Da war die Welt noch in Ordnung: Kindergarten-Leiterin Angelika Bierbichler (l.) im vergangenen Sommer bei der herzlichen Verabschiedung von Erzieherin Rita Klimmer (r.). Foto: Archiv-Mayr
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Da war die Welt noch in Ordnung: Kindergarten-Leiterin Angelika Bierbichler (l.) im vergangenen Sommer bei der herzlichen Verabschiedung von Erzieherin Rita Klimmer (r.).

Differenzen mit der Gemeinde Seehausen

Paukenschlag: Kindergarten-Führungsduo hört auf

  • Andreas Mayr
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Das Thema erregt derzeit in Seehausen die Gemüter: Die langjährige Kindergarten-Leiterin Angelika Bierbichler und ihre Stellvertreterin Janine Hoepfner-Rademacher hören überraschend auf. Der Anlass scheinen Differenzen mit der Gemeinde zu sein.

Seehausen – Für den Kindergarten in Seehausen, auf St. Michael getauft, hat man im Dorf sehr schöne Beinamen gefunden. „Lieblingskindergarten“, frohlocken die, die ihn besucht haben. „Vorzeigeeinrichtung“, sagt etwa die Chefin des Elternbeirats. Liebevoll haben sie auch die Internetseite gestaltet. Wer darauf klickt, wird von Sonne, Mond, Sternen und einer Wolke empfangen. Symbole für die vier Gruppen im Kindergarten.

Seit 22 Jahren Leiterin der Einrichtung

Doch seit Kurzem existiert eine neue Lesart für diese kleine graue Wolke: Sie könnte nämlich auch für das kleine Gewitter stehen, das sich Ende November ereignet hat und was manch kluges Köpfchen auf der Startseite im Internet herauslesen kann. Dort hat man eine virtuelle Stellenausschreibung hingepinnt. Gesucht: eine Kindergartenleitung sowie ein Stellvertreterposten zum nächstmöglichen Zeitpunkt, spätestens aber zum 1. April. Womit man zwangsläufig bei Angelika Bierbichler landet. 22 Jahre – in zwei Perioden – hat sie die Einrichtung geleitet, 24 Jahre dort gearbeitet. Sie ist eine Frau mit kurzem Haar und großen Herz, was viele in Seehausen in den vergangenen zwei Jahren mitbekommen haben. So aufwändig, wie der Kindergarten seine zwei Erzieherinnen Pia Unterstein und Rita Klimmer verabschiedet hat, dürfte das niemand sonst machen. Das waren keine Feste, das waren Abschiedszeremonien, und – obwohl sehr tränenreich wie traurig – sehr, sehr schöne Momente.

Aber die aktuelle Geschichte ist nicht schön. Am liebsten hätten sie sich alle Seiten gespart. „Wenn alles gut gegangen wäre, hätte ich das Haus vor der Rente nicht verlassen“, sagt Bierbichler, 60 Jahre alt. Aber es ist nun einmal nicht alles gut gegangen. Im November haben sie und ihre Stellvertreterin Janine Hoepfner-Rademacher die Gemeinde um einen Auflösungsvertrag gebeten. Das macht man nicht aus der Laune heraus. Offenbar gab es Differenzen zwischen Leitung und Verwaltung, wie das Tagblatt erfahren hat. Bierbichler bestätigt, dass der Abschied ein längerer Prozess über Monate hinweg war. Mehr will sie gar nicht sagen. Sie und ihre Kollegin haben sich dem Träger gegenüber der Loyalität verpflichtet.

Heikles Thema im nichtöffentlichen Teil

Auch Markus Hörmann, CSU-Bürgermeister des Ortes, spricht nicht über die Ungereimtheiten. Der Gemeinderat behandelte das Thema schon im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung. Außerdem verfolgen beide Seiten, auch wenn sie jetzt getrennt sein mögen, dasselbe Ziel: Sie wollen den Ruf und die Stabilität des Kindergartens schützen und wahren.

„Wir wollen das doch nicht an die Wand fahren“, sagt Bierbichler. Wo sie doch zusammen über die Jahre ein „super tolles Team“ aufgebaut haben. Zur Zeit 15 Frauen, die die vier Gruppen betreuen. Entsprechend emotional ging es in der Einrichtung zu, als Bierbichler und Hoepfner-Rademacher ihre Kolleginnen vom schweren Schritt informierten. „Wie bei einer Beerdigung“, beschreibt die Uffingerin diese Momente. Auch der Elternbeirat sei bestürzt gewesen.

Niemand hatte etwas geahnt, wie Silke Heiland, die Vorsitzende des Gremiums, erklärt. Erst „als das Kind schon in den Brunnen gefallen war“, erfuhren sie vom Abschied. „Ein Stück weit frustriert“ sei man gewesen, sagt Heiland. Doch mit den Wochen changierte das Gemüt aller Beteiligten von Frust zu Zuversicht und Aufbruch.

Die drei Parteien wollen dafür sorgen, dass „es für die Einrichtung bestmöglich weitergeht“, so formuliert es Angelika Bierbichler. Sie und ihre Stellvertreterin unterstützten auf jeden Fall bis spätestens 1. April. Bierbichler hat sogar schon Besichtigungstermine mit Bewerberinnen vereinbart. Mithilfe statt Blockade ist das Motto. „So sind wir Sozialen gestrickt“, scherzt sie. Über den Weihnachtsurlaub ist „ein ganzer Schwung“ Anfragen bei Markus Hörmann eingetroffen. Auch überregionale Schreiben, obwohl die Gemeinde gezielt in der Gegend ausgeschrieben hat und eine Leiterin aus der näheren Umgebung präferiert. Die vakanten Stellen der Gemeinde, die mit Jobsicherheit über Jahre locken, sind „ziemlich gefragt“, bestätigt der Bürgermeister. Seehausen sucht ja nebenbei auch noch eine Tourismuschefin sowie eine Geschäftsleiterin.

Bezogen auf den Kindergarten „muss die Chemie stimmen“, betont Hörmann. Vor einigen Jahren hatten sie einmal einen Fall, bei dem es „überhaupt nicht gepasst hat“. Danach kam Bierbichler und brachte alles wieder in Ordnung. An der Auswahl beteiligt sich eine Gruppe Erzieherinnen als Vertreter von St. Michael. Das hat Rathauschef Hörmann versprochen. „Wenn er da nicht Wort hält, wäre das schade“, sagt Heiland vom Elternbeirat. Bislang lobt sie Hörmanns Offenheit. Aus der Fülle an Bewerbungen (noch bis zum 14. Januar möglich) wählt das Kindergarten-Team ihre Favoritinnen aus. Das letzte Wort hat dann der Gemeinderat. Hörmann verspricht: „Die Empfehlung wird sicher nicht ignoriert.“

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