Zwei infizierte Familien

Inzidenz bei über 2100: Mini-Gemeinde in Oberbayern plötzlich im Corona-Fokus

  • Silke Reinbold-Jandretzki
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In Schwaigen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liegt die Corona-Inzidenz derzeit bei 2100. Die 605-Seelen-Gemeinde ist quasi ein Hotspot - mit grade mal 13 Infizierten.

Schwaigen – Die kleinste Gemeinde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen sorgt aktuell für die größten Probleme: In Schwaigen ballen sich die Coronavirus-Fälle. 11 wurden allein am Wochenende neu gemeldet, 13 Menschen sind insgesamt infiziert. Hinter dem Ausbruch stehen offenbar vor allem zwei Familien, die Kontakt zueinander hatten. Schwaigens 7-Tage-Inzidenz liegt bei über 2100.

Vor Wochen noch blickte der Landkreis gen Süden, auf die damals angespannte Corona-Lage im Isartal – nun richtet sich der Fokus auf den Norden, genauer: auf Schwaigen. Mit 605 Einwohnern (Stand Ende 2020) ist das Dorf die kleinste Kommune im Kreis. Sie zieht indes große Aufmerksamkeit auf sich, weil die Corona-Zahlen deutlich in die Höhe schossen: 13 Infizierte wurden innerhalb einer Woche offiziell nachgewiesen; das Gros, nämlich 11, lief am Wochenende auf. Diese zuletzt positiv Getesteten gehören einem Cluster an: zwei Familien, die nach Angaben von Landratsamtssprecher Stephan Scharf gemeinsam Feldarbeit verrichtet hatten.

Schwaigen: Inzidenz erreicht übers Wochenende schwindelerregende Höhen

13 Corona-Infizierte – eigentlich eine überschaubare Menge. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl kommt der Anstieg einer Explosion gleich. Errechnet man eine 7-Tage-Inzidenz nur für Schwaigen/Grafenaschau, erreicht sie schwindelerregende Höhen: Sie lag am Sonntag bei über 2100.

Bürgermeister von Schwaigen beklagt: In kleinen Dörfern reichen wenige Corona-Fälle für hohe Inzidenz

Bürgermeister Hubert Mangold macht keinen Hehl daraus, dass er gerne verzichten würde auf die Beachtung, die sein Dorf dadurch erfährt – er sieht es unversehens am Corona-Pranger. „Man muss das im Verhältnis betrachten: Ein kleiner Ort ist gleich sehr stark betroffen und sticht heraus, da machen zwei Familien viel aus“, sagt Mangold – in seinen Augen mit der Folge, dass „alle mit dem Finger auf einen zeigen“. Dabei lag die Zahl der Infizierten im Ort „wochenlang bei null – und wir haben wirklich viel getestet“. An Donnerstagnachmittagen stehen dafür BRK-Vertreter im Dorfladen bereit. Mangold nennt die Resonanz der Bevölkerung auf das Angebot „einmalig. Die Leute nehmen das super an“.

Schwaigens Gemeinde-Kita: 13 Kinder und eine Betreuerin in Quarantäne

Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt. Die aktuell Infizierten – darunter finden sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene – wurden in Isolierung geschickt. Mangold zeigte sich erleichtert, als er erfuhr, dass alle Infizierten bisher keine oder nur leichte Symptome wie Halskratzen und Geschmacksverlust verspüren. Parallel lief im Gesundheitsamt die übliche Maschinerie an, um eine weitere Ausbreitung des Virus’ zu verhindern. Scharf deutet an, dass hier offenbar jemand Sand ins Getriebe zu streuen versuchte: Man sei dabei, Kontaktpersonen zu ermitteln, „doch das stellt sich etwas schwierig dar“. Dies hänge „damit zusammen, ob die Betroffenen Auskunft geben oder nicht“. Klar sind die Auswirkungen des Ausbruchs auf die Gemeinde-Kita Breznbeißerbande in Grafenaschau: Seit Sonntag befinden sich 13 der insgesamt 23 Kinder und eine Betreuerin in Quarantäne, die bis 16. Juni gilt. Die Einrichtung blieb nach Angaben Mangolds nur am Montag geschlossen, erstmals überhaupt wegen einer Corona-Infektion. Ab Dienstag läuft der Betrieb wieder mit den Kindern und zwei Mitarbeiterinnen an, die nicht von der Quarantäne-Anordnung betroffen sind. Scharf bestätigt, die Kita müsse nicht komplett geschlossen werden.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen: In der Vergangenheit nur einzelne Corona-Fälle in Schwaigen

Generell ist Schwaigen bis vor wenigen Tagen nicht auffallend schlecht durch die Corona-Zeit gekommen. „Es gab nur hier und da mal einen Fall“, sagt Scharf. Insgesamt 33 einst Infizierte gelten als gesund, dazu kommen die 13 aktuell Positiven. Spatzenhausen (rund 750 Einwohner) weise 33 Genesene auf, sagt Scharf, das gleich große Ettal 56; in beiden Dörfern gibt es gerade keine aktiven Fälle.

Corona in Schwaigen: Im Alltag macht sich bei vielen „eine gewisse Sorglosigkeit“ breit

Vielerorts lässt sich ein positiver Trend erkennen. Doch Scharf beobachtet im Alltag auch „eine gewisse Sorglosigkeit“. Und: Menschen seien „immer weniger bereit, auch nur minimale Einschränkungen zu akzeptieren“. Widerstand gibt es manches Mal sogar bei einer amtlich angeordneten Isolierung. Man könne nur an die Vernunft der Menschen appellieren, diese Dinge ernst zu nehmen und sich zu vergegenwärtigen, dass man ein Risiko für andere darstelle, „die sich infizieren und schwer erkranken können“. Scharf ruft eine unangenehme Wahrheit ins Bewusstsein, die mancher offenbar gerne verdrängt: „Corona ist nicht weg.“

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Rubriklistenbild: © Andreas Mayr

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