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Mit dem Tablet forscht Sohn Vinzenz nach den Ursachen für die Kopfschmerzen seiner Mama Annett – und rettet ihr in letzter Konsequenz damit das Leben. 

Bub lässt nicht locker, bis Mutter in Klinik fährt

Aneurysma im Kopf: Elfjähriger rettet Mama

Als Annett Dreczko eines Abends unter heftigsten Kopfschmerzen leidet, will sie sich einfach früher ins Bett legen. Doch ihr elfjähriger Sohn beharrt darauf, dass sie in die Unfallklinik nach Murnau fährt. Damit rettet er ihr letztlich das Leben. Die Riedhauserin hatte keinen Migräneanfall, sondern ein geplatztes Blutgefäß im Gehirn.

Riedhausen – Nur wenige Stunden, und es wäre zu spät gewesen für Annett Dreczko aus Riedhausen. Dann wäre sie vermutlich nicht mehr lebend aufgewacht. Die 46-Jährige hatte ein Aneurysma im Kopf – ein erweitertes Blutgefäß im Gehirn. Dieses ist für Menschen, die damit leben, wie eine tickende Zeitbombe, denn das Gefäß kann jederzeit reißen. Die Folgen sind meist tödlich.

Dreczko trug diese Gefahr in sich. Doch das war ihr zunächst nicht bewusst. Eines Abends litt die alleinerziehende Mutter nach der Arbeit unter „unglaublich heftigen“, Kopfschmerzen. Es war so schlimm, dass ihr Sohn Vinzenz (11) ihr gleich zwei Schmerztabletten geben musste. Dann wollte sich die Softwareentwicklerin hinlegen. Doch Vinzi, wie ihn seine Mama nennt, ließ sie nicht. Er bettelte so lange, bis sie schließlich nachgab und sich ins Unfallklinikum Murnau fahren ließ. Damit rettete er ihr das Leben.

Dreczko selbst wäre nicht auf die Idee gekommen, ins Krankenhaus zu fahren. „Ich habe öfter Migräne“, sagt sie. So heftig wie an diesem Abend war diese allerdings noch nie. Heute weiß sie, dass sie ganz typische Symptome hatte. Bei einem gerissenen Blutgefäß kommen die Schmerzen so schnell und heftig wie ein Donnerschlag. „Man kann gar nicht mehr denken. Es ist absolut zerstörerisch.“

Ihr Sohn, der die Migräneanfälle seiner Mutter kennt, war skeptisch. Mit seinem Tablet-Computer recherchierte er im Internet, was der Grund für die heftigen Attacken sein könnte. Dabei stieß er auf einen Artikel über Aneurysmen. „Da dachte ich mir, dass das passen könnte“, erinnert sich der Bub zurück. Nun hieß es schnell handeln, denn in dem Bericht stand auch, dass man innerhalb von 48 Stunden ins Krankenhaus müsse, sonst könne es zum Schlimmsten kommen. „Ich ließ mich dann eigentlich nur fahren, um Vinzi zu beruhigen“, sagt seine Mutter.

Im UKM angekommen, wurde sie zunächst von einer Assistenzärztin untersucht, dann vom leitenden Chefarzt ins CT – die Computertomografie – geschickt. Dabei stellten die Mediziner fest, dass Vinzenz mit seiner Vermutung Recht hatte. Dreczko kam sofort auf die Intensivstation. Einen Tag später wurde sie ins Klinikum Großhadern nach München geflogen und dort operiert. Alles ging gut. Dreczko hatte unglaubliches Glück.

Erinnert sich die 46-Jährige heute an die Geschehnisse zurück, läuft ihr ein kalter Schauer über den Rücken. „Ich bin so dankbar, dass ich noch lebe und hier sein darf“, sagt sie. Sie selbst sei ohne Eltern aufgewachsen. Ihrem Sohn und ihrer Tochter (21) will sie das ersparen. Absolut begeistert ist sie von den Ärzten und Krankenschwestern in Murnau und Großhadern. „Sie haben schnell reagiert und mich super behandelt.“ Auf ihrer Facebook-Seite hat sie den Medizinern nochmals ausführlich gedankt. Ebenso ihrer Tochter Linda, ihren Freunden, ihrem Chef und der Familie, die Vinzenz während der Operation bei sich aufgenommen hatte.

Auf ihren Sohn, der ihr durch seine Diagnose und seine Beharrlichkeit in letzter Konsequenz das Leben gerettet hat, ist sie unglaublich stolz. Auch die Mediziner waren hellauf begeistert von dem Elfjährigen. „Sie wollten ihm sogar ein Praktikum in der Klinik anbieten“, erzählt die Mutter lachend. Doch an einem Medizinstudium ist Vinzenz nicht interessiert. „Ich kann kein Blut sehen“, sagt er. Lieber wäre ihm etwas mit Technik. So etwas, wie seine Mama macht. „Wir sind uns ähnlich“, sagt Dreczko. „Er kennt mich einfach sehr gut. Das ist auch der Grund, warum er sofort wusste, dass mit mir etwas nicht stimmt.“

Magdalena Kratzer

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