plazet verweigert hat. „Darüber hinaus hat die Gemeinde die Änderung und Erweiterung eines rechtsverbindlichen Bebauungsplanes beschlossen und eine Veränderungssperre erlassen“, teilt Stephan Scharf mit, Pressesprecher der Kreisbehörde. Der geplante Standort befindet sich innerhalb der Veränderungssperre.

Im Rahmen des Verfahrens gab das Wasserwirtschaftsamt (WWA) eine Stellungnahme ab. Ob sie Folgen haben wird, muss sich zeigen. Abteilungsleiter Johannes Riedl empfiehlt, dass vor der Errichtung des Stalls erst der Gschwandlbach ausgebaut werden sollte. „Oder man rückt den Stall an eine andere Stelle.“ Und zwar an einen Platz, der bei einem Hochwasser, das in hundert Jahren einmal vorkommt, nicht überschwemmt wird. Der Gschwandlbach hatte voriges Jahr Probleme bereitet, er trat über die Ufer. „Der Ausbau ist keine größere Geschichte“, sagt Riedl. „Das haben wir auf der Liste.“ 

Die Darstellung des Landratsamts weicht davon ab. Das WWA „hat bezüglich des Stallbaus dahingehend Stellung genommen, dass eine Hochwassergefährdung nicht gänzlich auszuschließen, aber an der betroffenen Stelle nicht sehr wahrscheinlich sei“, erklärt Kreisbehörden-Sprecher Scharf. Was ein mögliches Schadenspotential betrifft, werde der Stall seitens des WWA „als nicht sehr kritisch angesehen, weshalb aus wasserwirtschaftlicher Sicht das Bauvorhaben nicht zurückgestellt werden müsse. Ergänzende Auflagen wurden als nicht erforderlich angesehen“. Es steht noch ein Ortstermin aus. „Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir davon aus, dass wasserwirtschaftliche Belange dem Bauvorhaben wohl nicht entgegenstehen“, sagt Scharf. 

Der Gemeinde Schwaigen wäre jedenfalls ein anderer Standort deutlich lieber. Nach den Worten von Bürgermeister Hubert Mangold (parteifrei) geht es an der vorgesehenen Stelle eng her. „Und es gibt keine Erweiterungsmöglichkeit.“ Außerdem werde ein Biotop angetastet. „Wir wollen den Stall ausgesteckt haben, damit man sich vorstellen kann, wie das aussieht“, betont der Rathauschef. Das Ausstecken verlange das Landratsamt sonst „bei jeder Hundehütte“.

Anwohner hatten voriges Jahr massive Beschwerden vorgebracht. Der Grund: Sie fürchten die Geruchsentwicklung. Nach aktuellem Stand muss die nächstgelegene emissionsrelevante Stallaußenwand einen Abstand von wenigstens 23 Meter zur nördlichen Wohnbebauung einhalten. Diese Vorgabe „wird durch die eingereichte Planung eingehalten, da der Stall durch das Dach entlüftet wird“, sagt Scharf. Die Fenster in Richtung der nördlich angrenzenden Wohnhäuser „sind nicht zu öffnen“.

Roland Lory

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