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Sorgt für Ärger am Staffelsee: der Biber.

Situation spitzt sich seit einem Jahr zu

Biber: 3000 geschädigte Bäume am Staffelsee

Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann findet drastische Worte für die Biber-Probleme am Staffelsee: Seit einem Jahr eskaliere die Situation, sagte Hörmann in einer Aussprache. Es  wurde zum Teil sehr emotional diskutiert.

Seehausen– Das Thema Biber bewegt „viele Leute“ – und deshalb sollte es nach Ansicht von Markus Hörmann „öffentlich diskutiert werden“. Also hatte Seehausens Bürgermeister zu einer Aussprache im Gasthaus Sonne eingeladen. Rund 60 Bürger erlebten eine teilweise sehr emotionale Diskussion.

Der Biber wurde laut Hörmann vor 17 Jahren zum ersten Mal in der Gemeinde festgestellt; er sei inzwischen zum Problem geworden, das seit einem Jahr „richtig eskaliert“. Weitgehende Einigkeit herrschte unter den Besuchern darüber, dass der Biber nicht nur am See, sondern auch an den Bächen ein wachsendes Problem ist.

Unterschiedliche Meinungen gab über die Zahl der tolerierbaren Biber. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) meinte: „Wir brauchen einen verträglichen Bestand.“ Ein Besucher rief dazwischen: „Mia brauch’n gar koan Biber.“ Peter Strohwasser, der für Umweltfragen zuständige Sachgebietsleiter am Landratsamt, sieht das Problem. Er betonte aber: „Für uns gilt das Gesetz.“ Nach diesem ist der Biber laut Justiziar Matthias Hindl „eine besonders geschützte Art“, die vom Jagdrecht ausgenommen ist. Eine Entnahme ist nur erlaubt, wenn Biber große Schäden anrichten, die öffentliche Sicherheit oder die Gesundheit der Menschen gefährden.

An dieser Stelle wollen die Waldbesitzer einhaken. Der Biber, hieß es, schädige durch Abnagen der Rinde wertvolle alte Bäume, die nicht nur das Landschaftsbild prägen, sondern auch das Ufer und die dort verlaufenden Wege sichern. Damit verursachten Biber nicht nur einen hohen materiellen Schaden, sondern gefährdeten auch Wanderer, die von herabfallendem Totholz oder umstürzenden Bäumen erschlagen werden könnten. Ein Schutz von Stämmen mit Maschendraht habe keinen Sinn, weil die Biber dann immer weiter in die Wälder wandern würden. Auch in privaten Gärten seien die Nager gesichtet worden.

Ein weiteres Problem, das von der hohen Biberpopulation ausgeht, ist laut Andreas Matschl das Hanta-Virus. Der Jäger berichtete, dass in Kanada vor dem Biber gewarnt werde, weil er als Überträger des Virus gelte, das bei Menschen zu schweren Erkrankungen und sogar zum Tod führen könne. Michael Finsterwalder, der für die Gemeinde Schäden dokumentierte, erzählte, dass in Patagonien selbst Ökologen die Ausrottung des Bibers forderten, weil dort die Nachkommen von 25 ausgesetzten Biberpaaren inzwischen das Ökosystem bedrohten. Er sei nicht für die Ausrottung des Bibers, der Bestand solle aber in einem angemessenen Umfang bleiben. Finsterwalder sprach sich für den Versuch aus, den Schutz des Bibers „über die politische Schiene“ einzuschränken. Hörmann ist ebenfalls dafür, die Biberpopulation zu kontrollieren.

Auch die Landwirtschaft leidet unter dem Biber, wie ein Besucher berichtete. Durch Biberdämme in Bächen und Gräben werde das Wasser so weit aufgestaut, dass es nicht mehr aus den Drainagen ablaufe. Durch die folgende Vernässung der Flächen würden diese langfristig für die Landwirtschaft unbrauchbar. Nach Einschätzung von Dr. Stephan Gampe vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sind entlang der 22 Kilometer Uferlinien am See und auf den Inseln bereits 3000 Bäume geschädigt. Die Schadenshöhe betrage „mindestens 50 000 Euro, vielleicht sogar 100 000 Euro“. Gampe: „Für mich ist der erhebliche Schaden ganz klar gegeben.“ Deshalb müsse der Schutz des Bibers eingeschränkt werden.

Hörmanns Vorschlag, einen Runden Tisch einzurichten, an dem man sich mit dem Problem beschäftigte, stieß nicht nur auf Zustimmung. „Laber, laber, laber ... das bringt nichts“, rief ein Besucher dazwischen. Es gelte, schnell zu handeln. Wichtig ist laut Hörmann, dass das Problem „nicht nur im Wirtshaus diskutiert“ wird. Alle Betroffenen müssten Schäden genau dokumentieren und Gemeinde oder Landratsamt melden, damit diese aktuelle Informationen besitzen, die sie an die Verantwortlichen weitergeben können.

Alfred Schubert

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