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„Das wird eine ganz schwierige Zeit“: Menschen-Helfen-Chef über Lage in Moldawien - Dort unterstützt Verein ein Kinderzentrum

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Von: Roland Lory

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Bild aus ruhigeren Zeiten: Dr. Robert Roithmeier (l.) bei einem Aufenthalt in Moldawien. 
Bild aus ruhigeren Zeiten: Dr. Robert Roithmeier (l.) bei einem Aufenthalt in Moldawien.  © Kolb/OH

Menschen-Helfen-Chef Dr. Robert Roithmeier ist beunruhigt. Denn Moldawien, wo der Verein seit langem ein Kinderzentrum unterstützt, grenzt direkt an die Ukraine.

Seehausen – In der Republik Moldau – auch Moldawien genannt – geht die Angst um. Schließlich wird das Land im Norden, Osten und Süden vollständig von der Ukraine umschlossen, wo seit ein paar Tagen Krieg herrscht. Einem russischen Angriff wäre Moldau, das kein NATO-Mitglied ist, ziemlich wehrlos ausgeliefert, denn das Militär zählt nur wenige tausend Mann.

„Man kann nur hoffen, dass er seiner Groß-Russland-Ideologie nicht komplett verfällt“, sagt Dr. Robert Roithmeier, Vorsitzender des in Seehausen ansässigen Vereins Menschen Helfen. Mit „er“ meint Roithmeier selbstverständlich Putin. Menschen Helfen ist schon seit 2006 in Moldawien aktiv. Seit etwa zwölf Jahren unterstützt der Verein, der jedes Jahr das Benefiz-Festival Kulturknall auf die Beine stellt, ein Kinderzentrum in Grigorauca. Flüchtlinge aus der Ukraine sind bereits im Land. Menschen, die in dem Kinderzentrum tätig sind, helfen laut Roithmeier dabei, Übernachtungsmöglichkeiten für die Schutzsuchenden zu organisieren. Zusammen mit anderen Vereinen und Kinderzentren. Roithmeier ist täglich in Kontakt mit diesen Institutionen in Grigorauca. Er mailt, chattet und telefoniert. „Man tauscht sich aus.“ In Grigorauca versuche man sich vorzubereiten, „aber man weiß nicht, was kommt“. Eines ist dem Vereinsvorsitzenden jetzt schon klar: „Das wird eine ganz schwierige Zeit, so oder so.“ Außerdem prophezeit der Seehauser, der dort auch für die Gruppe Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne im Gemeinderat sitzt: „Wir werden mehr Geld brauchen“.

Für Mai war Besuch geplant

Moldau ist ein relativ armes Land. Die Preise für Gas, Holz und Kohle sind explodiert. Menschen Helfen leistet Unterstützung, was die Versorgung mit Lebensmitteln und Heizmaterial anbelangt. Eigentlich war für Mai ein Kontrollbesuch geplant. Doch momentan wissen die Ehrenamtlichen von Menschen Helfen nicht, ob und wann heuer eine Stippvisite stattfinden kann. Derzeit ist der Luftraum über Moldawien gesperrt. „Wir wollen unbedingt kommen, sobald es geht“, sagt Roithmeier. Es sei wichtig, ein Signal auszusenden, nach dem Motto „Wir lassen euch nicht allein“.

Vor Corona betreuten die Kräfte im Kinderzentrum von Grigorauca 130 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren. Derzeit sind es 105. Sie stammen aus schwierigen, familiären Verhältnissen.

Spezialfall Transnistrien

Roithmeier verweist auch auf die besondere Situation Moldawiens. Denn im Osten des Landes liegt Transnistrien. Die Region hatte sich Anfang der 1990er-Jahre in einem Bürgerkrieg von der Republik Moldau abgespalten, nachdem diese sich wiederum von der Sowjetunion unabhängig erklärt hatte. Bis heute sind russische Soldaten in Transnistrien stationiert. Die Region ist ein international nicht anerkanntes, ausschließlich von Russland gestütztes De-facto-Regime in Südosteuropa.

Wie die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ berichtet, sollen sich die prorussischen Führer Transnistriens kürzlich nach Moskau aufgemacht haben, um bei Russlands Präsident Wladimir Putin ein ähnliches Modell wie jenes der „Volksrepubliken“ im Donbass für sich zu reklamieren – also die Anerkennung ihres Gebiets als eigener Staat. Roithmeier befürchtet, dass Putin „nicht nur Transnistrien haben will“, sondern ganz Moldawien.

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