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Kampf gegen die Naturgewalten

Knapp an der Katastrophe vorbei: Starkregen und Hagel wüten in Teilen des Landkreises

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    Manuela Schauer
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Vollgelaufene Keller, verstopfte Gulli und überschwemmte Straßen: Starkregen und Hagel haben am späten Sonntagnachmittag in Teilen des Landkreises mächtig gewütet. Ein Ort bekam die Naturgewalten besonders zu spüren.

Landkreis – Grafenaschau, sagt Kreisbrandinspektor Herbert Maurus aus Murnau, „stand kurz vor einer Katastrophe“. Hätte es noch etwas länger geregnet am späten Sonntagnachmittag, „wären Schäden ganz anderen Ausmaßes aufgetreten“. Doch das, was der Starkregen in dem kleinen Dorf sowie im Umfeld angerichtet hat, war schlimm genug. In mindestens einem halben Dutzend Häusern stand im Keller einige Zentimeter hoch das Wasser, vor allem die Bereiche Hansltrad, Birkenallee und Aschauer Straße waren betroffen. „Bei ein paar weiteren Gebäuden war es außerdem richtig knapp“, erklärt Bürgermeister Hubert Mangold. „Sie konnten gerade noch mit Sandsäcken gesichert werden.“ Zurück blieben allerdings mit Geröll überhäufte sowie beschädigte Straßen und Wege, demoliertes Keller-Inventar, verstopfte Gräben und Rohre sowie nach Kenntnissen von Maurus mindestens eine Wohnung im Untergeschoss, bei der nun eine Sanierung nötig sein könnte. Das einzig Positive: Menschen und Tiere kamen nicht zu Schaden.

Über Grafenaschau und dem Hörnle hatte sich zwischen 17 und 18 Uhr eine örtlich sehr begrenzte, aber zerstörerische Starkregenzelle entladen. 59 Liter Regen seien innerhalb der einen Stunde pro Quadratmeter gefallen, sagt Maurus – wobei das Wasser 30 Minuten lang in atemberaubender Geschwindigkeit stieg und sich dann ebenso rasch wieder zurückzog und in Richtung Moos abfloss. „Der Gschwandlbach ist übergegangen, das war unser Hauptproblem“, sagt Mangold. Massen an Wasser, Geröll und umgerissenen Bäumen wälzten sich vor allem zwischen Hechendorfer und Aschauer Berg unkontrolliert in Richtung Tal, verstopften Durchlässe sowie Rohre. Dies trug dazu bei, dass weitere kleine Bäche zu reißenden Fluten wurden und über die Ufer traten. Oberflächenwasser riss kurzzeitig vieles mit sich, sorgte für Überschwemmung und Zerstörung. In Grafenaschau vermochten die Regenwasserkanäle die Mengen nicht mehr zu schlucken, es drückte Gullydeckel nach oben. Die Verbindungsstraße zwischen dem Dorf und Schwaigen war nach Angaben von Einsatzleiter Maurus bis zu einem halben Meter hoch mit Geröll bedeckt.

Teilweise wurden die Helfer beschimpft

Die Feuerwehren Grafenaschau und Murnau waren mit 48 Kräften im Einsatz, Partenkirchen lieferte zusätzlich Sandsäcke. Die Ehrenamtlichen pumpten Keller aus, sorgten für Sicherungsmaßnahmen, reinigten Kanalschächte und legten Wassereinläufe sowie Rohre frei. Am Pfingstmontag liefen die Aufräumarbeiten weiter, die Gemeinde hatte für schweres Gerät gesorgt. Gegen Mittag sollte die Verbindungsstraße zwischen Eschenlohe und Grafenaschau wieder passierbar sein. Dicht gemacht wurde wegen Überspülungen auch die landwirtschaftliche Straße von Bad Kohlgrub nach Grafenaschau – ab der Kläranlage. Ärger erregten jede Menge Radler, die Sperrungen an mehreren beliebten Routen einfach missachteten, Aufräumarbeiten behinderten und teilweise sogar Helfer beschimpften. „Nächstes Mal“, kündigt der Bürgermeister an, „wird es nicht mehr ohne Polizei gehen“.

Mit Niederschlägen anderer Art hatten die Isartaler Orte Wallgau und Krün – zwischen Barmsee und Krepelschrofen – zu kämpfen. Gegen 17.40 Uhr setzte heftiger Hagel ein. Innerhalb von 20 Minuten waren Straßen, Gärten und Felder bedeckt von den wachteleigroßen Eiskörnern. Die B2 musste im Bereich der „Spinne“ gesperrt werden. „Dort lagen etwa 15 Zentimeter Hagel auf der Straße“, schildert Florian Simon, Kommandant der Feuerwehr Krün. Vier Einsatzwagen, Bauhoffahrzeuge und Schneepflug rückten aus, um den Weg wieder frei für den Verkehr zu machen.

Überschwemmungen auf der Mittenwalder Straße

Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Mann aus Simmern bereits einen Unfall verursacht. Der 78-Jährige fuhr mit seinem Pkw die B11 in Richtung Mittenwald. Aufgrund der widrigen Straßenverhältnisse konnte er nicht mehr rechtzeitig bremsen und krachte auf zwei Autos, die zum Schutz in der Unterführung abgestellt waren. Ein Bernrieder (55) erlitt leichte Verletzungen. Den Schaden beziffert die Polizei auf 25 000 Euro.

Noch mehr Hagel bekam der Krüner Dorfplatz ab. Eine 30-Zentimeter-Schicht. Schnell verstopften die Gullis. „Das war echt krass“, sagt Simon. Und blieb nicht folgenlos. Das Wasser der schmelzenden Eis-Bälle lief nicht mehr ab. Land unter. Die Fahrbahn bei Krün Süd, der Dorfplatz und die Mittenwalder Straße in Wallgau – überschwemmt. Sie wurden nach Auskunft der Polizei gesperrt. Letztere bis etwa 19.30 Uhr. Eine neuralgische Stelle bei Unwettern. Im Bereich der Apotheke „ist der tiefste Punkt“, erklärt Hubert Sprenger. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Wallgauer Wehr öffnete der Zugführer die Gullideckel, steckte einen Saugschlauch rein und pumpte den Ablauf frei. Reine Routine. Als dramatisch stuft er das Unwetter nicht ein. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Nach rund einer Stunde war der Einsatz beendet, für die Nachbarn gegen 20.30 Uhr. „Jetzt muss man schauen, wie die Natur das verkraftet hat.“

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