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Wurde von Münchner Studenten für ein Energie-Forschungsprojekt genau unter die Lupe genommen: Die Gemeinde Schwaigen, hier die Rathaus-Verwaltung mit Kindergarten.

Studenten erstellen Konzept zur Energiewende

Schwaigen als Mustergemeinde

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Das kleine Schwaigen kommt groß raus – zumindest bei einem Forschungsprojekt der Hochschule München. Studenten haben untersucht, wie zumindest die öffentlichen Gebäude energieautark betrieben werden können. Bürgermeister Hubert Mangold ist begeistert.

Schwaigen – Energie ist zweifelsfrei ein großes Zukunftsthema, das auch bei der Entwicklung der Kommunen eine entscheidende Rolle spielt. Im Mittelpunkt steht der Umstieg auf umweltfreundliche Energieformen – und der Einsatz innovativer Technologien. Fünf Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen der Hochschule München gingen jetzt bei einem Projekt unter dem Titel „FutureEnergy“ einer spannenden Frage nach: Sie wollten wissen, wie kleine Gemeinden eine unabhängige Energieversorgung aufbauen können – also selbst ausreichend Wärme und Strom ohne fossile Energieträger erzeugen können.

Als Musterort diente ihnen dabei Schwaigen, das mit etwas über 600 Einwohnern der kleinste Landkreis-Ort ist. Die angehenden Fachleute erarbeiteten ein Konzept für die Gemeinde-Einrichtungen, also für das Rathaus samt Kindergarten, das Mehrzweckgebäude und den geplanten Dorfladen mit der Tourist-Info. Nächste Woche am Donnerstag, 29. Juni, wollen Titan Götz (Elektro- und Informationstechnik), Maximilian Rogers (Energie- und Gebäudetechnik), Marina Waldmann (Bauningenieurwesen), Simon Kozlowski (Energie- und Gebäudetechnik) und Karl Pirker (Bauingenieurwesen) ihre Ergebnisse in der Landeshauptstadt präsentieren. Die zentrale Botschaft ist klar: Die Unabhängigkeit von den Energieriesen wäre machbar, allerdings mit einem gewissen Aufwand. „Unsere Lösung ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und ein Blockheizkraftwerk mit Holzsschnitzel. Die Sonne würde ungefähr zwei Drittel des Bedarfs decken, das Kraftwerk den Rest“, erklärt Pirker. Außerdem machten sich die Studenten Gedanken darüber, wie man überschüssigen Strom speichern kann. Denkbar sind nicht nur Batterien, sondern auch das so genannte Power-to-Gas-Verfahren, das mit Ökostrom ein Brenngas herstellt, aber noch in den Kinderschuhen steckt.

Doch würden sich all diese Investitionen überhaupt rechnen? Prof. Dr. Georg Zollner (Fakultät für Betriebswirtschaft), der zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Christian Schweigler (Versorgungs- und Gebäudetechnik) die Studentengruppe betreut, meint: Ja. „Diese Sachen werden immer wirtschaftlicher“, erklärt er – und die Technik effektiver. Außerdem könne man davon ausgehen, dass der Ölpreis aufgrund des weltweiten Energiehungers zulegt. Daher seien umweltschonende Alternativen erst recht interessant.

Schwaigens Bürgermeister Hubert Mangold ist Feuer und Flamme: „Das ist eine super Sache“, sagt er. Er ist sich sicher: Dezentrale, kleinere Energie-Netzwerke könnten eines Tages im ganzen Dorf entstehen, um auch die Privathaushalte zu bedienen. Dies wäre ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz. Natürlich gelinge dies nicht von heute auf morgen. Mangold: „Die Bürger müssen sensibilisiert werden.“ Der nächste Schritt sei ein Energienutzungsplan, der einen Überblick geben soll über die momentane und zukünftige Versorgungssituation im Ort.

Die in Penzberg ansässige Bürgerstiftung Energiewende Oberland hat Schwaigen für das besagte Forschungsprojekt vermittelt. Die Organisation wurde von Kommunen der vier Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach, von Privatleuten und Unternehmen ins Leben gerufen. Sie ist Ansprechpartner rund um die Themen Energiewende und Klimaschutz. Stefan Drexlmeier, Leiter der Geschäftsstelle, ist überzeugt, dass die Ideen der Studenten in einigen Jahren Standard sein werden: „Das ist die Zukunft.“ in der gesamten Branche sei „eine unglaubliche Dynamik“.

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