Das Seehauser Feuerwehrhaus wird aktuellen Standards und Vorgaben nicht gerecht.
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Das Seehauser Feuerwehrhaus wird aktuellen Standards und Vorgaben nicht gerecht.

Entscheidung war bereits gefallen - nun wird neu diskutiert

Seehauser Feuerwehrhaus: Standortdebatte flammt neu auf

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Die Seehauser Feuerwehr wird noch Jahre auf ein neues Gerätehaus warten müssen. Im Gemeinderat wurde die Standortfrage, die längst geklärt schien, wieder entfacht. Das Endlos-Thema zieht sich damit weiter hin. Bei der Wehr herrscht Enttäuschung.

  • Seit vielen Jahren ist in Seehausen ein neues Feuerwehrhaus Thema.
  • Ein Standort war bereits gefunden - doch nun ist die Diskussion über den richtigen Platz für das Millionen-Projekt im neuen Gemeinderat wieder aufgebrochen.
  • Bei der Feuerwehr herrscht angesichts dieser Entwicklung und der Verzögerung Enttäuschung.

Seehausen – Geht es zurück auf Los, nach all den Jahren, in denen über ein neues Seehauser Feuerwehrhaus diskutiert worden ist? Gut möglich: Im Gemeinderat ist die Standortdebatte wieder entflammt. Das Vorgänger-Gremium hatte sich in dieser Frage festgelegt und einstimmig einen Neubau auf der Pausenwiese an der Grundschule befürwortet. Doch 2020 wurde frisch gewählt – und mit der Zusammensetzung hat sich das Meinungsbild im Gemeinderat verändert. Dieser habe „eine Standortdiskussion begonnen“, sagt Bürgermeister Markus Hörmann (CSU). Das neue Gremium sei in dieser Sache „gespalten“. Ziel ist nun, dass sich die Entscheidungsträger bis Ende des Jahres auf ein Grundstück festlegen. Eine Realisierung sei im Haushaltsplan vor 2023 nicht möglich, sagt Hörmann.

Seehauser Feuerwehrhaus: Haushaltslage lässt den Neubau derzeit nicht zu

Seehausen leidet finanziell massiv unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie, und das neue Wehrhaus stellt eine Millionen-Investition dar. Momentan sei der Bau nicht drin, erklärt Kämmerin Elisabeth Mohr mit Blick auf die monetäre Lage. Im aktuellen Etatplan finden sich für das Vorhaben Planungskosten in Höhe von 50 000 Euro wieder.

Feuerwehrhaus: Plötzlich ist auch der bisherige Standort wieder in der Diskussion

Hörmann stellt klar: Wird die Entscheidung pro Pausenwiese über den Haufen geworfen und ein neuer Standort gewählt, „müssten wir noch mal von vorne anfangen zu planen“. Im aktuellen Gemeinderat kamen Überlegungen auf, eventuell am bisherigen Standort an der Uffinger Straße festzuhalten. „Man muss sehen, ob das Sinn macht und ob dieser erweiterungsfähig ist“, sagt Hörmann. Ihm zufolge wurde unter anderem die Kritik laut, dass das alte Wehrgebäude bei einem Umzug keiner ernsthaften Nutzung zugeführt werde.

Alternative Fläche befindet sich nicht komplett in Gemeindehand

Zudem rückte mindestens eine weitere Variante in den Fokus: Es soll sich um eine Fläche nördlich der Turnhalle handeln, die sich anders als die Pausenwiese nicht komplett in Gemeindehand befindet – hier müsste also erst ein Kauf ausgelotet werden. Man schaue sich zwischen Turnhalle und altem Standort nach Flächen um, erklärt Hörmann allgemein. Sein Vize Karl Widmann (PWS) habe vom Gemeinderat den Auftrag erhalten, sich des Themas anzunehmen, mit Eigentümern zu sprechen sowie „Perspektiven aufzuzeigen – und das ziemlich bald“. Spätestens bis etwa Mai sollen dazu Fakten auf dem Tisch liegen. Dann müsste eine Machbarkeitsstudie folgen.

Pausenwiese erweist sich bei Untersuchung als beste Lösung

Diese gibt es für die Pausenwiese längst, auch eine Variantenprüfung hat man hinter sich. Dabei erwies sich diese Fläche als beste Lösung. Hörmann lässt durchklingen, dass auch er sie präferiert. Eine Untersuchung habe ergeben, dass der Platz „außerordentlich zukunftsfähig“ sei. Doch der Rathaus-Chef betont: „Wir gehen das Thema komplett ergebnisoffen an.“ Dabei weiß er, dass die Wehrkräfte schwer schlucken: „Für sie ist das alles relativ unbefriedigend“ – zumal schon ein Standort fixiert war. Die Wehr habe „gehofft, dass man zeitnah zu bauen anfängt“. Nun müsse man „an die Geduld appellieren“.

Feuerwehr-Kommandant Martin Bierling junior findet Entwicklung „sehr enttäuschend“

Doch die lässt sich nach vielen Jahren, die bei diesem Thema bereits ins Land gezogen sind, nicht unendlich strapazieren. Das klingt aus den Worten von Kommandant Martin Bierling junior heraus. Als „sehr enttäuschend“ bezeichnet er die Entwicklung, nachdem man so viel Zeit in die Standortsuche investiert habe. Er rechnete „definitiv nicht damit“, dass das Thema noch einmal aufbricht. Bierling kann sich auch nicht vorstellen, dass es die Finanzlage der Gemeinde zulässt, neben dem Bau, der immer teurer werde, je mehr Zeit verstreiche, noch Geld für den Kauf eines Grundstücks auszugeben. Was den alten Standort angeht, verweist er auf die Einschätzung eines Architekten: Es fehle an Platz, um alle Vorgaben einzuhalten. „Es gibt die klare Aussage, dass ein Umbau finanziell keine Erleichterung bringt“, betont Bierling. Zudem ändere sich nichts an den fehlenden Stellflächen und der Platzproblematik.

Altes Feuerwehrhaus kann aktuelle Standards und Vorgaben nicht erfüllen

Das bestehende Feuerwehrhaus stammt aus dem Jahr 1981. Die Fahrzeuge sind seitdem größer, das Material ist mehr geworden. Aktuelle Standards lassen sich nicht erfüllen, die Ausfahrtsituation stellt sich tückisch dar, die Umkleiden sind beengt. 82 Leute bringt Bierling bei Aktiven und Jugend zusammen. Nun sieht er das Problem, dass den Ehrenamtlichen ein Ziel genommen wurde, auf das man „gemeinsam hingearbeitet“ habe. Und er will nicht, dass „erst etwas passieren muss, bevor etwas gemacht wird“. Bierling sagt das mit Blick auf die Kameraden in Murnau, die ähnliche Probleme mit ihrem Gerätehaus plagen. In diesem kam es bei beengten Verhältnissen bereits zu einem schweren Unfall.

Lesen Sie dazu auch: Auf Schul-Pausenwiese soll Millionen-Projekt entstehen

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