Teures Unterfangen: die Sanierung der Mauritiusstraße im Ortsteil Riedhausen.
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Teures Unterfangen: die Sanierung der Mauritiusstraße im Ortsteil Riedhausen.

Haushalt 2021

Corona plündert die Schatztruhe: Gemeinde Seehausen braucht fast gesamte Rücklagen auf

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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In den vergangenen Jahren stand Seehausen finanziell sehr gut da. Doch Corona macht sich auch im Fischerdorf bemerkbar.

  • Die Gemeinde Seehausen braucht heuer fast die gesamte Rücklage auf.
  • Von einer „Ausnahmesituation“ spricht Bürgermeister Markus Hörmann (CSU).
  • Die Kommune hofft auf Entschädigungszahlungen seitens des Staates.

Seehausen – Wer’s gemacht hat wie Seehausen, macht seit mehr als einem Jahrzehnt nichts falsch. Tüchtige Sparer sitzen am Staffelsee. In jedem Jahr hat die Gemeinde einige zehntausend Euro zurückgelegt. Einen Geldspeicher benötigen sie zwar noch nicht, aber es ist ein hübsches Sümmchen zusammengekommen. Stand 2021: an die vier Millionen Euro an Bar-Rücklagen. Ein solches Startkapital wünscht sich jede Kommune für Projekte aller Art.

Nur wenige Bündel bleiben

Doch Corona kommt nicht nur in Form eines gesundheitsgefährdenden Virus daher, im Fall der Gemeinde Seehausen nimmt diese Krise auch die Gestalt eines Piratenschiffs an. Die Pandemie kapert gerade die Kommune, plündert die Schatztruhe und lässt nur noch ein paar wenige Bündel zurück. 3 589 100 Euro – in Worten über dreieinhalb Millionen Euro – an Rücklagen frisst das Jahr 2021. Zum Ende des Jahres mag Seehausen zwar schuldenfrei sein, allerdings auch beinahe rücklagenfrei. Etwa 300 000 Euro bleiben übrig. Entsprechende Worte fand die gepeinigte und zurückgelassene Schiffscrew. Eine „dermaßene Ausnahmesituation“, nannte es Bürgermeister Markus Hörmann (CSU). „Schmerzhafter Haushalt“, sagte Dr. Robert Roithmeier (Liste Bürgernah). Jahrzehntelang gespart, nichts mehr übrig.

Rotstift angesetzt

Kürzlich hat es eine Sondersitzung gegeben, eine weitere Verhandlungsrunde zu den Finanzen. Rathauschef Hörmann griff, im übertragenen Sinn, zum Rotstift und strich nochmals im Plan bis 2024 Projekte weg, die es nicht ganz dringend braucht, darunter Straßensanierungen wie den Hohenbreitenweg oder den Neubau des Verkehrsamts. Seehausen packt nur an, was gemacht gehört. Pflichtaufgaben also, Straßen, Wasser, Internet, Sanierungen. Bei einer Position waren sich die Räte aber nicht einig, beim Thema Energie. Im Zukunftspapier bis 2024 stehen jeweils Investitionen für Photovoltaik-Anlagen sowie für den Beitritt zum Regionalwerk Oberland, das Stromnetz der Gegend, an dem sich etwa die Nachbarn Murnau und Uffing schon beteiligen. „Damit kann ich mich überhaupt nicht abfinden“, stellte Klaus Neubert (CSU) klar und erhielt dabei Unterstützung von Banknachbarin und Fraktionskollegin Christina Fischer-Trenkwalder. Auch Daniel Schreyer (CSU) will im nächsten Jahr noch einmal über PV-Anlagen sprechen. „Zukunftsprojekte auf Pump“ widersprächen dem Seehauser Weg, den der Dritte Bürgermeister mit den Worten „Pfad der finanziellen Sicherheit“ umschrieb. Er tue sich schwer, in die Verschuldung zu gehen. Die Vertreter der Liste Bürgernah sahen damit ihre Klima-Projekte gefährdet, die eigentlich schon abgenickt waren. Roithmeier warnte nach der kurzfristigen Coronakrise vor der langfristigen Klimakrise. Dr. Peter Manusch verwies auf die Rendite, die seiner Aussage nach bereits nach fünf bis zehn Jahren zu erwarten ist. Die Diskussion vertagte man fürs Erste auf 2022.

Zukunft im Nebelschleier

Die Gemeinde Seehausen blickt jedenfalls auf eine Zukunft im Nebelschleier. Ein Beleg: Hörmann gebrauchte wohl kein Wort häufiger an diesem Abend als „spekulativ“. Die entscheidende Frage war nur, wie sich Seehausen aus der kritischen Lage herausmanövriert. Die Kommune hofft auf Entschädigungen des Staates (2020: etwa 2,1 Millionen Euro), auf steigende Steuereinnahmen bei Gewerbe- und Einkommenssteuer. Gerade auf die Gewerbeabgaben baut die Kommune. Am Ort haben sich viele Dienstleister angesiedelt, die die Viruskrise hart getroffen hat. Zudem regte der Bürgermeister an, den Bau des neuen Gewerbegebiets voranzutreiben. Im Plan bis 2024 hat Seehausen 3,8 Millionen Euro verankert, „die noch nicht auf dem Konto sind“, wie Hörmann betonte. In seinem 19. Jahr im Gemeinderat beschäftige sich das Gremium erstmals mit „kritischen Zahlen“. Er könne nur warnen und mahnen. Die Zeit für Wünsche und Träume ist erst mal vorbei.

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