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Komplizierte Baustelle: An dieser Stelle auf Seehauser Seite ist die 140 Tonnen schwere Fußgängerunterführung betoniert worden, die Ende Juli unter das Gleisbett (im Hintergrund) eingeschoben wird. 

Neue Unterführung für Fußgänger und Radfahrer an der Bahnstrecke

Seehausen wartet rund 40 Jahre - nun bringt ein Millionenprojekt mehr Sicherheit

Rund 40 Jahre lang hat Seehausen darauf gewartet: Fast vier Millionen Euro fließen in eine Fußgänger- und Radfahrerunterführung, durch die man die Bahnstrecke sicher überwinden kann.

Riedhausen Was lange währt, wird endlich gut – wohl selten traf diese Redensart so den Nagel auf den Kopf wie bei diesem Projekt. Vor rund 40 Jahren kam in Seehausen der Gedanke auf, das Überqueren der Bahnstrecke Garmisch-Partenkirchen-München mit einer Fußgänger- und Radfahrerunterführung überflüssig zu machen, um den Ortsteil Riedhausen gefahrlos erreichen zu können. Nach der Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes für die Errichtung eines solchen Bauwerks herrscht nun in der Gemeinde große Erleichterung. Insbesondere für die Schulkinder stellt der bisherige unbeschrankte Bahnübergang an der viel befahrenen Strecke eine große Gefahr dar.

Jahrzehntelang wurden wegen der geplanten Unterführung Grundstücksverhandlungen geführt, Schreiben verfasst, Ortstermine angesetzt und Gutachten formuliert. Um die Sicherheit ihrer Kinder zu gewährleisten, schoben Eltern am Bahnübergang Ettaler Weg/Torfstichweg Wachdienste.

Mit dem Anrücken der Baumaschinen Anfang April ist nun die Lösung des Problems in Sichtweite. Am Wochenende wurde die Bahnlinie wegen der Verlegung von Kabelträgern komplett gesperrt, es herrschte Schienenersatzverkehr. Nun ist die etwa 140 Tonnen schwere Unterführung bereit für den Einschub. Dafür wird die Strecke von Freitag, 26. Juli, um Mitternacht, bis Dienstag, 30. Juli, um 4.30 Uhr erneut außer Betrieb gesetzt, Bahnkunden müssen nochmals auf Busse umsteigen. Dann werde zunächst der Rückbau des jetzigen Gleisbettes vorgenommen, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Man sorgt für eine Öffnung im Bahndamm, und die neue Unterführung wird an Ort und Stelle platziert, bevor der Gleiskörper wiederhergestellt wird. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 3,85 Millionen Euro. Diese Summe wird nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz zu je einem Drittel von Bahn, Bund und Gemeinde Seehausen getragen. Für den Fußgänger- und Radverkehr wird das Bauwerk voraussichtlich Ende 2019 freigegeben.

Der Seehauser Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) zeigt sich sehr erleichtert, dass das Projekt nun verwirklicht wird: „Das ist nicht nur für die Kinder, sondern für alle ein großer Gewinn an Sicherheit. Auch Eltern und Schulweghelfer werden dadurch entlastet.“ Zudem stelle die Unterführung eine zusätzliche Verbindung der beiden Ortsteile Seehausen und Riedhausen dar, „die dadurch künftig noch mehr zusammenwachsen“. Im Rahmen der Ausschreibung Anfang des Jahres sei erst der volle Umfang der Kosten bekannt geworden, sagt Hörmann. „Wir haben heuer für das Projekt eine Summe von rund 950 000 Euro in unseren Haushalt eingestellt.“

In Murnau waren in den vergangenen Jahren gleich zweimal Bauwerke unter dem Gleisbett der Werdenfelsbahn eingeschoben worden: sowohl die für den Straßenverkehr vorgesehene Unterführung am Kreisel südlich des Bahnhofs als auch die Fußgänger- und Radfahrerunterführung am ehemaligen Bahnübergang Kohlgruber Straße. Die Konstruktionen waren in unmittelbarer Nähe des Bahndamms betoniert und mit ausgelegten Stahlschienen und Hydraulikschubzylindern an ihren Standort verfrachtet worden. Auch bei der Unterführung an der Straße zwischen Rieden und Waltersberg wurde dieses Verfahren angewandt.

Heino Herpen

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