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Gibt die Richtung vor: Bürgermeister Adolf Hornsteiner.

Mittenwalder Bürgermeister bezieht Stellung

Interview: Schwimmbad momentan nicht möglich

Mittenwald - 2016 – für Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ein Seuchenjahr. Nichts will so recht vorwärts gehen. Im folgenden Interview spricht er Klartext.

2016 scheint ja für den Mittenwalder Bürgermeister ein Seuchenjahr zu sein. Wie fühlt man sich da?

Adolf Hornsteiner: Den Begriff Seuchenjahr kann man durchaus so stehen lassen. Zunächst ist man enttäuscht – beispielsweise beim gescheiterten Hotel-Projekt. Ein Rückschlag, keine Frage. Das durfte ich so noch nicht erleben. Das arbeitet natürlich alles in mir. Doch ich bin ein Mensch für den zählt: Mund abputzen und weitermachen! Mittlerweile kann ich auch ganz gut mit Rückschlägen umgehen. Das habe ich lernen müssen. Also, zweiter Versuch.

Haben Sie seit der Absage noch Kontakt zu ihren ehemaligen Hotelpartnern – den Berrendorfs?

Hornsteiner: Den letzten Kontakt hat es am Mittwoch, 28. September, gegeben. An diesem Tag teilte ich den Berrendorfs in Berlin per Telefon unseren Gemeinderats-Beschluss mit.

Wann wird die Causa Berrendorf abgeschlossen sein, und wann kann sich die Gemeinde in Sachen Hotel-Projekt wieder neuen Bewerbern öffnen?

Hornsteiner: Mit Auslaufen der vereinbarten Frist (Anm. d. Red.: 28. September) ist der sogenannte Angebotsvertrag ersatzlos ausgelaufen. Von daher kann die Gemeinde sofort weitere Überlegungen anstellen.

Glauben Sie, dass es mit diesem Hotel-Projekt noch jemals was wird?

Hornsteiner: Wenn ich nicht daran glauben würde, dann hätte ich nicht vor acht Jahren den Gemeinderat gebeten, entsprechende Beschlüsse in dieser Richtung voranzutreiben. Das gerät immer ein bisschen in den Hintergrund. Natürlich stehe ich hinter dem Hotel-Projekt – das ist schon ein Pfund, ein Meilenstein für einen Ort wie Mittenwald, dass er ein Grundstück hat, das letztlich für ein solches Vorhaben sofort zur Verfügung steht. Das sei an dieser Stelle auch mal erlaubt festzustellen: Das hat es vorher nicht gegeben.

Trotz einer historischen Niedrigzins-Phase scheint es den Hotelplanern nicht gelungen zu sein, Investoren beziehungsweise Betreiber zu finden. Macht einen das als Bürgermeister nicht nachdenklich? Ist das Konzept vielleicht doch das Falsche?

Hornsteiner: Das scheint der Punkt zu sein. Das gedachte Konzept mit Hotel, integriertem Veranstaltungssaal und Schwimmbad ist leider gescheitert. Es würde aus meiner Sicht wenig Sinn machen, es in einem zweiten Anlauf erneut zu versuchen. Wir haben zweifelsfrei einen Nachholbedarf in der gehobenen Hotellerie. Daher sollten wir unseren Fokus darauf ausrichten, einen Interessenten zu finden, der ein Haus dieser Kategorie realisieren kann und möchte.

Heikles Thema: Schwimmbad. Drei Wochen vor der geplanten Schließung des Karwendelbads regt sich der Bürger-Groll. Wie lebt es sich so als Totengräber?

Hornsteiner: Man muss das Thema nüchtern und sachlich bewerten. Der Gemeinderat hat im September 2015 einen sehr weitreichenden Beschluss gefasst – in öffentlicher Sitzung. Das möchte ich hier auch betonen. Klares Votum: Wir schließen das Schwimmbad zum 6. November 2016. In der Beschlussgrundlage steht explizit drin, dass ein Ersatzbau nur möglich ist, wenn parallel dazu das gegenüberliegende Hotel-Grundstück verkauft worden ist. Das wurde auch kommuniziert. Logisch. Schließlich gehört es nicht zu den schönsten und populärsten Aufgaben eines Bürgermeisters, ein Hallenbad zu schließen. Aber ich sage noch einmal: Erst wenn eine solide Finanzierung gesichert ist, können wir meiner Meinung nach über einen Ersatzbau reden.

Da sieht es momentan ja nicht danach aus, oder?

Hornsteiner: Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es momentan nicht möglich ist, unter den zuvor geschilderten Voraussetzungen ein Schwimmbad zu realisieren. Stand jetzt haben wir eine Deckungslücke von fünf Millionen Euro.

Also bei nüchterner Analyse heißt es: Mittenwald kann sich derzeit kein Schwimmbad leisten.

Hornsteiner: So ist es. Zumal Mittenwald wirtschaftlich nicht so gut da steht, wie viele meinen. Von der Steuerkraft liegen wir bayernweit am unteren Ende. Wir könnten alles auf eine Karte setzen und ein solches Projekt trotzdem stemmen, aber nur wenn wir alle anderen Notwendigkeiten außer Betracht lassen.

Christof Schnürer

Das ganze Interview lesen Sie in der Print-Ausgabe

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