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An Fronleichnam über den Staffelsee: Mehrere tausend Menschen nahmen an der Prozession teil.

Religion tief verwurzelt

See-Prozession: An Fronleichnam übers Wasser

Seehausen – „Der Herrgott muss ein Bayer sein“, meinte ein junger Mann aus Hamburg, der seinen Urlaub am Staffelsee verbringt. Von der Fronleichnams-Prozession hatte er am Rande erfahren und war restlos begeistert.

Einige Tausend Besucher waren gestern ans Seehauser Ufer gepilgert und verfolgten die in Bayern einzigartige See-Prozession. Schon kurz vor fünf Uhr morgens war halb Seehausen auf den Beinen. Im ganzen Dorf wurden die letzten Vorbereitungen auf die bevorstehende Fronleichnams-Prozession getroffen. Die Mädchen und Frauen kümmerten sich um die wunderbaren Blumenaltäre, die auf der Straße und auf einigen Grünflächen zu finden waren. Die Männer und die Burschen verzierten die Häuser mit jungen Birkenstämmen und bedeckten die Straße mit frischem Gras.

Auf diesem grünen Teppich begab sich der Prozessionszug von der Kirche St. Michael Richtung See, wo Pfarrer Robert Walter unter dem Himmel die Monstranz auf das Boot brachte. Nach einem Zwischenstopp vor der kleinen Jakobsinsel ging es weiter zur Wörth. Dort gab es einen schier nicht enden wollenden Zug der Gläubigen hinauf zur kleinen Kapelle.

Pfarrer Walter betonte, dass es sich bei dieser Prozession keineswegs um Folklore handeln würde, mit der man die Touristen unterhalten wolle. „Gerade in Seehausen zeigt sich, dass die Religion noch tief verwurzelt ist“, bekräftigte Walter. Die Prozession erreichte schließlich wieder das Ufer und bewegte sich zur Musik der Seehauser Blaskapelle zurück Richtung Kirche.

Es war ein großes Fest, zumal im vergangenen Jahr schon am Morgen die Veranstaltung wegen Regens abgesagt werden musste. Damals waren die vielen Helfer recht entspannt. Diesmal mussten sie hingegen ganz schön ackern. Zum einen, um den Strom der Besucher auf Wasser und auf Land richtig zu leiten, zum anderen, um die vielen Prozessionsteilnehmer auf die einzelnen Boote zu verteilen. Lange nach dem Zwölf-Uhr-Läuten war alles wieder aufgeräumt, Seehausen glänzte wieder, und viele Besucher nutzten das Angebot mit der Fähre auf die Wörth zu fahren und dort an einer Führung teilzunehmen. Die Seehauser Burschen hatten perfekte Arbeit geleistet und machten sich auf zu einer verdienten Maß Bier. Beim ersten Schluck schien zwar noch die Sonne, doch dann setzte der Regen ein und wusch auch die Blumenteppiche dahin.

Fotos: Fronleichnamsprozession am Staffelsee

Kirchenmusiker Franz Raith zog am Nachmittag ein positives Resümee. Es sei seine „gelungene Prozession“ gewesen. Diesmal seien weniger Schaulustige als früher gekommen, dafür mehr Gläubige von auswärts, die auch mitgebetet hätten.

Christian Kolb

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