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Wer ist Anlieger und wer nicht? Bürger wehren sich gegen „Verkehrsverstöße“ auf der Straße Grafenaschau-Eschenlohe

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Von: Alexander Kraus

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Um diese Strecke geht‘s: die Gemeindeverbindungsstraße Grafenaschau-Eschenlohe.
Um diese Strecke geht‘s: die Gemeindeverbindungsstraße Grafenaschau-Eschenlohe. © Herpen-Archiv

Die Strecke Grafenaschau-Eschenlohe ist immer wieder mal Thema. Jetzt wehren sich Bürger gegen „Verkehrsverstöße“ auf der Straße.

Schwaigen/Eschenlohe – Mehrere Bußgeldbescheide sind bei Anliegern in Grafenaschau ins Haus geflattert. So erging es auch dem Enkel von Georg Müller, dem vorgeworfen wird, dass er die für Kraftfahrzeuge gesperrte Verbindungsstraße zwischen Grafenaschau und Eschenlohe mit dem Auto befahren hat. Die Zentrale Bußgeldstelle des Bayerischen Polizeiverwaltungsamts gibt in einem Schreiben bekannt, dass die Strecke nur Anlieger benutzen dürfen. Eine Streife hatte den Vorfall beobachtet und weitergegeben – der Enkel wurde aufgefordert, 50 Euro zu zahlen.

Der Fall ist knifflig: Müllers Enkel ist Grundstücksbesitzer in Grafenaschau und wollte seine im Ort wohnenden Großeltern besuchen. Dazu verwendete er die acht Kilometer lange asphaltierte Strecke zwischen den beiden Ortschaften. „An beiden Straßenanfängen steht das „Anlieger frei‘-Schild“, sagt Müller. Das Polizeiverwaltungsamt definiert das jedoch anders. Zwar sei das Flurstück des Enkels innerhalb von Grafenaschau verortet, die für Kraftfahrzeuge gesperrte Straße liege hinter der Ortschaft. „Somit befinden sich die Grundstücke nicht im Bereich der Anliegerstraße“, heißt es in dem Brief.

Einspruch eingelegt

Der Enkel hat gegen den Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt – ohne Erfolg. Müller ist entsetzt. „Das ist eine bodenlose Frechheit“, entfährt es dem ehemaligen Gemeinderat von Schwaigen. Dabei sei sein Enkel nicht der einzige, der einen Bescheid der Zentralen Bußgeldstelle erhalten hat. Das bestätigt Hubert Mangold (UVV). „Kein Einzelfall, mehrere haben bezahlt“, weiß der Bürgermeister der Gemeinde Schwaigen. Die Polizeikontrollen seien durch ortsfremde Kräfte während des G7-Gipfels erfolgt. „Die haben Langeweile gehabt“, vermutet Mangold. Dagegen kann Müller nicht verstehen, dass laut Behörde nur derjenige Anlieger ist, dessen Grund direkt an die Straße angrenzt. „Das heißt, dass 90 Prozent der Grafenausschauer Bürger nicht berechtigt sind, auf dieser Straße zu fahren.“

Seine Forderung an die Gemeinde: Sie solle festlegen, dass alle Ortsbewohner als Anlieger zu behandeln sind. Denn: Die Strecke befinde sich zu 80 Prozent auf Flur des Dorfes. Darüber hinaus müssten Bewohner aus Schwaigen oder Grafenaschau einen mehrere Kilometer langen Umweg über Murnau machen, um nach Eschenlohe oder Ohlstadt zu gelangen. Gleiches gilt für Verkehrsteilnehmer, die nach Garmisch-Partenkirchen wollen, diese müssen über Bad Kohlgrub und den Ettaler Berg fahren. „Jeder Grafenaschauer schimpft. Wir sind halb eingesperrt“, moniert Müller.

PI-Chef Loys Dementi

Rathauschef Mangold kann das Vorgehen der Behörde auch nicht verstehen. „Wir finanzieren ja die Verbindungsstraße“, sagt er – und spricht davon, dass die Strecke „ein Dauerbrenner“ sei. Vor zwei Jahren dachte Mangold laut über eine Maut nach. Die Bußgeldbescheide würden an die Polizei weitergegeben, denn: Es gebe seit einiger Zeit eine mündliche Absprache zwischen der Gemeinde und der Polizeiinspektion (PI) Murnau, dass die Grafenaschauer und Eschenloher die Verbindungsstraße befahren dürfen. Joachim Loy, Chef der PI Murnau, will jedoch von einem Freifahrtschein nichts wissen. Er bestätigt lediglich, dass die Verfolgung dieser Verkehrsverstöße von Bürgern aus den beiden Orten bei der Polizei nicht Priorität eins habe. Loy verweist aber darauf, dass generell die Verkehrsbeschränkung zu beachten sei.

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