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Maschine im Einsatz: Mit einem Radbagger mit Harvester-Aggregat werden die Stämme zugeschnitten. 

“Kleiner Murentourismus“ hat sich entwickelt

Hangrutsch bei Grafenaschau ist der größte Bayerns

Es ist ein Bild der Zerstörung: Nach dem Hangrutsch in Grafenaschau liegen Gestein und Bäume verstreut herum. Jetzt gehen die Arbeiten dort weiter.

Grafenaschau– Der Forstbetrieb Oberammergau will dem Borkenkäfer keine Angriffsfläche bieten. Daher lassen die Verantwortlichen derzeit an den Rändern der größten Hangrutschung Bayerns am Hechendorfer Berg bei Grafenaschau Fichten schlagen. „Außerdem müssen wir im überschlammten Bereich auch viele Bäume ernten, die durch den Luftabschluss einzugehen drohen“, sagt der Stellvertretende Forstbetriebsleiter Richard Baur.

Ortstermin: Richard Baur (r.) und Matthias Kremenetzky verschaffen sich einen Eindruck von den Arbeiten.

Dem Betrachter bietet sich an dem Berg nach wie vor ein Bild der Zerstörung. Erdreich, Gestein und Bäume liegen auf dem Areal kreuz und quer herum. Doch es tut sich etwas. Nachdem der Forstbetrieb bereits im vergangenen Jahr einiges an Holz herausholte, werden jetzt wegen der drohenden Borkenkäfergefahr die Arbeiten fortgesetzt. „4100 Festmeter werden aufgearbeitet“, sagt Baur. Mitte April fing man damit an. „Wir werden schon noch vier Wochen damit beschäftigt sein“, kündigt Forstwirtschaftsmeister Matthias Kremenetzky an, der als Einsatzleiter bei dem Holzeinschlag fungiert. Dabei verwendet die Oberstdorfer Firma Alt schweres Gerät: Zum einen ist das ein mobiler Seilkran mit einer Reichweite von 700 Metern, zum anderen ein Radbagger mit Harvester-Aggregat. Mit dessen Hilfe werden Fichten vor Ort zugeschnitten. Die vier Meter langen Abschnitte verkauft der Forstbetrieb ebenso wie Hackschnitzel.

Die durch den Hangrutsch entstandenen Waldverluste gehen nach Baurs Angaben in die hunderttausende Euro. 21 Hektar seien offene Rutschfläche, 22 Hektar in Bewegung und 15 Hektar übermurt mit Geröll und Schlamm. Der Vize-Forstbetriebsleiter warnt die Bevölkerung davor, das Gebiet zu betreten. „Man sollte einen gehörigen Sicherheitsabstand einhalten. Das schaut weniger gefährlich aus als es ist.“ Seines Wissens hat sich ein „kleiner Murentourismus“ entwickelt. Der neu gebaute Weg sei von der Rutschung nicht betroffen, ergänzt Baur. „Den Verbindungsweg nach Schwaigen haben wir dagegen aufgegeben. Den können wir abschreiben.“

Gemeindeverbindungsstraße wichtig für Notfallversorgung

Apropos Straßen: Überlegungen, die von der Rutschung bedrohte Gemeindeverbindungsstrecke nach Schwaigen ein Stück weit ins Moos zu verlegen, betrachtet das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen kritisch. „Vorbehaltlich einer genaueren Prüfung sehen wir für ein solches Projekt keine oder nur eine geringe Realisierungschance“, sagt Stephan Scharf, Sprecher der Kreisbehörde. Und weiter: „Unabhängig von der Frage, ob der Eingriff in die Natur überhaupt mit dem geltenden Recht vereinbart werden könnte, wäre schon der Nutzen fraglich, darüber hinaus wäre mit hohen Kosten und aufgrund des Moorbodens mit erheblichen bautechnischen Problemen zu rechnen.“ Wobei man im Landratsamt den Verlegungs-Gedanken nur vom „Hören-Sagen“ kenne. „Soweit wir informiert wurden“, sei das „keine ernsthaft verfolgte Idee“, teilt Scharf mit.

Hubert Mangold (parteifrei), Bürgermeister der Gemeinde Schwaigen, hebt die Bedeutung der Gemeindeverbindungsstraße hervor. So sei die Route für den Tourismus wichtig, aber auch in der Notfallversorgung. Außerdem dient sie bei Hochwasser als Ausweichstrecke. Wie berichtet, hadert die Kommune mit der Haltung der bayerischen Staatsregierung. Diese würde in Sachen Hangrutschung die konzeptionelle Planung bezuschussen. Mit dieser sollen konkrete Schritte und verschiedene Alternativen zum Schutz der Straße entwickelt werden. Die Gemeinde müsste diese Expertise in Auftrag geben. Mangold behagt diese Vorgehensweise nicht. Mittlerweile hat sich die Kommune Rat beim Bayerischen Gemeindetag geholt. Dieser ist Mangold zufolge der Meinung, dass der Freistaat die Arbeit erledigen müsste und nicht die Gemeinde. „Der Staatsgrund ist in Bewegung“, betont der Rathauschef. Demnächst soll in der Causa im bayerischen Umweltministerium eine Besprechung stattfinden.

Roland Lory

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