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Nicht normal: ein Biber in einem Garten neben einer Terrasse in der Seehauser Dorfstraße.

Wegen Schäden und Gefährdung der Verkehrssicherheit

Biber-Plage: Drei Tiere wurden schon getötet

Die Ausbreitung des Bibers sorgt für intensive Debatten. Das könnte sich jetzt noch verschärfen. Im Landkreis sind in letzter Zeit drei Exemplare getötet worden.

Landkreis – Es muss ein bemerkenswertes Schauspiel gewesen sein, das sich vor nicht allzu langer Zeit in Seehausen zugetragen hat. Ein Biber „ist den ganzen Tag durch die Gemeinde gelaufen“ und habe sich dabei auch an Katzenschüsseln gütlich getan. So erzählte es der Seehauser Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Kreistags. Dem Tagblatt  berichtete der Rathauschef, dass das Tier zudem am Kneipp-Tretbecken „Dauergast“ war.

Das Ende vom Lied: Das Tier wurde „entnommen“, in dem Fall getötet. Der Biber war nach Auskunft von Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts, „wohl schon sehr krank“. Es habe „abnormales Verhalten gezeigt und wurde mit Zustimmung des Landratsamts vom örtlichen Jäger erlöst“. Der Staffelsee hatte sich in letzter Zeit zum Brennpunkt in Sachen Biber entwickelt, die Schäden häuften sich, die Emotionen kochten bei Betroffenen hoch. „Wir wollen den Biber nicht ausrotten“, betonte Hörmann gegenüber den Kreisräten. „Es geht um ein verträgliches Miteinander.“ Der Waldschaden liegt nach Darstellung des Rathauschefs im unteren sechsstelligen Euro-Bereich. Rund 3000 Bäume wurden am Staffelsee Opfer des Nagetiers.

Doch nicht nur in Seehausen wurde ein Tier getötet, sondern auch jeweils eines am Osterbichl in Oberammergau sowie am Mühlbach in Garmisch-Partenkirchen. Beide Fälle „sind streng geprüft worden“, betonte Scharf. Als Gründe für die „Entnahme“ nennt der Sprecher der Kreisbehörde Schäden, die durch die Tiere verursacht wurden, beziehungsweise eine Gefährdung der Verkehrssicherheit.

Bibermanagement soll auf den Weg gebracht werden

Dr. Stephan Gampe vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war ebenfalls zur Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses erschienen. Er sieht es wie Hörmann: „Man muss die Population auf ein vernünftiges Maß kriegen.“ Es müsse schnell gehandelt werden – und effizient. Allerdings darf der Biber, ein geschütztes Tier, nur noch bis 15. März bejagt werden, dann erst wieder ab 1. September.

Ein Exemplar ist auch am Mühlweiher an der Staatsstraße Richtung Schwaiganger zugange. Und zwar im Bereich der Böschung, wie Dr. Hermann Streicher vom Staatlichen Bauamt in Weilheim mitteilte. Die Straße sei momentan nicht gefährdet. „Man muss aber ein Auge drauf haben.“ Dies erledigen motorisierte Straßenwärter, kurz Stramots. Diese fahren in kurzen Abständen alle Routen ab.

Im Landkreis soll jetzt jedenfalls ein Bibermanagement auf den Weg gebracht werden. Dazu holte sich das Landratsamt Informationen bei anderen Kreisbehörden, wo die Problematik schon länger akut ist. „Man kann das aber natürlich nicht eins zu eins übertragen“, gab Scharf zu bedenken. „Man muss das auf den Landkreis zuschneiden.“ Es wird auf alle Fälle einen Biberbeauftragten geben, als Ansprechpartner vor Ort, der zum Beispiel auch Schäden aufnimmt.

Die Untere Naturschutzbehörde kann sich um den Themenkomplex nicht kümmern. „Das Sachgebiet stößt an seine Grenzen“, teilte Leiter Peter Strohwasser mit. „Wir sind mit den Pflichtausgaben mehr als ausgelastet.“

Roland Lory

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