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Immer wieder in Bewegung sind Teilbereiche der Riesenmure am Hechendorfer Berg. Schwaigens Bürgermeister Hubert Mangold kennt das betroffene Gebiet – er lehnt den Vorschlag der staatlichen Stellen ab.

Gibt es bald eine Lösung?

Mure am Hechendorfer Berg: Hubert Mangold ist gegen den Münchner Weg

Nach Abgang der Riesenmure vor zwei Jahren am Hechendorfer Berg gibt es immer noch kein schlüssiges Konzept. Eines stellt das Bayerische Umweltministerium in München in Aussicht. Doch das hat einen Haken. 

Schwaigen-Grafenaschau – Der Wirtschaftsweg am Hechendorfer Berg nahe Grafenaschau ist schmal, teilweise auch sehr steil. Beherzt greift Bürgermeister Hubert Mangold (parteilos) bei den engen Kurven, die fast an eine Achterbahn erinnern, ins Lenkrad seines Allradwagens. Seitlich des Fahrwegs fällt das Gelände schroff nach unten ab – nichts für schwache Nerven. Doch Mangold kennt die Strecke wie seine Westentasche.

Rund 60 Hektar Fläche sind von der Riesenmure betroffen - der finanzielle Schaden ist noch nicht absehbar

Plötzlich stoppt er sein Fahrzeug – riesige Geröllmassen, zersplitterte Fichtenstämme und mächtige Wurzelstöcke machen ein weiteres Fortkommen unmöglich. „Da ist früher einmal der Weg weiter gegangen“, sagt Mangold. Doch seitdem im Sommer 2015 nach tagelangen Regenfällen ein großer Hangrutsch an dem Berg abging, ist alles anders. Rund 60 Hektar Fläche sind inzwischen von der Riesenmure – vermutlich die gewaltigste in ganz Mitteleuropa, wie man schätzt – betroffen, viele tausend Festmeter Holz aus privatem Besitz schlummern unter den Gesteinsmassen, der finanzielle Schaden ist noch gar nicht absehbar. „Der größte Teil der Mure ist derzeit nicht in Bewegung“, erklärt der Gemeindechef. „Aber es gibt mittendrin immer wieder kleine Rutschungen“, sagt er und zeigt auf eine Stelle, an der erst noch vor wenigen Wochen Felsbrocken von der Größe eines Kleinwagens heruntergeschwemmt wurden, wie das Video eines Hobbyfilmers beweist, das der Gemeindekanzlei vorliegt.

75 Prozent werden bei dem Konzept vom Staat bezuschusst - das Ganze hat jedoch einen Haken

Über die Bewegungen der graubraunen Schlammlawine führt im Übrigen das Landesamt für Umwelt in Augsburg genauestens Buch, wofür auch eine Drohne eingesetzt wurde. Zudem wurden mittels Spezialmaschinen rund 5000 Festmeter liegendes Holz aus dem betroffenen Gebiet entfernt – nicht zuletzt, um den Befall durch den Borkenkäfer zu vermeiden. „Am 21. Juni diesen Jahres hatten wir zum Thema Mure eine Besprechung mit allen Beteiligten im Bayerischen Umweltministerium“, so Mangold weiter. „Dabei ging es um ein Maßnahmenkonzept, bei dem wir ein Planungsbüro beauftragen müssten, das sonst für das Wasserwirtschaftsamt Weilheim tätig ist. 75 Prozent der Arbeiten würden vom Staat bezuschusst“. Allerdings hat das Ganze einen Haken: „Wenn wir als Gemeinde den Auftrag dafür vergeben, sind wir von da an für die Mure verantwortlich – egal, was weiter passiert. Deshalb werden wir das definitiv nicht tun“, meint Hubert Mangold entschlossen. „Ohnehin ist es sinnlos, in dem steilen, dicht bewaldeten Berghang zu versuchen, zum Beispiel mit Gräben oder Mauern die Mure aufzuhalten“.

Die Kommune will nun eigenes Konzept vorlegen - ein weitaus kostengünstigeres

Inzwischen hat die Kommune den Eschenloher Architekten Anton Schönach (der auch gegenwärtig den Grafenaschauer Dorfladen plant) beauftragt, ein eigenes, vermutlich weitaus kostengünstigeres Maßnahmenkonzept zu erarbeiten. Gedacht ist an zwei größere Sandfänge an der Gemeindeverbindungsstraße von Grafenaschau nach Schwaigen, die wir immer wieder ausräumen können, um die Fahrbahn vor angeschwemmten Lehm zu schützen.

Weiter vorgesehen wäre der Einbau von mindestens vier Wasserdurchlässen, und die Ausbaggerung von Gräben. Zumal die Fahrbahn bereits mehrmals von der Mure mit Lehm verschüttet wurde. Eine eventuelle Verlegung der Straße in Richtung Osten, wie sie derzeit in der Gemeinde diskutiert wird, ist nach dem Dafürhalten des Bürgermeisters wenig sinnvoll, zumal sich die Mure seit einem Jahr in diesem Bereich nicht bewegt habe. Außerdem würde die Straße dann durchs Naturschutzgebiet „Murnauer Moos“ führen. Ein solches Vorhaben wird auch vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen kritisch beurteilt: „Vorbehaltlich einer genaueren Prüfung sehen wir für ein solches Projekt keine oder kaum eine Realisierungschance“, erklärte Pressesprecher Stephan Scharf auf Tagblatt-Nachfrage. In Kürze, so Mangold, werde im Bayerischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eine weitere Zusammenkunft zur Mure stattfinden, wofür aber noch kein Termin feststehe. Das Thema wird die Betroffenen wohl noch lange beschäftigen.

Heino Herpen

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