Mit Seilbahntechnik befördern Arbeiter einer Oberallgäuer Firma die Stämme zur Forststraße oberhalb von Grafenaschau.
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Mit Seilbahntechnik befördern Arbeiter einer Oberallgäuer Firma die Stämme zur Forststraße. 

Schäden werden beseitigt

Sturmholz muss aus dem Wald: Forstarbeiten im steilen Gelände bei Grafenaschau

  • Roland Lory
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Noch rund zwei Wochen wird am Rißberg oberhalb von Grafenaschau gearbeitet. Fachleute holen Sturmholz aus dem Staatswald.

  • Noch rund zwei Wochen wird am Rißberg oberhalb von Grafenaschau gearbeitet.
  • Fachleute holen Sturmholz aus dem Staatswald.
  • Dabei kommen rund 1200 bis 1300 Festmeter Schadholz zusammen.

Grafenaschau – Beträchtliche Schäden hat ein Föhnsturm im vergangenen November sowie Orkan Sabine im Februar am Rißberg oberhalb von Grafenaschau hinterlassen. Arbeiter sind seit einigen Wochen dabei, das Schadholz im Staatswald aufzuarbeiten. Weil das Gelände sehr steil ist, geschieht dies mit Seilbahntechnik. Das Seil ist 700 Meter lang, der Höhenunterschied beträgt 300 Meter. Den Auftrag bekam eine Firma aus dem Oberallgäu. „Wir brauchen noch circa zwei Wochen“, sagt Revierförster Thomas Meixner vom Forstbetrieb Oberammergau der Bayerischen Staatsforsten.

Für Verwüstungen am Rißberg haben die Stürme im November und Februar gesorgt. 

Mehr Schadholz als vermutet

Die Stürme warfen die Bäume – zu 95 Prozent Fichten – auf etwa 1300 bis 1400 Meter um. In Summe werden rund 1200 bis 1300 Festmeter Schadholz zusammenkommen, glaubt Meixner – deutlich mehr als geschätzt. In anderen Ecken des Reviers wurden bereits 7000 Festmeter Sturmholz aus dem Wald geholt. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter.

Gesunde Bäume nicht vom Borkenkäfer betroffen

Der Borkenkäfer ist natürlich ein Thema. „Doch er ist nicht im gesunden Bestand“, betont der 48-jährige Revierförster. Bei den beschädigten Bäumen wird der Großteil der Borkenkäfer maschinell zerstört, wenn der Harvester die Stämme entastet und entrindet. „Im entrindetem Holz hat der Käfer verloren.“ Der Forstbetrieb Oberammergau hatte in tieferen Lagen mit der Aufarbeitung des Sturmholzes begonnen.

Teile des E4 gesperrt

Informiert über das Projekt: Revierförster Thomas Meixner, dem Praktikantin Silke Böttger zur Seite steht. 

Betroffen von dem Windwurf ist auch der Europäische Fernwanderweg E4 von Grafenaschau in Richtung Rißberg/Hörnle. Er ist auf einer Länge von 500 bis 1000 Metern gesperrt. Bereits kurz nach Grafenaschau steht das erste Schild, das darauf hinweist. Wenn die Forstarbeiten abgeschlossen sind, will Meixner die zuständige Alpenvereinssektion Starnberg informieren. Der Revierförster schätzt, dass dann noch Reparaturen am Steig nötig sein werden. Offiziell freigegeben wird der Wanderweg laut Meixner vom DAV. Es gibt nicht nur Schilder, die auf die Sperrung hinweisen, es stehen an zwei Stellen auch Posten, die Wanderer gegebenenfalls auf die gefährlichen Holzarbeiten aufmerksam machen.

Es besteht Lebensgefahr

Viele kommen nicht vorbei. Die Wenigen, die aufschlagen, seien verständig. In einem Fall war Meixner zufolge allerdings „viel Überzeugungsarbeit“ nötig. Zwei Radler, die aus Richtung Hinteres Hörnle kamen, zeigten sich zunächst uneinsichtig. Sie wollten nach Grafenaschau fahren, mussten dann einen Umweg nehmen. Aber das hat schon seinen Grund. Schließlich besteht höchste Lebensgefahr durch herabrollende Steine, lose Stämme, die unvorhersehbar in Bewegung geraten können, durch die Fällung geschädigter aber noch stehender Bäume und durch den Seilbahnbetrieb. Es gibt aber eine Umgehungsmöglichkeit: die Wanderung von Grafenaschau über die „Drei Marken“ und dann weiter Richtung Hörnle oder Aufacker.

Holzpreis im Keller

Reich wird der Forstbetrieb mit dem Sturmholz übrigens nicht werden. Die Holzpreise sind ziemlich im Keller. Meixner schätzt, dass 60 Euro pro Festmeter für bessere Qualität erlöst werden kann. Die Ware kommt als Bauholz, Palettenholz oder Energierundholz auf den Markt. Nächstes Jahr wird am Rißberg aufgeforstet – mit Fichten, Tannen, Buchen und Lärchen.

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