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Film-Experten unter sich: Organisator Daniel Lang mit Regisseurin Lisa Voelter.

22 Filme an zwei Tagen

Ausverkauftes Kurzfilmfest in Westtorhalle: von nachdenklich bis witzig

Das Interesse war enorm: Die elfte Auflage des Kurzfilmfestivals in der ausverkauften Riedhauser Westtorhalle bot eine enorme Bandbreite. Insgesamt wurden an den beiden Tagen 22 Streifen gezeigt.

Riedhausen – Ein Korallenriff aus Plastikbesteck wiegt sich anmutig in der Strömung, während eine Muräne mit der Maserung eines Autoreifens daran vorbei schwimmt. Auf ihrem Weg durch den vermüllten Ozean durchquert das Tier eine Ansammlung von Plastiktüten, die wie lebensechte Quallen durch das Wasser tanzen. Gebannt und fasziniert verfolgen die Zuschauer in der ausverkauften Riedhauser Westtorhalle die vierminütige Animation mit dem Titel „The Beauty“, die anlässlich des elften Kurzfilmfestivals gezeigt wurde. Dabei hatte der Murnauer Regisseur und Dozent an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF), Daniel Lang, insgesamt 22 Streifen ausgesucht. Diese wurden an zwei Veranstaltungstagen unter dem Motto „Über Kurz oder Lang“ gezeigt. Das Programm war gewohnt Genre übergreifend und erweckte beim Publikum unterschiedlichste Emotionen.

Beklemmung und Unwohlsein löste „Hauptinstitut für seelische Gesundheit“ von HFF-Studentin Lisa Voelter aus. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation, die innerhalb von 30 Minuten Einblicke in die Lebenswelt der geistig kranken Protagonistin Sara gewährt. Die 27-Jährige ist in der Psychiatrie mit einschränkenden Maßnahmen konfrontiert. In einer besonders eindringlichen Szene wird sie von mehreren Mitarbeitern unter lautem Geschrei entkleidet und gegen ihren Willen an ein Bett geschnallt. Der Streifen wurde noch nie zuvor auf einem Festival gezeigt und feierte in Riedhausen Weltpremiere.

Zu diesem Anlass war die Regisseurin zugegen, um mit den Gästen ins Gespräch zu kommen. „Das alles basiert auf dem Erfahrungsbericht einer echten Patientin. Mein Anliegen ist es, die Menschen für psychisch Kranke und das Thema Psychiatrie zu sensibilisieren, indem ich unterschiedliche Sichtweisen beleuchte“, erklärte Voelter.

Am gleichen Abend wurde auch ein sechsminütiger Animationsfilm im Dokumentarstil namens „Die Tochter“ präsentiert. Im Zentrum des Geschehens steht ein Vater, der seine Tochter an den radikalen Islam und schließlich sogar an die Terror-Organisation Islamischer Staat verliert. Aufgelockert wurde diese ernste Thematik durch humorvolle Einlagen wie etwa „One Minute Puberty“ von Alexander Gellner. Der Animationsfilm fasst die Pubertät eines Buben innerhalb von einer Minute auf originelle Weise zusammen.

Insgesamt waren am Samstagabend drei Regisseure von der HFF zugegen, um mit den Filmfans ins Gespräch zu kommen. Neben Voelter stellten sich Tuna Kaptan („Hörst du, Mutter?“) sowie Mila Zhluktenko („Opera Glasses“) persönlich vor. Beim Publikum kam das Konzept gut an: „Die Auswahl war so vielfältig, dass wirklich für jeden Geschmack etwas dabei war. Und genau das macht den Reiz aus“, meinte die Besucherin Eva Bäck. Auch der Organisator zeigte sich mit der Resonanz der elften Auflage jener Veranstaltung zufrieden: „Ich freue mich, dass so viele Menschen erschienen sind und dem Festival nach so vielen Jahren immer noch die Treue halten“, befand Lang.

Constanze Wilz

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