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Verbindet Murnau, Seehausen und Grafenaschau: der Staffelsee-Bus, hier am Bahnhof Murnau.

Debatte um Busverbindung Murnau-Grafenaschau

Wurde Kreistag in die Irre geführt?

Die Gemeinde Schwaigen kämpft schon seit längerem für den Erhalt des Staffelsee-Busses. Unterdessen schmiedet der große Nachbar, die Gemeinde Murnau, eigene Pläne.

Schwaigen/Murnau –Der Schwaigener Bürgermeister Hubert Mangold (parteifrei) hat eine Mission. Er will erreichen, dass der Staffelsee-Bus erhalten bleibt beziehungsweise eine adäquate Ersatzlösung kommt. Zur Erinnerung: Der Kreistag entschied heuer, den Vertrag für den Staffelsee-Bus nicht zu verlängern, der Ziele in Murnau, Seehausen und Grafenaschau ansteuert. Der Grund war das hohe Defizit und die geringe Auslastung. Im Dezember ist Schluss mit dem Bus.

Rathauschef Mangold sowie der Schwaigener Gemeinderat wollen das Aus nicht akzeptieren. „Der Bus darf nicht eingestellt werden“, forderte der Bürgermeister in der Sitzung der Volksvertreter. Das Gremium beschloss, Rechtsmittel gegen die Konzessionserteilung durch die Regierung von Oberbayern an die Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO) vom August 2018 einzulegen, sobald Kostenschutz für die Gemeinde gewährt wird.

Zur Info: Der RVO organisiert den Betrieb des Staffelsee-Busses, wobei ein Subunternehmer im Einsatz ist. Zudem behält es sich die Kommune vor, gegen den Kreistagsbeschluss vom 23. März 2018 Rechtsmittel einzulegen – sofern der Inhalt des Beschlussvorschlags nicht korrekt war, beziehungsweise Ungereimtheiten auftreten.

Mangold ist überzeugt: „Der Kreistag ist in die Irre geführt worden.“ Die Gemeinde will erreichen, dass die Thematik in der Kreistagssitzung in Wallgau am Freitag, 26. Oktober, auf den Tisch kommt. Sie fordert Zusatzfahrten und die Novellierung des Nahverkehrsplanes. Der aktuelle stammt von 2010. „Der ist richtig veraltet“, betonte Mangold. Zudem solle die Zusammenarbeit mit den Nachbarlandkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach genutzt werden, um Kosten einzusparen. „Ich hoffe, dass der Krieg noch nicht verloren ist“, fasste er zusammen.

Auch im Ort will man aktiv werden. Es ist geplant, eine Fragebogenaktion zu organisieren. Diese Bürgerbeteiligung soll bis 15. November dauern. Der Punkt Schülerbeförderung und Öffentlicher Verkehr müssen aus Mangolds Sicht gemeinsam betrachtet werden. In Kreis Garmisch-Partenkirchen sei dies leider nicht der Fall. „Rückwärtsgerichet“ findet er das. Außerdem sei die Zusammenarbeit mit dem RVO nicht transparent. Die Zahl von 4,9 Fahrgästen pro Tag, die das Landratsamt vorlegte, zweifelt der Rathauschef an. Nach seiner Kenntnis sind es deutlich mehr.

Mangold legte sich in den vergangenen Jahren immer wieder ins Zeug, damit die Buslinie optimiert wird. „Aber die haben in drei Jahren nicht eine Verbesserung umgesetzt, und uns wirft man vor, es rechnet sich nicht. Entweder hakt es am Sachgebiet am Landratsamt oder am RVO.“ Anders organisiert, könnte der Bus nach Mangolds Berechnungen mit einem relativ kleinen Defizit betrieben werden. Gut gefallen ihm auch Modelle, wie sie in Freyung („freYfahrt“; Bus holt Kunden in dessen Nähe ab) oder in Tirschenreuth („Baxi“/Kombination aus Bus und Taxi) praktiziert werden.

Unterdessen bewegt sich in Murnau etwas in Sachen Ortsbus. „Derzeit ist der Markt Murnau mit einem Verkehrsplaner in Kontakt, um die ersten Entwürfe zu besprechen“, teilt Pressesprecherin Nina Herweck-Bockhorni mit. Diese sollen noch heuer dem Verkehrsausschuss vorgelegt werden. Der Bus hat die Aufgabe, die Wohngebiete mit wichtigen Punkten im Ort (Zentrum, Unfallklinik, Bahnhof, Seniorenheim) zu verbinden. „Wichtig ist, dass es einen festen Fahrplan gibt, denn die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass der Bus immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort hält“, erklärt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Dieser neue Ortsbus wäre ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Mobilität hier in Murnau. Verbesserte Mobilität durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs bedeutet, neben einer besseren Lebensqualität für alle, weniger Individualverkehr und weniger Belastung der Umwelt, auch mehr Unabhängigkeit.“ Erste Rückmeldungen aus der Mobilitätsbefragung, die derzeit läuft, bestätigen laut Beuting, dass ein Ortsbus ein sehr dringendes Anliegen für die Murnauer ist. Deshalb sollen schon für 2019 die Mittel hierfür in den Haushalt eingestellt werden. „Der Start des Ortsbusses könnte dann im Laufe des Jahres 2019 erfolgen.“

Roland Lory 

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