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Ulrich Willburger befindet sich mit seinen „Trixi-Spiegeln“ europaweit auf Erfolgskurs. 

Schutz vor schweren Unfällen

Erfindung aus Seehausen: „Trixi-Spiegel“ auf der Erfolgsspur

Die Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt: Tausende von „Trixi-Spiegeln“ stehen inzwischen in Deutschland und in der Schweiz. Die Objekte helfen auf eine ebenso einfache wie geniale Weise, schwere Unfälle im sogenannten toten Winkel zu verhindern. Erfunden hat sie Seehausens ehemaliger Bürgermeister Ulrich Willburger.

Seehausen/München – Es ist der Albtraum schlechthin: Ein Laster oder ein Bus biegt rechts ab und übersieht einen die Kreuzung querenden, vorfahrtberechtigten Fußgänger oder Radfahrer – weil diese sich im sogenannten toten Winkel des Seitenspiegels befinden. Der Zusammenstoß ist nicht mehr zu verhindern.

Auf diese Weise kam und kommt es immer wieder zu Abbiege-Unfällen – mit meist verheerenden Folgen. Dabei könnten die „Trixi-Spiegel“ schon längst Abhilfe schaffen – sie sind eine Erfindung von Ulrich Willburger, dem ehemaligen Bürgermeister von Seehausen.

Die Zahlen sprechen für sich: In Deutschland stehen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten bereits 1000 solcher Spiegel, in der Schweiz sind es schon 3000. Ein Spiegel auf der Erfolgsspur. Leben retten kann so einfach sein.

Nur in München scheint man sich mit der ebenso simplen wie genialen Idee noch nicht so recht anfreunden zu wollen: Gerade einmal 20 „Trixi-Spiegel“ sind dort an verschiedenen Unfallschwerpunkten aufgestellt. Immerhin: Die Stadt will in Kürze in einer Pilotphase 100 weitere montieren, insgesamt sollen es einmal 8000 sein. Als Grund wird fehlende Evidenz angeführt. Wie das Kreisverwaltungsreferat jüngst erklärte, war man bei der Stadt bislang noch nicht vom Nutzen überzeugt. Und: Die Ergebnisse aus anderen Orten seien nicht eindeutig gewesen. Das Verfahren sei recht aufwendig, hieß es weiter. Es müssten erst die Standorte anhand von Unfalldaten und Lkw-Aufkommen bestimmt werden.

Willburger hat den Spiegel bereits vor 25 Jahren entwickelt und nach seiner Tochter Beatrix benannt. Sie war als Kind von einem Lastwagen angefahren worden und erlitt eine parzielle Querschnittslähmung. 14 Jahre saß sie im Rollstuhl, ein Bein ist gelähmt.

Eine Tragödie, über die Willburger nur schwer hinwegkommt, die aber seinen Erfindergeist angeregt und ungeahnte Kräfte in ihm freigesetzt hat. Der Spiegel ist Willburger deswegen eine Herzensangelegenheit.

Der ehemalige Rathauschef und aktuelle Vorsitzende der Bürgerstiftung „Mehrwert“ wird damit nicht reich. Das ist auch nicht das Ziel. „Es geht nicht ums Geld“, sagt er. Sondern um jeden Unfall, der sich aus seiner Sicht vermeiden lässt. Natürlich gibt es auch mit dem Spiegel keine 100-prozentige Rundum-Absicherung. Willburger: „Er bietet dem Fahrer aber die Chance, dass er Einsicht nimmt.“ Nämlich ob sich jemand im toten Winkel neben ihm befindet oder nicht.

Die Unfälle, die sich dort abspielen, wären aus Willburgers Sicht vermeidbar. Recht einfach sogar – wenn man sich nur über die Gefahrensituation im Klaren ist. Es sei kein Hexenwerk, diese zu erkennen und zu analysieren. Ein Gutachter brachte ihn deswegen einst auf die Palme: „Der hat behauptet, es handle sich um einen stereotypischen Unfall, der immer wieder passiert. Ich habe gesagt: Das akzeptiere ich nicht.“ Und der Seehauser handelte: Bei einem Versuch stellte er 21 Kinder in den toten Winkel eines Lkw. Das entspricht einer ganzen Schulklasse. Rund ein Drittel wäre beim Anfahren überrollt worden.

Ein paar Tage nach der Tragödie mit seiner Tochter, die sich an der Reschkreuzung abspielte, war für den technischen Kaufmann die Idee für eine Lösung klar: „Das ist ein ganz simples Prinzip.“ Willburger meldete den „Trixi-Spiegel“ als Gebrauchsmuster an: einen konkav gewölbten, runden Spiegel, in dem der Lkw-Fahrer „die Chance hat, sich selbst zu sehen und alles, was um ihn herum ist“. Er kann, am Ampelmast montiert, buchstäblich Leben in den toten Winkel bringen.

Nadja Hoffmann,

Rafael Sala

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